BIOGRAPHIEN

Patrice Chéreau
Patrice Chéreau (geboren 1944) fiel bereits als Schauspieler, Bühnenbildner und Regisseur im Schultheater Pariser Kritikern auf und wurde bereits als 15-Jähriger als Theaterwunderkind gefeiert. 19-jährig inszenierte er bereits an einem professionellen Theater. Er befasste sich auch schon sehr früh mit der Oper – seine erste inszenierte er 1969. Mit DAS FLEISCH DER ORCHIDEE drehte er 1975 seinen ersten Film. Sein bisher größter Erfolg war der vielfach ausgezeichnete Film DIE BARTHOLOMÄUSNACHT mit Isabelle Adjani von 1994. Aufsehen erregte sein Film INTIMACY von 2001, für den er den Goldenen Bären auf der Berlinale gewann. Für seinen nächsten Film SEIN BRUDER erhielt Chéreau auf der Berlinale 2004 den Silbernen Bären als bester Regisseur. Als Filmschauspieler arbeitete Chéreau mit Andrzej Wajda (Danton), Michael Mann (Der letzte Mohikaner) und Claude Berri (Lucie Aubrac). Zuletzt war er im Film WOLFSZEIT von Michael Haneke zu sehen.

Pierre Boulez
Der französische Komponist und Dirigent Pierre Boulez (geboren 1925) gehört neben Karlheinz Stockhausen und Luigi Nono zu den herausragenden Vertretern der musikalischen Avantgarde, speziell der seriellen Musik. In seinen Kompositionen verbindet Boulez Rationalität und Logik mit den poetischen Traditionen der französischen Musik, insbesondere des Impressionismus. Als Dirigent wirkte Boulez in Baden-Baden. 1966 debütierte er als Wagner-Dirigent mit PARSIFAL bei den Bayreuther Festspielen, bevor er dort 1976-80 den RING DES NIBELUNGEN dirigierte. 1971-75 leitete er das BBC Symphony Orchestra und als Nachfolger von Leonard Bernstein 1971-77 das New York Philharmonic Orchestra. Er gründete am Pariser Centre Beaubourg das Institute de Recherche et de Coordination Acoustique-Musique (IRCAM). Seit den 90er Jahren arbeitete Boulez als Dirigent mit führenden Traditionsorchestern wie den Berliner Philharmonikern und den Wiener Philharmonikern. 2004 kehrte er als Dirigent des PARSIFAL (Inszenierung: Christoph Schlingensief) nach Bayreuth zurück.

RICHARD WAGNER UND DER RING DES NIBELUNGEN
Kein anderer Komponist veränderte die Struktur der Oper stärker als er: Richard Wagner (1813-1883) strebte nach dem ‚musikalischen Gesamtkunstwerk‘, bei dem alle Sparten der Kunst unter dem Primat der Musik zusammenwirken sollten. Ihm schwebte die Vollkommenheit des Dramas vor.
Die Hauptpartien seiner Musikdramen erfordern besonders kräftige Stimmen, die heute sogenannten Wagnerstimmen. Er arbeitete gern mit grossen Orchestern, erweiterte die Klangsprache des Orchesters und ließ Instrumente nach eigenen Vorstellungen konstruieren, so z.B. die Wagnertuben. Auf Wagner gehen auch Neuerungen im theatertechnischen Bereich zurück: die Verdunkelung des Zuschauerhauses, eine besondere Form des Orchestergrabens oder der Wagnervorhang. Darüber hinaus beschäftigte sich Wagner intensiv mit der Musiktheorie und entwickelte die Leitmotivtechnik weiter. Über bloße Erinnerungsmotivik hinaus wird sie zur kunstvollen Verflechtung vieler feststehender musikalischer Floskeln, aus denen, wie beim RING DES NIBELUNGEN, schließlich der ganze Orchestersatz zusammengefügt wird.

Diese Leitmotivtechnik trug durch ihre Prägnanz wesentlich zur Popularisierung von Wagners Werken bei. Zu seinen größten Bewunderern zählte König Ludwig II. von Bayern. Er finanzierte nicht nur Wagners aufwendigen Lebensstil, sondern erfüllte überdies mit dem Bau des Festspielhauses in Bayreuth den Lebenstraum des Komponisten. Der Ring des Nibelungen mit seinen vier Teilen entstand zwischen 1851 und 1874. DAS RHEINGOLD und DIE WALKÜRE feierten ihre Premieren in München (1896 und 1870). SIEGFRIED und GÖTTERDÄMMERUNG wurden im August 1876 im Festspielhaus Bayreuth uraufgeführt.

Eigentlich wollte Richard Wagner nur die bekannte Sage von Siegfrieds Tod bearbeiten. Entstanden ist eine 4-teilige Saga, die von Göttern und Menschen, von Treue und Betrug, von Brudermord und Inzest erzählt. Wagner ging es mit dem Ring aber nicht vordergründig darum, die Welt der germanischen Götter darzustellen. Er nahm sie vielmehr als Vorlage für eine kritische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft. Im Exil in Paris hatte Wagner den russischen Anarchisten Michail Bakunin kennengelernt, der die These vertrat, der Kapitalismus könne nur mit Feuer bekämpft werden. Bei Wagner werden Ring und Gold zu Symbolen für Macht und Kapital. Sein Held Siegfried scheitert bei dem Versuch, sich gegen die bestehenden Verhältnisse aufzulehnen. Zum Ende der GÖTTERDÄMMERUNG geht die Welt in Flammen unter, “auf dass eine neue, bessere Welt entstehe…“