DIE SEELE NEAPELS

ein Film von Vincent Monnikendam
NL 2004, 90', Farbe,Italienisch mit dt. Untertiteln

Drehbuch & Regie: Vincent Monnikendam
nach einer Idee von: IDANNA PUCCI & TERENCE WARD
Kamera: Melle van Essen
Schnitt: Albert Markus
Ton: Jan Dries Groenendijk, Björn Warning
Tonmischung: Jan Willem van den Brink, Pieter Guijt
Literarische Beratung & Übersetzung: Rossella di Stazio
Übersetzer: Andrea Garcia Murga, Miriam Pipolo, Paul Öffner, Flora Prota
Kameraassistenz: Sander Roeleveld
Regieassistenz & Produktion: Marco Funeroli
Produktionsassistenz: Eline van Wees
Produktion IKON: Margie Monfils
Produzenten: Sherman De Jesus, Cécile van Eijk
Eine Produktion von MEMPHIS FEATURES & IKON
Mit freundlicher Unterstützung durch Stimuleringsfonds Nederlandse Culturele Omroepproducties,
Nederlands Fonds voor de Film, CoBO Fonds


FESTIVALS
Internationales Filmfestival Rotterdam 2005

KURZINHALT

Neapel, drittgrößte Stadt Italiens, genießt eine wunderschöne Lage am Strand mit Ausblick auf das funkelnde Thyrrenische Meer im Schatten des mächtigen Vesuv, „Neapel sehen und sterben“ schrieb Goethe einst. 200 Jahre später ist davon nur ein schaler Rest übrig geblieben, denn hinter dem Pomp vergangener Zeiten befindet sich heute ein anderes Neapel. Wir erleben eine Stadt mit großen Problemen, aber ungebrochen bleibt der Optimismus der kleinen Leute. Regisseur Vincent Monnikendam begibt sich mit der Kamera in die Hinterhöfe und schmalen Gassen, wohin sich weder Sonnenstrahlen noch Touristen verirren, aber die stolze Seele Neapels ihr Innerstes offenbart.

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INHALT

Neapel, drittgrößte Stadt Italiens, genießt eine wunderschöne Lage am Strand mit Ausblick auf das funkelnde Thyrrenische Meer im Schatten des mächtigen Vesuv. „Neapel sehen und sterben“ schreibt der Frankfurter Geheimrat Goethe auf seiner Italienischen Reise im Jahr 1787. Man kann sich kaum vorstellen, dass er am Beginn des 21. Jahrhunderts ähnliche Zeilen formulieren würde.

Hinter dem Glanz und Pomp vergangener Zeiten als die Stadt politisch und sozial von europaweiter Bedeutung war, findet sich ein anderes Neapel. Regisseur Vincent Monnikendam begibt sich mit der Kamera in die Hinterhöfe und schmalen Gassen, wohin sich weder Sonnenstrahlen noch Touristen verirren.

Zentrales Motiv des Films ist das Gemälde Die sieben Werke der Barmherzigkeit von Michelangelo Merisi alias Caravaggio, dem Meister der clair-obscur - der kontrastreichen Hell-dunkel-Effekte. Beauftragt von den adeligen Gründern des Pio Monte della Misericordia, einer 1601 ins Leben gerufenen und noch heute aktiven Wohltätigkeitsorganisation zur Unterstützung Armer und Kranker, malte Caravaggio das Altarbild 1607. Mythen über das geheimnisvolle Gemälde, die Geschichte des Pio Monte, die Freuden und Sorgen der Neapolitaner ergeben ein lebendiges Portrait, in dem die Stadt selbst die Hauptrolle spielt.

