PEER GYNT

ein Film von Uwe Janson
nach der Vorlage von Henrik Ibsen
Deutschland 2006

Bundesstart: 14. Dezember

KURZINHALT

Ein Film über die (Un-)Möglichkeit der Liebe, mit der Kraft eines der großen dramatischen Gedichte der Weltliteratur: Robert Stadlober ist »Peer Gynt«, Henrik Ibsens nordischer Faust.


Top >>

DAS STÜCK

PEER GYNT wurde im Jahre 1867 von Henrik Ibsen in Italien geschrieben, die Bühnenmusik schrieb Edvard Grieg. Das Stück, dessen Handlung im Anfang des 19. Jahrhunderts beginnt und in den sechziger Jahren endet, spielt teils im Gudbrandstal und seinen Bergen, teils an der Küste von Marokko, in der Wüste Sahara, im Tollhaus zu Kairo und auf See. Das Drama schildert die Geschichte einer Selbstfindung: »Du selbst zu sein, sei dein Ruhm« – dieser Satz durchzieht leitmotivisch das Werk. Der hübsche Bauernjunge Peer Gynt zeichnet sich durch reiche Fantasie und unbändigen Tatendrang aus, doch gelingt es ihm nicht, seine Träume Wirklichkeit werden zu lassen und sich selbst zu finden. Alles, was er anpackt, bleibt Episode: Ob er die Braut eines anderen verführt und wieder verlässt, sich am Hof der Trolle im Dovrefjell als Schwiegersohn vorstellt, oder ob er für seine Geliebte Solveig eine Waldhütte baut – niemals ist er konsequent und führt die Dinge zu Ende. Den ruhenden Gegenpol zu diesem unsteten Umherschwärmen bildet Solveig. Während Solveig in der Waldhütte lebt und in ihrer Arbeit und der gedanklichen Liebe zu Peer Erfüllung findet, reist der in die Fremde, um sein "Kaiserreich" zu gründen. Doch fern der Heimat widerfährt ihm dasselbe: Er bleibt »ein Mann, der niemals er selbst gewesen.« Als alter Mann kehrt er zurück und begegnet der inzwischen erblindeten Solveig wieder. Dem Heimatlosen sagt Solveig, wo sein "Selbst" die ganze Zeit über war: »In meinem Glauben, in meinem Hoffen, in meinem Lieben.« Indem Peer zu Solveig heimfindet, findet er zu sich selbst.



Top >>

DER FILM
Wahrheit, Wahn, Phantasie, Wunsch und Realität verschwimmen, wenn Peer Gynt in immer neue Abenteuer stürzt. Dem Kaleidoskop von Eindrücken und Geschichten die eigene Identität einzuimpfen, das bestimmt die reizvoll-provozierende Dramatik von Ibsens »Peer Gynt«. Regisseur Uwe Janson verlegt den Ort der Handlung des ursprünglich für das Theater geschriebenen Stückes: Peers rastlose Flucht nach vorn ist bei Janson eine Reise entlang von Gewässern, in denen sich Peers Phantasie spiegelt. Begegnungen mit bizarren Gestalten fungieren als Weichensteller für die weiteren Verzweigungen seines Lebensweges, geben den Blick frei auf Peers innere Tumulte und die zahlreichen Persönlichkeiten, die ihm innewohnen. »Peer Gynt« wird auch als »Faust des Nordens« bezeichnet, dem Mephisto offensichtlich in der ruhelosen Seele sitzt. Robert Stadlober als Hauptdarsteller gibt Peer einen spitzbübischen Charakter, schillernd, rebellisch und emotionsgeladen. Bereits als junger Peer ist er auf der Suche nach der Liebe, jedoch immer begleitet von der Urangst des durch den mephistophelischen »Knopfgießer« personifizierten Todes, verkörpert von Ulrich Mühe. Peers Mutter Aase (Susanne-Marie Wrage) und seine große Liebe Solvejg (Karoline Herfurth) bilden die beiden weiblichen Bezugspunkte seiner dramatischen Existenz, deren Lebenszickzack ihn zurück zu seinen Ursprüngen führt, auf der Suche nach der Liebe als einzig mögliche Erlösung von Lebensgier und Tod. Peer erlebt sich als Zwiebel, schalenreich, aber kernlos: als Mensch ohne Persönlichkeit. Es ist die Lebensreise eines Träumers, der sich selbst genug ist, ohne jemals wirklich er selbst zu sein – einer, der sich mit Lügen und Betrügereien durchs Leben schummelt. Vor lauter Selbstverwirklichung hat er das Leben verpasst und erkennt, dass sein Ich auf der Strecke geblieben ist.

Nach Bertolt Brechts »Baal« und Frank Wedekinds »Lulu« stellt sich der Berliner Film- und Fernsehregisseur Uwe Janson bereits zum dritten Mal im Auftrag des ZDFtheaterkanals mit ARTE und 3sat der Herausforderung, einen Bühnenklassiker mit zeitgemäßen filmischen Mitteln neu für ein größeres Filmpublikum zu erschließen. Ibsens »Peer Gynt« hat er in Peenemünde auf Usedom verfilmt. Für Janson liegt der inhaltliche Fokus auf den beiden ewigen Themen, die Film und Theater miteinander gemein haben: Liebe und Tod.

