FRANCIS BACON –
FORM UND EXZESS
(Bacon’s Arena)
ein Film von Adam Low
GB 2005, 95 Minuten, OmU, Farbe
Bundesstart 5. Juli 2007
KURZINHALT
Francis Bacon (1909-1992) war einer der einflussreichsten Maler des
20. Jahrhunderts. Seine Werke haben sich in ihrer Gewalttätigkeit
und Rätselhaftigkeit im allgemeinen Bewusstsein eingeprägt.
Über sein Leben ist allerdings wenig bekannt. Der Dokumentarfilm
von Adam Low füllt diese Lücke und spürt darüber
hinaus dem Bildexzess und Formwillen der Kunst Bacons nach.
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INFOTEXT
Eine dokumentarische Annäherung an
Francis Bacon (1909-1992), den Maler der Gewalt und der menschlichen
Deformation. Bacons eindrucksvolle Präsenz und seine gebieterische
sowie verführerischen Stimme durchdringen diesen Dokumentarfilm.
Er zeigt ein Werk, von den Verbrechen und Erschütterungen des 20.
Jahrhunderts geprägt wie kaum ein anderes, und ein Leben voller
Ausschweifungen und Geheimnisse. Liebhaber, Stierkämpfe, Tierkadaver,
Bewegungsstudien und „Falling in Love again“ von Marlene
Dietrich: FRANCIS BACON – FORM UND EXZESS findet in assoziativen
Montagen und einem von Brian Eno komponierten Soundtrack kongeniale
filmische Entsprechungen zu den Exzessen, Gespenstern und formalen Ambitionen
eines Jahrhundertmalers.
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FRANCIS
BACON
„My work is a reflection of my life!“
(Francis Bacon)
Obwohl Francis Bacon ein weltweit populärer Künstler gewesen
ist und selbst niemals abgeneigt war, über sein Werk, sein Verhältnis
zu Sexualität, Tod und Politik Auskunft zu geben, war bis zu diesem
Film über seine Familie, seine Kindheit, Jugend und seine Beziehungen
wenig bis gar nichts bekannt.
Für FRANCIS BACON – FORM UND EXZESS hat Regisseur Adam Low
nicht nur umfangreiches Archivmaterial aufgespürt, sondern auch
Menschen zu Interviews bewegen können, die über diese bislang
verschwiegenen Punkte Auskunft geben: seine Schwester Ianthe Knott,
eine Jugendfreundin, den Bruder seines Partners George Dyer und seinen
letzten Partner John Edwards zum Beispiel.
Erstmals stellt sich somit die Biografie von Francis Bacon annähernd
vollständig dar:
Geboren am 28.10.1909 in Dublin als Sohn eines Pferdezüchters.
1914 zieht die Familie nach London. Francis leidet an chronischem Asthma
und wird dadurch am Schulbesuch gehindert.
Mit 16 setzt ihn der Vater, nachdem er von Francis’ Homosexualität
erfahren hat, vor die Tür. 1927 wird Bacon, der sich in London
prostituiert und von kleinen Diebstählen lebt, von seinem Vater
unter die Obhut seines Onkels nach Berlin geschickt. Schon zwei Monate
später geht Bacon auf eigen Faust nach Paris, arbeitet als Innenarchitekt
und Designer und ist durch eine Ausstellung von Werken Picassos so überwältigt,
dass er selbst anfängt zu malen.
Zurück in London 1928 richtet er sich in Kensington ein Atelier
ein – sein erster Partner und Förderer ist der Künstler
Roy de Maistre.
Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitet Bacon u.a. in "Badehäusern"
für reiche Herren, wo er den konservativen Politiker Eric Hall
kennenlernt, der ihn bis in die 50er hinein aushält und zum Malen
animiert. Die in dieser Phase entstehenden Werke hat Bacon beinahe komplett
zerstört. Dennoch arrangiert Hall erste Ausstellungen für
ihn. Nachdem die Kunsthändlerin Erica Brausen ihn 1946 entdeckt
hat, wird sie seine Agentin – Bacons Produktivität und die
öffentliche Aufmerksamkeit für seine Malerei steigen sprunghaft
an.
In den 50ern gibt Bacon sein festes Atelier auf. Er besucht seine Familie,
die nach dem Krieg nach Südafrika ausgewandert ist. Er lernt den
ehemaligen Royal Air Force-Piloten Peter Lacy kennen, mit dem er eine
lange Beziehung eingeht. Einzelne Bilder werden der Tate Gallery gestiftet.
1954 vertritt Bacon sein Land auf der Biennale in Venedig, 1955 organisiert
das Londoner Institut of Contemporary Arts die erste Retrospektive der
Werke Bacons. Ausstellungen in New York, Paris und Italien folgen. Bacon
besucht Peter Lacy in Tanger und lernt die Schriftsteller der Beat Generation
kennen.
