VERFÜHRUNG VON ENGELN
Kurzfilme von Jan Krüger

D 2000-2007, 70 Minuten, Farbe & s-w

VERFÜHRUNG VON ENGELN (2000), 6 Min.
FREUNDE (2001), 21 Min.
TANGO APASIONADO (2006), 13 Min.
HOTEL PARADIJS (2007), 30 Min.


 

KURZTEXT
Engel – Freunde – Liebhaber. Die vier Kurzfilme von Jan Krüger erzählen beobachtend und oft überraschend von der Nähe und der Distanz, von Abhängigkeiten und dem Außer-Sich-Sein in Beziehungen und Freundschaften – unter Jungs, Männern und Engeln.

Jan Krüger, geboren 1973 in Aachen, Absolvent der Kölner Kunsthochschule für Medien, ist ein großes Talent des neuen deutschen Films. Seine Filme stehen vor allem im Ausland schon für eine neue Richtung und ein neues Selbstbewusstsein des deutschen Kinos. Seine hier zusammengestellten Kurzfilme zeigen warum.


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ZU DEN FILMEN VON JAN KRÜGER
Es gibt ein deutsches Kino, das man in Deutschland nicht kennt, das hierzulande abseits der wenigen Festivals fast unsichtbar ist. Im Ausland dagegen wird es gefeiert – als kraftvolles Zeugnis einer starken Tradition, als Resultat künstlerischer Konsequenz und des intensiven Dialogs mit dem zeitgenössischen Weltkino; dieses Kino wird als Aushängeschild deutscher Kultur wahrgenommen. ” (Rüdiger Suchsland, Film-Dienst).

Ein französischer Verleiher brachte 2005 drei deutsche Spielfilme in die französischen Kinos und seitdem spricht man dort von der "Neuen Deutschen Welle". UNTERWEGS, Jan Krügers Langspielfilm-Debüt, war einer dieser drei Produktionen.

Wie seine Kurzfilme, zwischen 2000 und 2007 entstanden, zeigen, ist Jan Krüger ein großes Talent dieses neuen deutschen Kinos und dabei erstaunlich eigenständig im Variieren seiner Themen, an denen er unbeirrt festhält, in der Freiheit und Lockerheit seiner oft improvisatorischen Inszenierung, aber auch in der Genauigkeit und im Formbewusstsein seiner Bildgestaltung.


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THEMEN
Dem Menschen beim Leben zusehen – darum geht es immer bei ihm. Aus dieser dokumentarischen Grundhaltung entwickelt sich ein sinnliches, beobachtendes, auch in Ausbrüchen von Gewalt und Erotik präsent bleibendes Kino. „Ohne auf große Action zurückzugreifen, findet Krüger in den kleinen, alltäglichen Gesten, Blicken, spärlichen Dialogen immer das wahre Leben. Nie zweifelt man an der Geschichte oder den Figuren” (Förderpreis NRW).

Hier wird nie vorgegeben, dass man 'Bescheid' weiß, sondern beim Suchen zugesehen. Die größtmögliche Präzision in der Inszenierung ermöglicht vor allem den Schauspielern die Freiheit, etwas Neues zu finden, das starre Gerüst in Schwingung zu versetzen – was wiederum niemals später dem Schnitt zum Opfer fällt. Ein Film über zwei Heranwachsende (FREUNDE) bleibt in der Welt der Jugendlichen und erklärt uns nicht ihr Verhalten. Beziehungsporträts (TANGO APASIONADO, HOTEL PARADIJS) haben die Tiefe gemeinsam verbrachter Zeit, die körperlich spürbar gemacht wird, ohne ihre Geschichte zu erzählen. Mit großer Selbstverständlichkeit bilden diese Filme homosexuelle Konstellationen ab, greifen schwule Themen auf, bleiben dabei aber konkret und offen – nicht so, als wäre mit dem Schwulsein einer Figur schon alles über sie gesagt.


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ENTWICKLUNG
Diese Intimität zu erzeugen, dem Zuschauer Gefühle zu vermitteln, ohne große Spielfilmhandlungen zu inszenieren und Geschichten explizit zu erklären, ist die große Kunst der Filme Jan Krügers. Und nur möglich durch eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit Teammitgliedern (den Bildgestaltern Oliver Schwabe und Bernadette Paassen, den Cutterinnen Rita Schwarze und Natali Barrey, dem Schauspieler Martin Kiefer), die eine gemeinsame Entwicklung seit dem Filmhochschulstudium miteinander durchlaufen haben.

