MAX ERNST
MEIN VAGABUNDIEREN -MEINE UNRUHE


ein Film von Peter Schamoni

D 1991, 100 min, s/w und Farbe

Bayerischer Filmpreis 1991
Deutscher Filmpreis – Nominierung 1992
Montreal Festival International du Film sur L‘ art:
Prize for best biography
Prädikat: besonders wertvoll

Bundesstart der WA: 19. Juli 2007

Werner Spies gewidmet

 

KURZTEXT
Ein schon klassischer Dokumentarfilm über Leben und Werk des Künstlers Max Ernst (1891–1976), mit einer Fülle an Archivmaterial und neu gedrehten Aufnahmen von Originalschauplätzen der Biografie von Max Ernst. Regisseur Peter Schamoni war der einzige filmische Begleiter des Künstlers – eine cineastische Hommage an den Künstler und Freund Max Ernst.


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ZUM FILM
MAX ERNST. MEIN VAGABUNDIEREN – MEINE UNRUHE, 1991 zum 100. Geburtstag von Max Ernst entstanden, leistet das, was eine Ausstellung nur in begrenztem Umfang bieten kann: Zugang zur Person des Künstlers selbst und authentische Informationen über Zeitgeschichte, Lebensumstände, Menschen, Orte und Landschaften, die sein Werk mitgeprägt haben.

Max Ernst selbst erklärt die verschiedenen Phasen seines revolutionären Werkes und lässt die Stationen seines unruhigen Vagabundierens lebendig werden: die aufrührerische DADA-Zeit in Köln, die Surrealisten in Paris, der Rückzug in die Provence, die Flucht nach New York, sein Aufenthalt bei den Hopi-Indianern in Arizona und schließlich die Rückkehr nach Europa.

Für den Regisseur Peter Schamoni ist die Geschichte von Max Ernst für mehrere Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts die Geschichte der europäischen Phantasie.

»Max Ernst hat in Deutschland bis heute nur dürftig ins kulturelle Bewusstsein zurückgefunden. Peter Schamoni durfte als junger Student an der Filmhochschule in Paris den Ausnahmekünstler persönlich kennen lernen und hielt mit ihm über Jahre hinweg Kontakt. Fünfzehn Jahre nach seinem Tod, zum Anlass seines 100. Geburtstags, würdigte ihn Schamoni mit einem Portrait, das bis heute als sein Opus Magnum gilt: Max Ernst: Mein Vagabundieren – Meine Unruhe.

In einhundert kompakten Minuten gibt er sich der ganzen Fülle und Reichhaltigkeit des stetig revolutionierenden Werks hin und der überwältigenden Suggestivkraft dieser Persönlichkeit.

Die Lebensreise beginnt mit dem Ersten Weltkrieg, an dem Ernst als Artillerist teilnahm. Er zitiert sich selbst (immer in einem Nebeneinander von Englisch, Deutsch und Französisch, was die Bedeutung und Möglichkeiten seiner Dreisprachigkeit erahnen lässt): ‚Max Ernst starb am 1. August 1914. Er kehrte zum Leben zurück am 11. November 1918 als junger Mann, der ein Magier werden wollte, um den Mythos seiner Zeit zu finden.’ Diesen fand er schon früh im Dadaismus seiner Kölner Jahre, später im Pariser Exil als Mittelpunkt der Surrealisten, dann in der französischen Provence, nach erneuter Flucht in New York, im indianischen Arizona und zurückgekehrt noch einmal in Frankreich.

Schamoni entfaltet die Inspirationsquellen und Rahmenbedingungen von neuem, stellt sich komplexen Beziehungsgeflechten zu Freunden und Bekannten, die sich wie ein Who‘s who der Kunstgeschichte lesen, entwickelt in sagenhafter Montage ein großformatiges Film-Gemälde anhand von Interviews, Zeichnungen, Ölbildern, Filmszenen des Künstlers in Aktion und Spielfilmmaterial, Fotos und animierten Fotoserien, Überblendungen zu atemberaubenden Landschaftsaufnahmen des Kameramanns Ernst Hirschs teilweise in erregendem Zeitraffer, anhand von nachgestellten Szenen voller Witz und Charme und der explosiven Wucht der Musik Strawinskys, eine der vielen Leidenschaften des überdies philosophisch und literarisch bewanderten Genies Max Ernst.

Der Film ist spannender als viele Spielfilme es sind, er ist voller Raffinesse und folgt doch einer einfachen Idee– wie alle Künstlerportraits Schamonis: Statt subjektiver Interpretation steht im Mittelpunkt das Verstehen des Schöpfers selbst, des Künstlers, des Menschen – des Anderen. Die individuelle Wahrnehmung reicht Schamoni weiter an unsere eigene Verantwortlichkeit. Hören und Sehen wir für einen Moment, was dieser Andere uns sagt. Max Ernst: ‚Un peintre, qui s‘est trouvé est perdu.’ – Ein Maler, der sich gefunden hat, ist verloren.
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JÖRN SEIDEL


»Es ist ein beeindruckender Film geworden, der ein exemplarisches Leben schildert: Ein Künstler, wie er mit seiner Berufung auf die Romantik nicht deutscher sein könnte, wird durch den Schock des Ersten Weltkrieges zum Kosmopoliten, geht mit geliehenem Pass unbehelligt nach Paris, wird vom deutschen Unheil eingeholt, muss ins Internierungslager, wird von einem französischen Freund befreit, von einem anderen Franzosen verraten, kommt wieder ins Lager, emigriert schließlich nach Amerika und kehrt nach langen Jahren nach Frankreich zurück – und diese Odyssee wird vorgetragen in einem unüberhörbaren rheinischen Dialekt und mit so herrlichen Sentenzen: ‚Ein Maler, der sich findet, ist verloren.’