Zu den wichtigen Protagonisten des Films gehören Pietro Gargano, Chefredakteur der Tageszeitung Il Mattino und profunder Kenner der Geschichte Neapels sowie Gian Paolo Leonetti, ehemaliger Vorsitzender des Pio Monte della Misericordia und Abkömmling einer alten neapolitanischen Adelsfamilie. Das barocke Interieur seiner Villa steht im starken Kontrast mit der eher nüchternen Umgebung der inneren Stadt. Hier treffen wir den transsexuellen Gianni, der sein mageres Einkommen mit den Verkauf von Lotterielosen bestreitet, und Pina, die über ihre schwierigen Lebensumstände berichtet, während sie modische Handtaschen in einer kleinen Kellerfabrik näht. Die russische Malerin Natalia Tsarkova versucht in ihrem Werk die Essenz des clair-obscur des von ihr abgöttisch bewunderten Caravaggio zu erfassen. Für sie sind seine speziellen Lichteffekte mit den kraftvollen Kontrasten Symbole des Überlebens - Sinnbilder für gut und böse, Leben und Tod.

Inspiriert von Caravaggios Technik und Bildsprache zeichnet DIE SEELE NEAPELS ein ungewöhnliches und beeindruckendes Bild einer zweieinhalbtausend-jährigen Stadt und seiner Bewohner.

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HINTERGRUND

Vincent Monnikendam über seinen Film
Der Titel DIE SEELE NEAPELS bezieht sich einerseits natürlich auf die von mir im Film gezeigten Menschen und andererseits auf das was die Neapolitaner selbst als ‚Seele Neapels’ bezeichnen. Eine Definition gestaltet sich hier schwierig, da der Begriff eher emotional geprägt ist und somit sehr komplex und widersprüchlich ausgelegt wird. Aus diesem Grund zeigt er sich auch in vielen Erscheinungsformen wie Bildern, Gedichten, Geschichten und Liedern. Ich habe versucht diese Widersprüchlichkeit gleichfalls in meiner filmischen Komposition zu spiegeln. Der Film ist ein Schnappschuss über das allgegenwärtige verwirrende Geflecht und gleichzeitig feste Band zwischen den Reichen und den Armen, zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit.

Die Inspiration für den Film war das 400 jährige Bestehen der aristokratisch geprägten neapolitanischen Laienorganisation Pio Monte della Misericordia und ihrer wohltätigen Arbeit in dieser Zeit. Caritas et expiatio (Nächstenliebe und Sühne), Leben und Tod sind die Themen des Gemäldes Die sieben Werke der Barmherzigkeit, das Caravaggio im Auftrag der Organisation malte und das noch heute der ganze Stolz der Pio Monte Kirche im Herzen Neapels ist.

Inhalt und Form des Films korrespondieren mit den starken Kontrasten und den berühmten charakteristischen Hell/Dunkel Gegensätzlichkeiten in Caravaggios Gemälde, die ich in einer Fülle von Formen überall in Neapel wiedergefunden habe.

Das Ergebnis ist Neapel, wie es noch nie zu sehen war.

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BIOGRAFIEN

Vincent Monnikendam (Jahrgang 1936) begann seine berufliche Laufbahn als Journalist, wechselte nach einer Zeit ins Filmfach und entwickelte sich zu einem der bekanntesten niederländischen Dokumentarfilmer. Zwischen 1981 und 1992 konzentrierte er sich in seinen Dokumentarfilmen und -Serien in der Hauptsache auf das Verhältnis zwischen seinen Landleuten und den zehntausenden von Immigranten, die in den 80er Jahren nach Holland strömten. Das Zusammenleben mit denen, die er in seinen Filmen porträtiert, wurde ein wichtiger Teil seiner Arbeitsmethode und zeichnet bis heute seinen dokumentarischen Stil aus. Seit 1995 arbeitet er als unabhängiger Filmemacher.

Zu seinen bekanntesten und meist prämierten Arbeiten zählen Rayon 69 (1980), Lijn 6 (1982/83) und De Tiendepenning (1984/85). Für seinen aus 300.000 Meter Archivmaterial erstellten Film Moeder Dao de Schildpadgelijkende (1995) über die ehemalige niederländische Kolonie Dutch East Indies (heute Indonesien) erhielt er bei Vorführungen auf über 50 internationalen Festivals 17 Preise, davon 5 Hauptpreise.

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Stand 08/05 - Irrtümer vorbehalten