AM SEIDENEN FADEN

ein Film von Katarina Peters
Deutschland 2004, 108 Minuten, Farbe

 




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KURZINHALT
Die autobiografische Geschichte einer jungen Liebe im Ausnahmezustand. Ein Schlaganfall kommt unerwartet. Er vernichtet alle Zukunftspläne. Kurz nach seiner Hochzeit erleidet der 33-jährige Cellist Boris Baberkoff in New York einen schweren Schlaganfall. Seine Frau, die Regisseurin Katarina Peters, greift intuitiv zu ihrer DV-Kamera. Um den Schock zu überstehen, beginnt sie zu filmen. Sie dokumentiert den außergewöhnlichen Heilungsprozess ihres Mannes. Es entwickelt sich das Bild einer Beziehung im Ausnahmezustand. Statt sich von den Problemen des Alltags überwältigen zu lassen, findet das Paar kreative Kräfte und erkennt darin neue Hoffnung für ihre Zukunft. AM SEIDENEN FADEN ist ein autobiografischer, dokumentarischer Spielfilm. Er handelt von der bedrohlichen Krankheit Schlaganfall, von einem unglaublichen Paar – und von der Kraft der Liebe und der Musik.


DVD Best.-Nr. D268
VK: 22,90
Ton: Dolby Digital Stereo
Bild: 4:3 Letterbox
Sprache: dt. OF
UT: englisch, französisch
Extras: Trailer, Interviews von Maria Bichler, Therapie fachlich erläutert von Saskia Buschner, Musikclip VERSÖHNUNG von Boris Baberkoff

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INHALT

Ein Schlaganfall kommt unerwartet. Er vernichtet alle Zukunftspläne. Gerade als junger Mensch ist man nicht darauf vorbereitet, so abrupt aus dem Leben gerissen zu werden. Als der 33-jährige Musiker Boris Baberkoff in New York einen schweren Schlaganfall erleidet, entwickelt seine Frau, die Regisseurin Katarina Peters, eine eigensinnige Überlebensstrategie. Sie hält sich an ihrer DV-Kamera fest. Fast zufällig wächst über die Jahre ein hautnahes Bildarchiv heran. So entsteht AM SEIDENEN FADEN, ein autobiografisches Dokument über die Krankheit  Schlaganfall – und über die Kraft der Liebe und der Musik.

New York, Dezember 1998: Boris stammt aus einer ungarischen Musikerfamilie; er steht kurz vor einem wichtigen Vertragsabschluß. In der New Yorker Zentrale einer großen Plattenfirma stellt er seine neuen Stücke vor. Katarina, Filmemacherin und Künstlerin, arbeitet an einem Dokumentarfilm über den amerikanischen Kunstmarkt. Nach einem fröhlichen Abend mit Freunden bricht Boris zusammen. Die Diagnose lautet: Stammhirninfarkt – Boris ist „lockedin“. Reglos liegt er da, bei vollem Bewusstsein in seinem Großhirn eingeschlossen. Die Prognosen der Ärzte sind niederschmetternd – Katarina aber ringt nach Auswegen, dem Prinzip Hoffnung folgend...

Einen Monat später werden Boris und Katarina nach Hause geflogen, eine Schuldenlast von 350.000 $ im Gepäck. Zurück in Berlin, beginnt für Boris ein langer, mühsam qualvoller Weg der Heilung und Auseinandersetzung. Ist anfangs der Tod körperlich spürbar, wächst in den folgenden Jahren die psychische Belastung in der Partnerschaft. Ein neuer Alltag mit der Behinderung bringt tägliche Erschütterungen für beide: Existenzängste, Außenseitertum und Beziehungsstress.

Der Film stellt die großen Fragen des Lebens – Liebe und Hass, Leben und Tod, Verantwortung und Schuld.

Ästhetik:
Die Erzählstruktur bewegt sich auf zwei Ebenen: dokumentarisches DV-Material wird verwoben mit inszenierten 35mm-Bildern. Traumvisionen und schmerzhaft-reale Etappen einer Heilung bestimmen die Dynamik und Bildsprache des Films. In der dokumentarischen Auseinandersetzung begleitet die kleine schnelle DV-Kamera Boris aus minimaler Distanz. Mit unerschrockenem Humor und ohne Scham offenbart sich der Kranke in seinem Ausgeliefertsein – aber auch in seinem unerschütterlichen Willen, wieder gesund werden zu wollen. “Es ist unglaublich, wie schön das ist, wenn man zurückkommt zum Leben”, sagt Boris in der Mitte des Films. Katarinas innere Wirklichkeit, inspiriert von ihren Träumen, findet einen Ausdruck in opulenten Kinobildern. Inszenierte Szenen, in denen sich Katarina in Boris’ Cello verkriecht, mit Wasserfluten kämpft oder ein Gehirn häkelt ergänzen die beobachtete Außenwelt. Bei der Suche nach Lösungen für ihre Beziehung im Ausnahmezustand vertraut die Regisseurin auf die reale Kraft ihrer Vorahnungen und Intuitionen.

