BABOOSKA
ein Film von Tizza Covi & Rainer Frimmel
A/I 2005, 100 Min, Farbe, OmU
Bundesstart: 15. Februar 2007
KURZINHALT
Die Filmemacher erzählen in Episoden vom alltäglichen Existenzkampf
der jungen Artistin Babooska, die mit ihrer Familie einen Wanderzirkus
betreibt und durch Italien reist. Ein Jahr lang haben sie die Künstlerin
auf ihrer Odyssee begleitet und einen ungeschminkten Blick hinter die
Kulissen eines Mikrokosmos am Rand der Gesellschaft geworfen.
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DER
FILM
BABOOSKA ist ein Dokumentarfilm, der auf jeglichen Kommentar und auf
Interviews verzichtet und ein kaltes nebliges Italien abseits der Touristenklischees
von Sonne und Meer festhält. Der Film ist sehr stark von der Montage
geprägt und versucht, das Wesentliche ohne Erklärung der Handelnden
oder der Autoren durch die Beobachtung der Menschen und der Orte erfassbar
zu machen. Das verlangt neben einer Menge Geduld und Zeit vor allem
auch eine Sensibilität für den richtigen Abstand zu den Gefilmten
und ein starkes Rhythmusgefühl. Der Film legt seinen inhaltlichen
Schwerpunkt auf das Zusammenleben der Familienmitglieder, die sich im
Dauerzustand des professionellen Umherreisens befinden: das aufeinander
angewiesen Sein, Babooskas Tochter, die von der Mutter unterrichtet
wird, weil Sie nie lange genug an einem Ort in die Schule gehen könnte,
die räumliche Enge, das tägliche Warten auf Besucher, die
Dörfer, in denen nur noch alte Leute wohnen, die kein Interesse
mehr für den Zirkus haben, das tägliche Improvisieren, Umstellen,
Neu-Erfinden der Show. Die Auftritte selbst interessieren dabei nur
am Rand, sie sind Alltag und werden nicht groß vorbereitet.
»Die gute alte Zeit« ist, woran sich Babooskas Familie festhält.
Und gleichzeitig ist deutlich abzusehen, dass die Perspektiven für
den kleinen Familienzirkus in einer Zeit, in der nur die großen
Eventshows überleben, begrenzt sind. Doch eine fehlende Altersabsicherung,
Veränderung, ein neuer Lebensentwurf sind Herausforderungen, denen
sich diese Künstler, obwohl sich deren Leben auf Flexibilität
und Improvisation geradezu gründet, nicht stellen wollen. BABOOSKA
ist keine journalistische Reportage. Sondern ein Roadmovie, das seinen
Zauber und seine magischen Momente ganz ohne kitschige Reisebilder entfaltet.
Es beschreibt melancholisch, aber auch humorvoll die aussterbende Lebensweise
von modernen Nomaden und den Zustand des Unterwegsseins, zwischen einer
glorreichen Vergangenheit und einer unsicheren Zukunft, zwischen dem
Zweifel und der Hoffnung, dass das Leben doch immer so sein möge
wie ein voller 'moderner, gut geheizter Zirkus'. »Sieben Jahre
nach unserer ersten Begegnung mit Babooska begannen wir mit den Dreharbeiten
zu diesem Film, der scheinbar nebensächliche Geschichten aus ihrem
Alltag erzählt und versucht, eine differenzierte Sicht auf das
Leben eines modernen Zirkusmädchen zu ermöglichen.«
Tizza Covi, R ainer Frimmel
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INTERVIEW
MIT DEN FILMEMACHERN
Wie habt ihr Zugang in die geschlossene Welt des Zirkus gefunden?
Tizza Covi: Wir, die Sesshaften, werden von den Zirkusleuten als Gadschis
bezeichnet. Sie sprechen einen eigenen Zirkusjargon und es gibt innerhalb
dieses Milieus auch eine sehr genaue Hierarchie. Die Zirkusleute selbst
nennen sich Dritti. Und die unterste Schicht sind wir, die Gadschis.
Für die Leute, die das Wanderleben betreiben, sind wir Sesshaften
eher Zielscheibe von Spott und Häme. In Babooskas Familie hat sich
diese Einstellung relativiert, dadurch, dass die Mutter selbst einmal
sesshaft war.
Rainer Frimmel: Es hat deswegen auch einige Jahre und viele Besuche
bei der Familie Gerardi gedauert, bis wir eine Vertrauensbasis geschaffen
haben, die es uns erlaubt hat, daran zu denken, einen Film über
Babooska zu machen.
Tizza Covi: Der Ansporn für mich, diesen Film zu machen, lag auch
darin, dass das Thema Zirkus für mich immer nur mit denselben Klischees
besetzt war. Als ich den Zirkus dann aber erst spät für mich
entdeckt habe, öffnete sich mir eine Welt, die auf einmal ganz
anders als erwartet war. Es hat mich sehr interessiert, das von einer
ganz anderen Seite zu zeigen. Wir haben in unseren Arbeiten eine besondere
Vorliebe fürs Alltägliche und finden im Alltäglichen
sehr außerordentliche Dinge.