Die Vorbilder Jan Krügers werden in seinen Filmen direkt angesprochen: Larry Clark hat FREUNDE inspiriert. Seine Filme bleiben genauso provokant in der Lebenswelt von Jugendlichen, lehnen eine normative 'erwachsene' Perspektive ab. TANGO APASIONADO ist als Hommage an Michael Haneke entstanden, in seiner präzisen und doch spielerischen Kadrierung. Schließlich zitiert HOTEL PARADIJS Claire Denis' letzten Spielfilm L'INTRUS, eine Referenz an ihre Autonomie und Unabhängigkeit von traditionellen Erzählmustern.


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KURZFILME
Für viele Regisseure sind Kurzfilme nur Vorstudien, Fingerübungen während des Studiums. Für einige andere (man denke neben Jan Krüger z. B. an Francois Ozon) sind sie eine eigene Kunstform, die ein Spektrum an Variationen der eigenen Themen zulassen, eine Freiheit zur kreativen Entfaltung ohne den allgegenwärtigen ökonomischen Druck. In der Kürze und Prägnanz von weniger als 30 Minuten etwas Substantielles zu sagen oder zu zeigen – dafür können diese vier Kurzfilme als Referenz stehen.


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AUSZEICHNUNGEN
Für FREUNDE erhielt Jan Krüger den SILBERNEN LÖWEN für den besten Kurzfilm auf den 58. Filmfestspielen in Venedig, und war nominiert für den europäischen wie den deutschen Kurzfilmpreis. Alle vier Kurzfilme liefen erfolgreich auf internationalen Festivals, die letzten drei z.B. auf den Oberhausener Kurzfilmtagen.

Für seinen Langfilm UNTERWEGS (2004) erhielt Krüger u.a. den TIGER AWARD der Internationalen Filmfestspiele Rotterdam.

Wenn Jan Krüger so weiter arbeitet wie bisher, wird er sicher einer der ganz Großen werden.” (Förderpreis NRW)

 

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DIE FILME

VERFÜHRUNG VON ENGELN
D 2000, 6 Minuten, s-w

nach einem Gedicht von Bertolt Brecht
und Musik von Udo Lindenberg

Regie und Buch: Jan Krüger
Kamera: Oliver Schwabe
Schnitt: Rita Schwarze
Produktion: Kunsthochschule für Medien Köln / Krüger
Darsteller: Christian Bumba, Geraldine Rose, Marc Pohl, Swaantje Burow, Thaha Takruri, Fernando Hernandez, Thorsten Faßbender.

Udo Lindenberg singt Brechts VERFÜHRUNG VON ENGELN: Ein junger Mann durchstreift die nächtliche Stadt. Auf seinem Weg trifft er verführerische Menschen, ohne ihnen wirklich nahe kommen zu können: die schöne, entrückte Frau im Hauseingang, das ins Liebesspiel versunkene Paar, den fordernden jungen Mann im Schatten der Neonlichter. Ein flüchtiger Bilderstrom von Verführung, Sehnsucht und Erotik. In einem rätselhaften Nachtclub treffen sich alle wieder.

Entstanden an der Kunsthochschule für Medien Köln als Musikvideo für Udo Lindenberg. Ein schwebender, tänzerischer schwuler Bilderreigen, der in seinen grobkörnigen Schwarzweiß-Aufnahmen an die Ästhetik von Derek Jarman erinnert. Jan Krügers 'Nähe und Distanz'-Thema spiegelt sich im Brecht-Gedicht: "Engel verführt man gar nicht – oder schnell."

Das Gedicht erschien 1948 und wurde von Brecht scherzhaft mit "Thomas Mann" unterzeichnet. Eine Provokation des bürgerlichen Schwulen und politisch Konservativen, allerdings zu Lebzeiten nicht veröffentlicht.