AM SEIDENEN FADEN ein Film von KATARINA PETERS mit BORIS BABERKOFF Musik / Sounddesign BORIS BABERKOFF Kamera KATARINA PETERS CHRISTOPHER ROWE (bvk) Montage FRIEDERIKE ANDERS Vorschnitt MARIAN BICHLER PETRA HEYMANN Produktion KATARINA PETERS FILMPRODUKTION Regie / Buch / Stimme KATARINA PETERS im Verleih der EDITION SALZGEBER

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HINTERGRUND

Was ist ein Schlaganfall?

Beim Schlaganfall oder Gehirnschlag handelt es sich um eine Kreislauferkrankung. Die Arterien oder Venen des Gehirns werden beeinträchtigt, die Zufuhr oder der Abfluss des Blutes werden unterbrochen. Der Schlaganfall ist eine Volkskrankheit und nach Krebs- und Herzerkrankungen dritthäufigste Todesursache. In Deutschland sind jährlich etwa 200.000 Menschen betroffen, jeder Fünfte stirbt.

Folgende allgemeine Symptome können auf einen bevorstehenden Schlaganfall hindeuten:

  • Plötzliche Asymmetrie des Gesichtes bzw. Lähmung eines Armes oder Beines einer Körperseite
  • pelziges oder taubes Gefühl eines Armes, Beines oder einer ganzen Körperseite
  • Sprachverlust bzw. Störungen, oder Schwierigkeiten beim Verstehen von Sprache
  • akut einsetzende Sehschwäche, Einschränkung des Gesichtsfeldes oder Erblindung
  • unerklärliches Schwindelgefühl (vor allem bei gleichzeitigen, plötzlichen Auftreten weiterer neurologischer Symptome)
  • Gangabweichung oder plötzliche Fallneigung
  • akut einsetzende Desorientiertheit zeitlich, örtlich oder zur Person

Jährlich könnten ungefähr die Hälfte aller Schlaganfälle verhindert werden, wenn Warnsignale ernst genommen und sofort geeignete Therapiemaßnahmen eingeleitet würden. (Quelle: Stiftung Schlaganfall)

Der Schlaganfall von Boris Baberkoff.

Auch bei Boris Baberkoff traten einige Wochen vor dem Schlaganfall typische Vorzeichen auf. Er klagte wiederholt über Sehstörungen und Schwindelgefühle. Diese Symptome wurden sowohl vom Hausarzt als auch kurz darauf in der Notaufnahme eines Krankenhauses nicht erkannt und ernst genommen. Die notwendigen neurologischen Untersuchungen wurden unterlassen.

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INTERVIEW KATARINA PETERS

Grit Lemke: Der Film ist über einen sehr langen Zeitraum entstanden …
Katarina Peters: Ja, angefangen hat es im Dezember 98 mit dem Schlaganfall von Boris. Er war 33, und wir hatten uns gerade erst kennengelernt, hatten irrsinnige Pläne. Dann passiert so etwas, und man ist in einer völlig neuen Situation. Am Anfang ging es ums pure Überleben, und ich habe intuitiv und aus dem Bauch heraus angefangen zu filmen.

Ab wann war dir klar, dass das jetzt dein Film wird?
Am Anfang überhaupt nicht. Auf der Intensivstation habe ich mich nicht richtig getraut, man ist als Angehöriger dort eh immer im Weg. Als ich mir allerdings die Bilder später angesehen habe, hat mich überrascht, wie durchdacht sie schon waren. Aber erst als ich nach einem Dreivierteljahr wusste, dass Boris überlebt, habe ich mich mit dem Gedanken beschäftigt, dass da mehr drinstecken könnte, habe Sachen aufgeschrieben, zum Beispiel diesen Traum: Ich baue eine Geige, und sie ist verkrüppelt. Boris hatte mich als kreativer Mensch und Künstler sehr inspiriert, ich hatte Sehnsucht danach, nach einer längeren Pause selbst wieder künstlerisch aktiv zu werden.

Dazu ist es ja durch diese Geschichte auch gekommen.
Ja, das ist das Seltsame daran. Und sie hat mich noch auf ganz andere Sachen gebracht: unsere Wahrnehmung, unsere begrenzte Vorstellung von Zeit und Raum, die Funktionalität unseres Gehirns. Es hat mich gereizt, das in der Geschichte von dem Traum unterzubringen. Wobei die Frage war, wie man die zwei ganz verschiedenen Ebenen zusammenbringt: Inszenierungen und dokumentarisches Material.

Und auch das Dokumentieren selbst schien manchmal nicht unproblematisch.
Eine Zeitlang hat die Kamera Boris gereizt, sich mir zu offenbaren, schutzlos und mit einem unglaublichen Urvertrauen. Er sagte einmal: “Schämen gibt es gar nicht, es ist sowieso alles nackt.” Manchmal hat er auch die Kamera genommen und mich gefilmt wacklige Bilder, über die ich sehr glücklich bin. In dem Moment aber, als er nach Hause kam, ist bei uns beiden was passiert. Er saß im Rollstuhl, kleckerte permanent, verletzte sich, lernte laufen, kippte um, brach sich den Arm … Dazu der Existenzkampf. Da setzte eine depressive Zeit ein, wo er keine Lust mehr hatte, mir seine Gefühle zu zeigen und ich keine Lust, ihn mit der Kamera zu provozieren. Es wurde immer dünner, und natürlich habe ich auch nicht so authentisch auf Material gebannt, wie ich ungeduldig und hässlich zu ihm bin. Das Problem beim Schneiden und Texten war: Wie stelle ich das alles dar?