1959 nimmt er an der 2. Documenta teil, 1960 bezieht er wieder ein festes
Atelier in London. 1962 dann die große Retrospektive in der Tate
Gallery – am Vorabend erfährt Bacon vom Tod Peter Lacys.
Die 60er sind das Jahrzehnt seiner größten Popularität.
Erste Künstlermonografien erscheinen, eine Ausstellung folgt auf
die nächste. Bacon lernt George Dyer kennen, den er immer wieder
porträtieren wird.
1971 eröffnet im Pariser Grand Palais eine weitere große
Retrospektive. George Dyer stirbt an einer Überdosis. Bacon trift
den Fotografen Peter Beard, der durch seine Aufnahmen von verwesenden
Elefanten berühmt geworden ist. Bacons neuer Beziehungspartner
ist John Edwards, Modell vieler seiner Bilder. Anlässlich einer
New Yorker Ausstellung seiner Werke lernt er Andy Warhol kennen. Bacon
erwirbt eine Zweitwohnung in Paris. In den 70ern mehrere Ausstellungen
in Europa, Mexiko, New York. Weitere Studien zu seinen Werken erscheinen.
1985 dann die zweite große Retrospektive in der Londoner Tate
Gallery. 1988 erste Ausstellung in Moskau.
1990 zieht Bacon nach Madrid. Sein chronisches Asthma erzwingt Aufenthalte
in einer Privatklinik. Am 28.4.1992 stirbt er dort an Herzversagen.
2000 wird sein Atelier in Reece Mews der Öffentlichkeit zugänglich
gemacht.
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EXZESS
DER BILDER
„Ich sehe mich selbst als einer, der Bildern
Gestalt verleiht. Das Bild ist wichtiger als die Ästhetik des Malakts...
Die Bilder kommen irgendwie über mich, als würden sie mir
eingegeben...“ So beschreibt Bacon selbst die Quellen seiner Malerei:
ein ständiger Ansturm von Bildern, schrecklichen, gewalttätigen,
schönen und alltäglichen, die er in radikaler Subjektivität
bannt und ihnen neue Geheimnisse verleiht.
FRANCIS BACON – FORM UND EXZESS
vermittelt auf seine Weise einen Eindruck von diesem Bildersturm, findet
in der Biografie Bacons immer wieder Material, das wie eine Vorlage
zu den Werken erscheint. Gleich zu Beginn: ein Stierkampf in Madrid
(Bacons letztem Wohnort). Das immer gleiche Ritual, das immer mit dem
Tod des Tiers endet. Doch der Verlauf ist brisant: der Stier nimmt plötzlich
den Torrero auf die Hörner, verletzt ihn lebensgefährlich,
ist kaum von ihm abzubringen. Eine Todesspiel, archaisch und doch formell.
Im Film ein Einstieg in die Debatte um die "Gewalttätigkeit’
der Bilder Bacons: „One of the things I’ve noticed was they
always talk about this violence in my work. But I don’t think
that my work is violent at all; you’ve only got to think about
life“ (Bacon).
Die Obsession für Fleisch, für
Kadaver, das Schlachten. Im Film wird das illustriert mit Bacons Besuch
bei seiner Familie in Südafrika – das Schlachten exotischer
Tiere, der Geruch des Todes, die Farbe des Bluts. Sie faszinieren durch
ihre Schönheit, erinnern aber auch an die Sterblichkeit aller Lebewesen.
„Wir sind ja schließlich selbst Fleisch, potentielle Kadaver“.
In den Bildern sind es dann Eindrücke der Qual, des Leids, der
unerlösten Kreatur, oft in Triptychen aufgefaltet, die den Betrachter
umschließen.
Oft sind Gewaltakt und Liebesakt bildlich nicht zu unterscheiden –
was der Film auf die oft sadomasochistischen Beziehungen Bacons zu seinen
Liebhabern zurückführt. Bis hin zur Aufarbeitung des Todes
von George Dyer in den berühmten Triptychen von 1971-73, über
die Wieland Schmied schrieb: „erbärmlicher, jammervoller,
gottverlassener ist uns das Bild des Menschen in der Kunstgeschichte
noch nie gezeigt worden!“
Adäquates Medium für den
Ansturm der alltäglichen Bilder ist die Fotografie – auch
ihren Einfluss auf das Werk Bacons zeigt der Film von Adam Low: in der
Auseinandersetzung mit den Bewegungsstudien von Edward Muybridge, in
den Reportagen von Fliegerangriffen und Bombenterror aus dem Zweiten
Weltkrieg (parallel montiert mit der Zerstörung der eigenen Bilder),
bis hin zur Freundschaft mit dem Tierfotografen Peter Beard und seinen
verwesenen Elefanten.