FREUNDE
D 2001, 21 Minuten, Farbe

nach einer Idee von A.M. Homes

Regie und Buch: Jan Krüger
Kamera: Oliver Schwabe
Schnitt: Rita Schwarze
Produktion: Kunsthochschule für Medien Köln /Krüger, gefördert vom Filmbüro NW.
Darsteller: Marlon Kittel, Martin Kiefer, Rose Bender

„Eine Jungen-Freundschaft, pendelnd zwischen Kameradschaft und Erotik: der kurze, ungeheuer intensive Film zeigt kostbare Augenblicke dieser Verbindung zweier Heranwachsender, Erinnerungssplitter, scheinbar zusammenhanglose Momentaufnahmen, die nicht einer konventionellen, narrativen Logik folgen. Es entsteht so etwas wie ein Porträt dieser Freundschaft, in der sich Faszination, Neugierde, Treue und Verrat, und ein uneingestandenes Gefühl echter Liebe mischen. FREUNDE enthält in seiner lakonischen Dichte, in seiner Knappheit die Dramatik eines ganzen Jugendromans, mit dem Abschied von der Kindheit und dem Gang ins Ungewisse. ” (Jury-Begründung Nominierung für den Förderpreis für den besten Absolventen-Spielfilm 2001)

Diverse Festivals und Auszeichnungen, u.a.: „Silberner Löwe” für den Besten Kurzfilm auf den 58. Internationalen Filmfestspielen in Venedig, 1. Preis Internationales Kurzfilmfestival Köln „short cuts cologne”, ”Prix Canal+”Festival Premiers Plan, Angers, nominiert für den Besten Absolventenfilm 2001, den First Steps – Award 2001, den Europäischen Kurzfilmpreis 2001 und den Deutschen Kurzfilmpreis 2002.


TANGO APASIONADO
D 2006, 13 Minuten, Farbe

Im Auftrag des Internationalen Filmfestivals Rotterdam 2006, zu Ehren von Michael Haneke im Rahmen von 'Meet the Maestro'

Buch und Regie: Jan Krüger
Kamera: Bernadette Paassen
Ton: Patrick Veigel
Produzent: Jan Krüger
Darsteller: Arndt Schwering-Sohnrey, Martin Kiefer, Margarita Breitkreiz

Zwei Männer in einer Liebesbeziehung. In nur wenigen Sätzen und Gesten scheinen ihre gemeinsame Vergangenheit auf, ihre Sehnsüchte, ihre Zweifel. Vielleicht geht es aber auch weniger um die Männer. Vielleicht geht es um uns selber, um das Hinschauen an sich…

Im Deutschen Wettbewerb der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen 2006


HOTEL PARADIJS
D 2007, 30 Minuten, Farbe & s-w

Buch und Regie: Jan Krüger
Kamera: Oliver Schwabe
Schnitt: Natali Barrey
Musik: Birger Claussen
Koproduzent: Frank Stauss
Produktion: Paradiesfilm Produktion / Jan Krüger , gefördert durch BKM und die Filmstiftung NRW
Darsteller: Martin Kiefer, Terence Schreurs, Barry Atsma

Paul überquert jeden Tag den Kanal, der die Innenstadt von Amsterdam von dem Industriegebiet trennt, in dem sein Liebhaber auf ihn wartet. Bis er eines Tages auf Claire trifft, die ihn in ihre Welt entführt. Sie macht ihn zum Zuschauer ihrer Hingabe – für Paul eine neue Rolle, der er immer weniger gewachsen scheint…

Im Deutschen Wettbewerb der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen 2007, Frameline31 Festival San Francisco.


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BIOGRAFIE JAN KRÜGER
1973 geboren in Aachen
1979-1992 Schulbesuch in Hildesheim
1992-1996 Studium an der Rheinisch-Westfälischen TH Aachen: Elektrotechnik, Physik, Sozialwissenschaften
1996-2001 Studium an der Kunsthochschule für Medien, Köln, Fachbereich Film/Fernsehen; Diplomabschluss im April 2001 bei Prof. Horst Königstein (NDR) und Prof. Dietrich Leder
seit 1998 Arbeiten für WDR Fernsehen, ZDF, Agentur BUTTER./Düsseldorf, freie Arbeit an Drehbüchern und Filmprojekten


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FILMOGRAFIE
In den Kreis des Lichts (1998), Dokumentarfilm, 25 Min.
Hochzeitsvorbereitungen (2000), 5 Min.
Verführung von Engeln (2000), 6 Min.
Freunde (2001), 21 Min.
Unterwegs (2004), 81 Min.
Tango Apasionado (2006), 13 Min.
Hotel Paradijs (2007), 30 Min.
Henningstadt (in Vorbereitung)

Homepage von Jan Krüger:

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www.jank-home.de


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PRESSEBILDER



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Stand 07/07 - Irrtümer vorbehalten