Inwiefern war Boris daran beteiligt?
Wir haben im Schneideraum gerungen und immer wieder bei ihm nachgefragt und er hat seine Meinung dazu gesagt.

Wie war es für ihn, sich selbst so hilflos im Film zu sehen?
Er ist ein Performer, von Natur aus. Und ich habe ihn von Anfang an, auch als er noch in seinem Großhirn eingeschlossen war, einbezogen.

Das Filmprojekt hat sich mit eurer Homepage ausgeweitet in Richtung Hilfe für Betroffene und Angehörige?
Ja, denn außer medizinischen Seiten im Internet gibt es nichts, das einen abholt in dem Moment, wo das gesamte Leben sich ändert: Alles dreht sich nur noch um Boris. Und ich muss mich so ausrenken und hab das Gefühl, mein ganzes Leben ist kaputt. Und hab gar kein Recht, mich zu beschweren, denn ich bin ja gesund. Diesen Gedanken: ‚Es ist dein verdammtes Schicksal, und ich will es nicht mit dir teilen.’ lässt man nur sehr schwer zu, hat immer ein schlechtes Gewissen. Es hat mich interessiert, das zu verfolgen.

Hat der Film euch gerettet?
In gewisser Weise, ja.

Das Interview führte Grit Lemke im Rahmen des Leipziger Dokumentarfilmfestivals 2004

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BIOGRAFIEN

Katarina Peters / Regisseurin, Künstlerin
Geboren 1958 in Hamburg, lebt seit 1981 in Berlin.

1978-81: San Francisco Art Institute (Skulptur, Film, Performance)
1981-86: 'Hochschule der Künste Berlin (Visuelle Kommunikation)
1985: Meisterschülerin 1986: Gründung der Katarina Peters Filmproduktion
1990-98: Leitung Schnittstelle Potsdamer Platz, Berlin (Film- und Fernsehproduktion)
1981-98: Tonmeisterin und Szenenbildnerin für Theater, Film- und Fernsehproduktionen
Seit 1979: zahlreiche Ausstellungen in Deutschland und den USA.

Filmographie (Dokumentar- und Experimentalfilme, Auswahl):
AM SEIDENEN FADEN (2004)
MASCHA UND GELB (1995)
GRÜNE LEGUANE (1994)
DER RECHTE WINKEL (1991)
AM RAND DER ERDE (1986)
ZENTRI-FUGE, KEEP YOUR MIND ON A HOT MAN (1984)

Boris Baberkoff / Musiker, Komponist
Geboren 1968 in Marl, lebt seit 1982 in Berlin.

1970: Erster Cellounterricht
1974/75: Jungstudent Folkwanghochschule, Essen und Musikhochschule Dortmund
1978: Studium Musikhochschule Köln
1981: Studium an der Musikhochschule Wien, Arbeit mit Baberkoff-Trio
Ab 1982: Absage an klassische Musik; Gesang-, Tanz- und Schauspielunterricht u.v.m.
1996: Filmmusiken
1997: Musikverleger für BMG; eigene Cellostücke und Wiederaufnahme der Bachsuiten 1998: “La Vita Nova” von Dante, 2-Mann-Stück mit Thilo Prückner; Konzerttour in Deutschland und den USA; Schlaganfall
1999: Rehabilitation und neue Annäherung an die Musik
2002: “Was Mensch ist was ihm fehlt” - Ausstellung, Charité Berlin; Sounddesign für Performances, Ausstellungen und Videoprojekte
2003/04: Filmmusik und Sounddesign für AM SEIDENEN FADEN

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WEITERFÜHRENDE LINKS

www.schlaganfall-hilfe.de (Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe)
www.stiftung-schlaganfall.de (Stiftung Schlaganfall)
www.amseidenenfaden.de (Film-Website)
www.stroke-info.de (Info-Website zum Thema Schlaganfall)

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PRESSESTIMMEN

Hervorragend geschnitten und anrührend unmittelbar … eine Art Lebenshilfe
Hans-Jörg Rother, F.A.Z.

Ein großes Wagnis … großartig!
Detlev Kuhlbrodt, taz

Von radikaler Intimität … hebt sich ab durch Eigensinn und Mut von vielen anderen Produktionen
Sivia Hallersleben, Der Tagesspiegel

Eindrucksvolles Zeugnis von Überlebenswillen
Heinz Kersten, Neue Züricher Zeitung

… ein sehr persönliches Plädoyer an die Kraft der Liebe und der Verbundenheit zweier Menschen, welche gezwungen werden, äußere Widerstände zu einem Bestandteil ihres Lebens zu machen und sich in neuen Rollen, in neuen Grenzbereichen wieder zu finden.
Maike Schmidt, Leipzig-Almanach

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Stand 09/05 - Irrtümer vorbehalten