DER TRAUM IST AUS ODER DIE ERBEN DER SCHERBEN (WA)

ein Film von Christoph Schuch
D 2001, 92’, 35mm

Mit:
Rio Reise, Ton Steine Scherben, Element of Crime, Die Sterne, Tocotronic, Dritte Wahl, Das Department, Britta, Neues Glas, Nina Hagen, Best Before, Tillmann Rossmy

Stab:
Buch & Regie: Christoph Schuch
Kamera: Thomas Schuch
Ton: Jörg Möbus, Philip Gnadt
Schnitt : Christoph Schuch, Sven Ritzkowsky
Produktion: Avanti Film

KURZINHALT

Die Rockband Ton Steine Scherben und ihre Fans träumten von einer klassenlosen Gesellschaft. Was ist von den Träumen und Idealen der 68er-Generation gerade auch im heutigem Musikgeschäft geblieben?

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INHALT

Der Film erzählt ohne Anspruch auf Vollständigkeit die Geschichte von TON STEINE SCHERBEN, der bisher einflussreichsten deutschsprachigen Rockband und stellt

vor allem die Frage, was am Beginn des 21. Jahrhunderts von ihrem Engagement für eine klassenlose Gesellschaft und den Ideen von 1968 übriggeblieben ist. Wie agieren

heute Punk-Rocker, Hip-Hopper oder Bands der Hamburger Schule auf dem Musikmarkt ? Für oder gegen was singen sie?

Was verbindet sie mit RIO REISER und den SCHERBEN, deren Songs von Liebe & Zorn in den 70er und 80er Jahren den Soundtrack zum politischen Protest der Studenten-, Hausbesetzer- und Umweltschutzbewegung lieferten, die 1970 mit Macht kaputt was euch kaputt macht den Punk vorwegnahmen, im gleichen Jahr als erste deutsche Band ihr eigenes Musik-Label gründeten und später vor ihrem Image als agitierende Music-Box von Berlin aus in eine Landkommune nach Nordfriesland flüchteten?

Zwischen aktuellen und historischen Konzertmitschnitten kommen u.a. Musiker der Bands TON STEINE SCHERBEN, TOCOTRONIC, DIE STERNE, ELEMENT OF CRIME und DAS

DEPARTMENT zu Wort. Es geht dabei um Widersprüche, Ansprüche, Feindbilder, Ideale und natürlich Musik. Durch die Verzahnung von Vertretern dreier Musikdekaden entsteht so ein aufschlussreicher Einblick in eine Standortbestimmung der kulturellen Linken im Jahr 2001.

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STATEMENTS AUS DEM FILM

Jan Müller (TOCOTRONIC)
Das ganze System ist heute sehr viel subtiler und jeder steckt da irgendwie mit drin. Man kennt so viele Leute, die in irgendwelchen Werbeagenturen arbeiten und da auch Sachen betreiben, die ich nicht für richtig halte. Trotzdem sind das aber nette Leute oder Freunde und deswegen ist es sehr schwierig Feindbilder abzustecken.

Jakob Friderichs (ELEMENT OF CRIME)
Ich habe die SCHERBEN das erste Mal live auf dem Mariannenplatz gesehen, wo sonst. Auf einem 1. Mai-Fest - wann sonst, und ich weiß noch genau, ich war 13 oder 14 und ich hab gedacht: Booah, die spielen wie die STONES! Die Art wie sie gespielt haben, wie sie die Stücke arrangiert haben, das war sehr an den STONES angelegt, und meiner Meinung nach haben sie besser gespielt als die STONES.

Gunnar Schroeder (DRITTE WAHL)
Ich glaube, die haben noch viel mehr daran geglaubt, dass etwas passiert, als wir es tun. Wir singen zwar auch, dass wir etwas machen müssen, aber mehr aus so einer inneren Verzweiflung heraus, als aus dem wirklichen Glauben, daß jetzt ein paar Tausend Menschen aufstehen und was verändern. Ich glaube, davon sind wir weit entfernt.

Britta Neander (TON STEINE SCHERBEN / BRITTA)
Rio hat sich mal eine Satinjacke gekauft, das war ein Skandal. Pop-Star und so. Und die SCHERBEN haben das ja wirklich versucht. Nur die Leute haben halt vergessen, dass die als Beruf Musiker waren und eben irgendwie auch davon leben wollten. Weil die anderen hatten ja ihr Studium gehabt oder ihren Sozialpädagogen... Es wurde ausgenutzt, diese Menschlichkeit.

Jørn Hedtke (DAS DEPARTMENT)
Ich kenne viele Musiker, die sagen, sie würden nicht bei einem Major unterschreiben. Aber das man dann auch komplett die Cover mit Kartoffeldruck macht und dann gar nichts mehr abgibt, das kenne ich wenig.