Jene Szenen beeindrucken am meisten, in denen Original- Schauplätze besucht werden: Das Haus Eluards mit den Wandmalereien von Ernst, das Haus in der Touraine, die Landschaft Arizonas. Die von Peter Schamoni neu aufgenommenen und geradezu dramatisch ins Bild gerückten Felspanoramen von Bryce Canyon oder Grand Canyon machen es nachvollziehbar, wie Ernst damals meinte, die Visionen seiner eigenen Malerei leibhaftig vor sich zu sehen. In solchen Augenblicken wird Film zur Magie: Er beschwört imaginierte Wirklichkeit, zaubert sie vor unsere Augen.
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WILFRIED WIEGAND


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DER REGISSEUR PETER SCHAMONI
Geboren 1934 in Berlin. Vater Dr. Viktor Schamoni. Dessen Dissertation: Das Lichtspiel – Möglichkeiten des absoluten Films, 1926. Mutter Maria Schamoni (geb. Vormann), Autorin des Buches Meine Schamonis (Nymphenburger, München 1983): die Geschichte ihrer Ehe und die Karrieren ihrer vier Söhne (Victor, Peter, Thomas, Ulrich). Schon als Kind spielt Peter Schamoni Theater- und Filmrollen. Das Abitur macht er in Münster. Danach geht er nach München, um Literatur, Kunst- und Theatergeschichte zu studieren. Es folgen Dramaturgie- und Regieassistenzen an den Staatstheatern in Stuttgart und München. Sein erster Kurzfilm Moskau 1957 erhält von Bundespräsident Theodor Heuss den Photokinapreis im Wettbewerb »Jugend filmt«.

Als Regisseur und Produzent realisierte Peter Schamoni über 30 Spiel- und Dokumentarfilme, die mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnet wurden, z.B. Silberner Bär der Berliner Filmfestspiele 1966 für sein Spielfilmdebüt Schonzeit für Füchse und Oscar-Nominierung 1973 für den Dokumentarfilm Hundertwassers Regentag.

Webseite: www.schamoni.de


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MAX ERNST
Max Ernst wurde im April 1891 als Sohn eines Taubstummenlehrers in Brühl bei Köln geboren. Von 1909-14 studierte er Philosophie, Psychologie und Kunstgeschichte an der Universität Bonn und wurde im Ersten Weltkrieg als Freiwilliger in Polen und Frankreich eingesetzt. Nach Kriegsende wird Ernst gegen seinen Willen zum Leutnant befördert und gründet mit Hans Arp die Kölner Dada-Gruppe. In der Folgezeit erweitert er die Collage als künstlerische Ausdrucksform und erfindet die Technik der Frottage sowie verschiedene andere, von gesteuerten Zufällen dominierte, Formen des künstlerischen Ausdrucks. Aus seiner 1918 mit Luise Straus geschlossenen und 1926 geschiedenen Ehe geht ein Sohn hervor, welcher in den USA unter dem Namen Jimmy Ernst als surrealistischer Maler bekannt wird.

In den Jahren bis 1933 engagiert Ernst sich in Paris – dorthin ist er 1922 übergesiedelt – vielfach für surrealistische und dadaistische Kunst, indem er an Kongressen und Sitzungen teilnimmt, seine Bilder in Ausstellungen präsentiert und 1930 eine Rolle als Räuber in dem surrealistischen Film L‘age d‘or übernimmt. Nach Hitlers Machtübernahme wird seine Kunst als »entartet« gebrandmarkt; das Nacktporträt Schöne Gärtnerin wird auf der bekannten Nazi-Ausstellung gezeigt und gilt seitdem als verschollen. Als die Wehrmacht Frankreich besetzt, wird Max Ernst in verschiedene Internierungslager eingewiesen, kann zweimal ausbrechen und flüchtet 1941 über Spanien in die Vereinigten Staaten, wo er zunächst als »feindlicher Ausländer« eingestuft wird und gemeinsam mit anderen Exilanten die Zeitschrift »VVV« herausgibt, welche im weiteren Verlauf zum Ausgangspunkt der surrealistischen Bewegung in Amerika wird. 1948 erhält Ernst die amerikanische Staatsbürgerschaft; fünf Jahre später kehrt er nach Paris zurück.

In der Zeit von 1953 bis zu seinem Tod am 1. April 1976 wird Max Ernst auf vielfache Art und Weise gewürdigt: das Museum of Modern Art widmet ihm eine Retrospektive, das Land Nordrhein-Westfalen verleiht ihm eine Ehrenprofessur, die Universität Bonn eine Ehrendoktorwürde und auf der Biennale von Venedig erhält er 1953 den Großen Preis für Malerei. Außerdem werden Leben und Werk von Max Ernst in zahlreichen Ausstellungen, u.a. auf der ersten »Documenta«, ausgiebig gewürdigt.


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TEAM
Regie: Peter Schamoni

Buch: Peter Schamoni

Buchzitate: Dorothea Tanning / Jimmy Ernst

Kamera: Ernst Hirsch, Peter Rosenwanger, Victor Schamoni

Musik: Igor Strawinsky

Sprecher: Max Ernst, Heiner Lauterbach, Hanns Dieter Hüsch,
Elisabeth von Molo, Linda Joy, Donald Arthur, Werner Spies, Christian Wolf

Produktion: Peter Schamoni Film
InterNationes
ZDF


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PRESSEBILDER



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Stand 07/07 - Irrtümer vorbehalten