In welchen Zeitabständen und wohin habt ihr die Familie begleitet?
Tizza Covi: Wir sind von Rom immer weiter Richtung Norden gezogen, von
Latium nach Umbrien, dann waren wir auch in den Marken, in der Toskana
und in Ligurien, das war die letzte Station. Das große Vertrauen,
um ganz frei arbeiten zu können, entstand erst in dem Moment, als
wir unter den gleichen schlechten Bedingungen gelebt haben wie sie.
Das heißt im Wohnwagen teilweise ohne Wasser, teilweise ohne Strom
zu leben, und im Winter mit einer ganz schlechten Heizung auszukommen.
Dann waren wir nicht mehr ganz so sehr die Gadschis.
Aufnahmen von den Auftritten scheinen bewusst ausgespart zu sein?
Rainer Frimmel: Die Vorstellungen sind immer wieder kurz angeschnitten.
Wir wissen, dass beim Publikum eine Erwartungshaltung da ist, vom Bühnengeschehen
möglichst viel zu sehen. Gerade das interessiert uns aber nicht,
weil es eben nicht so bunt und spektakulär ist, wie man sich dieses
Leben vorstellt. Es wird auch nicht trainiert und es werden so wenige
Vorstellungen gemacht, dass das, was im Film zu sehen ist, fast schon
zu viel ist. Es kommen so wenige Leute in die Vorstellungen, dass der
Auftritt nur noch einen periphären Teil ihres Lebens ausmacht –
einmal, zweimal in der Woche. Das wären Bilder, die man als Zuschauer
außerdem schon kennt und daher erwartet, wieder zu sehen. Das
wollen wir aber nicht unterstützen. Die Bilder, die beim Zuschauer
ohnehin schon im Kopf sind, zeigen wir nicht noch einmal.
Interview: Karin Schiefer
(Austrian Film Commission)
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BIO-FILMOGRAFIEN
Tizza Covi (geb. 1971 in Bozen) lebte in Paris und
Berlin, bis sie eine Fotografieausbildung an der Grafischen Lehranstalt
in Wien absolvierte. Danach ging sie für mehrere Jahre nach Rom,
wo sie als freie Fotografin arbeitete. Sie erhielt für ihre fotografische
Arbeit mehrere Stipendien.
Rainer Frimmel (geb. 1971 in Wien) absolvierte ebenfalls eine Fotografieausbildung
an der Grafischen Lehranstalt in Wien und erhielt für seine fotografische
Arbeit Stipendien für Rom, Paris und New York. Im Jahr 2000 montiert
und veröffentlicht er die privaten Videoaufzeichnungen eines Wiener
Krankenträgers (AUFZEICHNUNGEN AUS DEM TIEFPARTERRE), die auf zahlreichen
internationalen Festivals gezeigt werden (IDFA Amsterdam, IFF Rotterdam,
Nyon – Visions du rèel, Duisburger Filmwoche, IFF Cork,
u. a.).
Tizza Covi und Rainer Frimmel gründeten 2002 gemeinsam die Produktionsfirma
Vento Film, um ihre Filme unabhängig zu produzieren. Für ihren
ersten Kinodokumentarfilm DAS IST ALLES (2001), der auf der Viennale
01 uraufgeführt wurde und auf vielen internationalen Filmfestivals
und auf 3sat gezeigt wurde, erhielten sie beim renommierten Dokumentarfilmfestival
von Nyon (Visions du rèel 2002) den Prix regards neufs. BABOOSKA
ist ihr zweiter gemeinsamer Film.
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FESTIVALTEILNAHMEN
Festivalteilnahmen von BABOOSKA
• Viennale 05
• Berlinale
56. Internationale Filmfestspiele Berlin 06
• Paris – Cinéma du réel 06
• Diagonale Graz 06
• Alba International Film Festival 06
• Bozner Filmtage 06
• Cannes – Selection of ACID 06
• Österreichische Filmwoche
Buenos Aires 06
• Minneapolis St. Paul International
Film Festival 06
• Hot Docs – International Documentary
Film Festival Toronto 06
• Los Angeles Film Festival 06
• Lagow Film Festival 06
• The Times BFI Film Festival London 06
• Haifa International Film Festival 06
• Doclisboa 06
• EU – Filmfestival Mexico City 06
• DOCSDF – International Documentary
Cinema Festival Mexico City 06
• Medimed Sitges 06
• Taiwan Women Make Waves
Film Festival 06
• Jihlava International Documentary
Film Festival 06
• Morelia International Film Festival 06
• Duisburger Filmwoche 06
• Florenz – Festival dei Popoli 06
• New York – Doc Fortnight Festival,
The Museum of Modern Art 07
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Stand 01/07 - Irrtümer vorbehalten
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