Funky K. Götzner (TON STEINE SCHERBEN / NEUES GLAS)
Das war ja auch so eine Zeit, wo viele überhaupt aus den Städten weggegangen sind. Man hat gesagt: Wir bauen an und diese ganzen Sprüche und bringen euch die Öko- und Biogeschichten nach Berlin und ihr macht in Berlin weiter.

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HINTERGRÜNDE UND INTENTION

Sechzig Stunden Material drehte die dreiköpfige Filmcrew: Von Fresenhagen an der dänischen Grenze bis Bad Reichenhall. Interviews, Impressionen und Konzerte (diese mit zusätzlichen Kamerateams) in Hamburg, Rostock, Berlin, Oranienburg, Frankfurt am Main...

Regisseur Christoph Schuch machte sich auf die Suche nach engagierten und intelligenten Bands, die `im Geiste der Scherben´ Musik machen. Wobei Schuch den Spirit der Scherben mit Liebe und Zorn definiert. Die Frage war, ob es solche Musiker überhaupt noch gibt und wenn ja, wie sie heute arbeiten. Oder auch, warum es nicht mehr so ist wie anno 1970, als die Scherben bereits mit ihrem ersten Auftritt auf dem Love and Peace Festival auf Fehmarn ihren Mythos schufen. Da war der Autor noch im Kindergarten, er entdeckte die Scherben für sich zehn Jahre später. Die Musik schlug dann jedoch genauso heftig bei ihm ein, wie die Polizeiknüppel, mit denen er im Flörsheimer Wald Bekanntschaft machte. In diesem Wald steht heute die Startbahn West. Eines von vielen konkreten Beispielen, die deutlich machen, daß wir in einer Gesellschaft leben, in der Aktienkurse oft wichtiger sind als das soziale Miteinander. Ob sich mit diesem Modell wirklich so viele Menschen angefreundet oder abgefunden haben, wollte Schuch auf dem musikalischen Sektor herausfinden. Denn zeitgenössische Musik ist immer ein guter Seismograph für die Gemütslage einer Gesellschaft. Oft genug beschlich ihn das Gefühl, daß es nur ein kleiner Schritt vom zornigen jungen Mann zum verbitterten Altlinken sein kann. Der Film ist auch eine Verbeugung vor RIO REISER und TON STEINE SCHERBEN, denen viele von uns so viel zu verdanken haben. Eine Geschichte wird erzählt, deren Facetten und Widersprüche vielen bisher noch nicht bewußt waren, wenn gleich die SCHERBEN-Story für viele von uns auch ein Teil ihrer eigenen Geschichte ist. Darum stellt sich für Protagonisten wie Zuschauer immer wieder die Frage: Wo stehen wir jetzt? Was haben wir gewollt? Was möchten wir erreichen? Diese Analyse ist ein erster Schritt, wenn man neue Verbündete, Handlungsweisen oder Ideale sucht – beziehungsweise alte überprüft. Der Film ist darum auch als ein Beitrag zu der derzeit so defensiv geführten Debatte um die Ideen und Ideale von 1968 zu verstehen.

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BIOGRAFIE

Christoph Schuch
Seit 1991 produziert Christoph Schuch unter seinem Label AVANTI-Film Dokumentationen, die sich mit Kultur & Natur beschäftigen. Nach seinem Film-Studium in Kassel und Lissabon arbeitet er seit 1994 als freier Filmemacher für Programmkinos, TV und Kultur-Institutionen. Seit dieser Zeit unterrichtet er auch Film- und Videogestaltung an der Fachhochschule Wiesbaden.

Filmographie

STICHPUNKT HERZ
16mm, 10 Minuten, 1991
1. Preis beim Kurzfilmwettbewerb von exground on screen Wiesbaden 1993

TODESBILDER Beta SP, 47 Minuten, 1992

DER SCHATTEN DES WALDES 16mm, 28 Minuten, 1994
Bester Film mit ökologischem Thema Internationales Filmfestival Krakau, 1994

DER LESEKÖNIG Video, 32 Minuten, 1995

PASSION 35mm, sw,15 Minuten, 1996
Bester Dokumentarfilm Saar-Lor-Lux-Festival, Saarbrücken1996

NAMIBIA - RÜCKKEHR IN EIN NEUES LAND 16mm, 85 Minuten, 1997

DER TRAUM IST AUS 35mm, 92 Minuten, 2001
Panorama Internationale Filmfestspiele Berlin 2001

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Stand 08/05 - Irrtümer vorbehalten