Low gelingt es immer wieder, in riskanten und experimentellen Montagen
die Bilder des 20. Jahrhunderts, biografische Aufnahmen des Malers und
die Motive der Malereien aufeinander zu beziehen: Weltkriege, Bewegungsstudien
von Affen, der Adolf-Eichmann-Prozess, Schlachthäuser, erotische
Männerporträts, Safarireportagen. Das, was Bacon selbst „the
Excitements of the Extreme“, den ‘Reiz des Extremen’,
die "Erregung über das Extreme" nennt.
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SCHWULE
BIOGRAFIE
Adam Lows Zugang zur Biografie Bacons führt über die
Geschichte der schwulen Beziehungen des Malers. Auch darin betritt der
Film Neuland und folgt doch dem Offensichtlichen: Porträts dieser
Männer stellen das wichtigste Motivreservoir der Baconschen Bilder
dar. Aber auch die zwischenmenschlichen Spannungen, die Low in den Beziehungen
aufspürt, erscheinen für das Verständnis vieler Bilder
zwingend: die katholische Motivik, die durch Roy de Maistre in Bacons
Werk Eintritt findet (die ersten Bilder, die von ihm erhalten sind,
greifen Kreuzigungs-Motive auf), die Mäzenaten- und Patronnage-Beziehung
zu Eric Hall (Vorbild für das Abarbeiten an Autoritäten, das
in dieser Phase für Bacon wichtig ist), die sadomasochistische
Verbindung zu Peter Lacy, die großen sozialen Unterschiede in
der Beziehung zu George Dyer, schließlich die väterliche
und fördernde Freundschaft zu John Edwards. Bacon, der immer offen
über Sexualität geredet hat, trug seine Emotionen nur selten
zur Schau – eine Leerstelle, die die Freunde füllen können,
die Low für diesen Film interviewt hat. Denn natürlich hatte
Bacons schwule Biografie Auswirkungen auf sein Werk, worüber in
den meisten Studien geschwiegen wird. Noch 1985 berichtet Wieland Schmied
in seinem Bacon-Buch von einem „allein lebenden“ Bacon,
dessen eigentliches Leben sein „Arbeitsleben“ ist –
der Film von Adam Low zeigt, wie wenig man die "verschiedenen Leben"
(öffentlich, privat und Arbeit) tatsächlich trennen kann.
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DER
SOUNDTRACK
Die Originalmusik, die Brian Eno (ROXY MUSIC), der Pionier der
elektronischen Pop- und Ambient-Musik für FRANCIS BACON –
FORM UND EXZESS geschrieben hat, schafft zur Dokumentation von Leben
und Werk noch eine andere Ebene der Auseinandersetzung mit Francis Bacon.
Der manchmal schwer greifbare, flirrende, atmosphärische Sound
vermittelt sehr viel von der beunruhigenden, konfliktreichen Wirkung
der Bilder selbst, ihrer Geheimnishaftigkeit und verstörerischen
Kraft. Genauso irritierend, wie die Figuren und Hintergründe in
den Bildern inszeniert sind, setzt sich diese Musik zusammen, manchmal
ein Abbild der Geräuschtumulte des alltäglichen Lebens, manchmal
völlig davon abgekoppelt, fast schwebend. Auch in der Verwendung
von Schlagern wird dieser Effekt erreicht: Wenn Marlene Dietrich singt
„Falling in Love again“, so ist das Zeitkolorit und Interpretation
der Biografie gleichzeitig: ein Abarbeiten von Lebensthemen, mit der
Energie der gerade aktuellen erotischen Beziehung aufgeladen.
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DER
REGISSEUR
Adam Low begann seine Karriere bei der BBC, für deren Dokumentationsserien
WRITERS AND PLACES, OMNIBUS, GLOBAL REPORT, ARENA er verschiedene Beiträge
schuf. Zwischen 1991 und 1997 arbeitete er in Südafrika als unabhängiger
Produzent und Filmemacher (dort entstand u.a. WITNESS, 1996, mit Nelson
Mandela). Mittlerweile ist Low nach London zurückgekehrt und macht
sich vor allem mit Künstlerporträts einen Namen: DALÍ
(1986), KUROSAWA (2001), VISCONTI (2002), THE PRIVATE DIRK BOGARDE (2001),
BACON’S ARENA (2005), VELAZQUEZ – THE PAINTER’S PAINTER
(2006) u.a.
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LINKS
http://www.francis-bacon.com
(Offizielle Webseite des Estate of Francis Bacon)
http://de.wikipedia.org/wiki/Francis_Bacon_%28Maler%29
(Wikipedia-Artikel)
http://www.delicatessen.org/loveisthedevil.html
(Webseite des Spielfilms LOVE IS THE DEVIL - STUDIE FÜR EIN PORTRÄT
VON FRANCIS BACON)
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PRESSEBILDER
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Stand 06/07 - Irrtümer vorbehalten |