So wird die zugleich romantisch und ironisch anmutende Geschichte von Peer die Geschichte von uns allen: Seine Suche nach der wahren Liebe und seine Hoffnung auf Unsterblichkeit ist auch die unsrige. Zum Schluss kulminieren die großen, nagenden und faszinierenden Fragen nach Ziel und Sinn unseres Lebens in der zentralen Frage: Wie stark ist die Liebe? »Peer Gynt« zählt zu den herausragenden Werken des europäischen Erbes, emotional, scharfsichtig und lebenshungrig zugleich. Rechtzeitig vor Ende des Ibsen-Jahres 2006, mit dem in zahlreichen Inszenierungen und Veranstaltungsreihen des wohl bedeutendsten norwegischen Schriftstellers gedacht wird, erweitert dieser Film die Ibsen- Interpretation temporeich und humorvoll um eine weitere Facette.


Top >>

DER REGISSEUR

Uwe Janson, geboren 1959 in Königswinter.
1982 Studium der Soziologie, Politischen Wissenschaften und Germanistik
1986–97 diverse Regieassistenzen
1987 Gründung der Filmverleih-Initiative »Konterbande«
1989 Regieförderpreis
1994 Einjähriger Unterricht als
Dozent für Regie an der dffb Berlin
Debütfilm »Verfolgte Wege«, 1989 (Bayerischer Filmpreis, Nominierung für den Bundesfilmpreis, Prix de Jeuness Locarno, Prix Special du Producteur Cannes, Prädikat: besonders wertvoll). Seitdem diverse Regiearbeiten, vor allem für das Fernsehen. U.a. »Gefährliche Verbindung« (1993, Nominierung für den Grimme-Preis), »Visum in den Tod« (1996, TV Movie Award), »Baal« (2003), »Lulu« (2005), »Peer Gynt« (2006).




Top >>

DIE HAUPTDARSTELLER

Robert Stadlober (Peer Gynt)
Geboren 1982 in Friesach in Kärnten, Österreich, wuchs in der Steiermark und in Berlin auf. Bereits als Kind arbeitete er als Synchronsprecher und spielte in verschiedenen Fernsehproduktionen und Kinofilmen mit. Seine bislang größten Erfolge sind die Hauptrollen als Benjamin Lebert in »Crazy« (2000) und in »Engel und Joe« (2001) an der Seite von Jana Pallaske. In »Sommersturm « (2004) stellte Stadlober einen jungen Ruderer dar, der sich in seinen besten Freund verliebt. Aktuell dreht er gerade »Krabat« (vorauss. 2008, wieder unter der Regie von Marco Kreuzpaintner). Neben seiner Schauspielerei ist er Musiker und Sänger der Band »Gary« und zusammen mit Bernhard Kern Betreiber

Karoline Herfurth

Geboren 1984 in Berlin. Entdeckt wurde Karoline Herfurth 1994 von einem Talentscout in der Schule. Zum ersten Mal stand sie für den Fernsehfilm »Ferien jenseits des Mondes« vor der Kamera, ihren ersten Kinofilm, die Komödie »Crazy«, drehte sie im Jahr 2000. Größere Bekanntheit erlangte Karoline Herfurth ein Jahr später mit dem Kinofilm »Mädchen, Mädchen«. 2006 spielte sie eine Nebenrolle in Tom Tykwers Großproduktion »Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders«.

Ulrich Mühe
Geboren 1953 in Grimma. Ab 1975 Studium an der Theaterhochschule »Hans Otto« Leipzig, ab 1979 Engagement am Städtischen Theater Karl-Marx-Stadt. 1982 von Heiner Müller als Gast an die Volksbühne nach Berlin geholt. Ab 1983 am Deutschen Theater, Aufstieg zum Star des Ensembles. Seit 1978 wirkt Mühe an zahlreichen TV-Filmen der defa mit, u.a. als Hölderlin in »Hälfte des Lebens« (1986). International beachtet in der Hauptrolle des Karrieristen Theodor Lohse, eines menschlichen Chamäleons, in »Das Spinnennetz « (Regie: Bernhard Wicki) nach Joseph Roths prophetischem Zeitroman von 1923. Historisch auch in Frank Beyers TV-Filmen »Das letzte UBoot« und »Ende der Unschuld« über deutsche Nazi-Vergangenheit, dagegen aktuell in den Gesellschafts- Satiren »Schtonk« (Helmut Dietl) und »Geschäfte« (Michael Schottenberg). 1992 Arbeit mit Bud Spencer in einer in Miami gedrehten Folge von »Detective Extralarge«. Daneben weiterhin Theaterauftritte, vorwiegend in Wien. Wichtige Filmrollen u.a. in »Funny Games« (M. Haneke 1996), »Feuerreiter« (N. Grosse 1998), »Straight Shooter« (T. Bohn 1999), »Schneeland« (H. W. Geissendörfer 2004) und »Das Leben der anderen« (F. Henckel-Donnersmarck 2006). Auszeichnungen: u.a. der "Deutsche Filmpreis" 2006.



Top >>





Stand 12/06 - Irrtümer vorbehalten