HERR VIG UND DIE NONNE
(The Monastery – Mr. Vig & the Nun)
ein Film von Pernille Rose Grønkjær
DK 2006, 84 Minuten, Farbe, OmU
Bundesstart: 7. Februar 2008

Regie: Pernille Rose Grønkjær
Drehbuch: Jens Arentzen, Per K. Kirkegaard, Pernille Rose Grønkjær
Kamera: Pernille Rose Grønkjær
Schnitt: Pernille Bech Christensen
Ton: Kristian Eidnes Andersen
Musik: Johan Söderqvist
Produktion: Tju-Bang Film

IDFA: Bester Film (Joris Ivens Wettbewerb)
Sundance (World Documentary Competition): 3. Publikumspreis
Hot Docs, CPH DOX: Besondere Erwähnung


www.themonasterymovie.com

KURZINHALT
Herr Vig, ein 82-jähriger Eigenbrötler, möchte aus seinem Schloss ein russisch-orthodoxes Kloster machen. Eine Delegation russischer Nonnen, darunter die eigenwillige Schwester Amvrosya, kommt zu Besuch, um die Eignung des Gebäudes zu überprüfen. Pernille Rose Grønkjær hat einen humorvollen und nachdenklichen Dokumentarfilm über die Annäherung zweier verschrobener Individualisten gemacht, die einen gemeinsamen Traum haben. Ausgezeichnet mit dem Preis für den Besten Film beim Joris Ivens Wettbewerb des IDFA (2006).


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INHALT
Sein ganzes Leben hat der 82-jährige Jørgen Laursen Vig von der Einrichtung eines Klosters in seinem dänischen Schloss geträumt: ein Monument gegen die eigene Vergänglichkeit.

Er war Gemeindepfarrer und Bibliothekar und kann sich als Theologe nichts Schöneres vorstellen, als ein Gotteshaus zu gründen – unter dem russischorthodoxen Patriarchat auf dänischem Boden.

Stets hat er allein gelebt, war nie verliebt und ist über die Jahre zum Eigenbrötler geworden. Liebe und Sexualität ist für ihn immer nur Mittel zur Fortpflanzung gewesen – für die er nichts übrig hatte. Menschen mag er im Allgemeinen nicht – Frauen insbesondere.

Nun offeriert ihm das Patriarchat von Moskau plötzlich, russisch-orthodoxe Nonnen in sein Haus zu senden, um die Eignung des Gebäudes für den Orden zu prüfen. Der Lebenstraum des alten Mannes könnte wahr werden, doch schon bei den Vorbereitungen zum Besuch der frommen Frauen wird Herr Vig nervös: die Treppe ist nicht in Ordnung, überall hängen Spinnweben, und hier und da könnten noch ein paar Kreuze aufgehängt und Buddhas weggeräumt werden.

Die Nonnen bringen als Geschenk eine Ikone mit. Ein missbilligender Blick fällt auf das chinesische Opiumbett. Ansonsten ist der Eindruck des Gebäudes durchaus positiv.

Nachdem die Heizung notdürftig repariert ist, kehrt eine Delegation der Nonnen wieder, um sich im Sommer für längere Zeit einrichten. Unter ihnen ist die aufgeweckte und durchsetzungsstarke Schwester Amvrosya, mit deren Aktionismus Herr Vig schnell in Konflikt gerät... und überhaupt gehen ihm die großen Veränderungswünsche und Zukunftspläne der Schwestern bald auf die Nerven.

Der religiöse Tagesablauf im Haus ist äußerst strikt: Um Mitternacht eine Stunde beten, um 5.30 Uhr aufstehen, von 6 bis 10 Uhr beten, um 11 Uhr essen, von 11.30 Uhr bis 13.30 Uhr arbeiten und von 17 bis 20 Uhr wieder beten.

Alles muss immer sauber sein, Nonnen sind niemals müde, sie bringen ihr eigenes Essen mit und keine Eier vor dem 12. Juli!

Herr Vig hat kein Verständnis dafür, wieder ein neues Dach zu fertigen. Die russisch-orthodoxe Kirche würde die Renovierungskosten übernehmen, doch soll er diesen Nonnen wirklich Schloss Hesbjerg überlassen? Und wie überhaupt? Abtreten? Vermieten? Vererben?

Der Eigenbrötler bekommt kalte Füße und regt eine zweite Kirche an, so dass sein Schloss nur ein temporäres Kloster wäre – doch da hat er die Rechnung ohne die russische Orthodoxie gemacht: Eine Kirche bleibt eine Kirche!

Ein Vertrag wird aufgesetzt und über die einzelnen Punkte wird hart verhandelt – Herr Vig gerät außer sich, ein böser Satz fällt: „Sie machen hier alles kaputt!“

Russisches Geld soll fließen, aber der Schlossherr besteht auf ‚dänischer Qualitätskontrolle’. Schließlich gibt es eine Vereinbarung, mit der Schwester Amvrosya nach Moskau fährt. Der Abschied ist unerwartet herzlich. „Vergessen Sie nicht zu beten!“ ruft sie dem Eigenbrötler zu. Dieser findet: „Mit ein paar Nonnen auf Urlaub und einigen ukrainische Sommergästen kann man kein Kloster gründen!“

Doch in seiner Einsamkeit grübelt er über die ‚Geheimnisse der Frauen’ und über die Probleme, die Gefühle verursachen. Damit will er nichts zu tun haben...

Die Heizung funktioniert, Herr Vig und Schwester Amvrosya schreiben sich Emails – trotzdem lässt sie ihn acht Monate warten, bis sie wiederkehrt („Russen haben einfach kein schlechtes Gewissen“). Ihre Ankunft macht ihn deutlich verlegen. Zusammen gehen sie zur Prozession und pflanzen einen Baum. Ein Gottesdienst mit Gläubigen findet im neuen Kloster statt.

Am Ende steht ein Brief von Schwester Amvrosya: „Lieber Herr Vig, fünf Jahre waren wir nun zusammen. Obwohl sich unsere Vorstellungen unterschieden, wollten wir das Gleiche. Oft waren wir verschiedener Meinung. Aber Gott führte uns alle in seiner Weisheit. Unser Gott legte dieses Geschenk in Ihre Hände – Ein Geschenk, dass Ihnen, wie ich glaube, die Türen zum Paradies öffnen wird.

Ich wünsche Ihnen das Himmelreich und ewigen Frieden.
Lieber Herr Vig, Diener unseres Herrn.“

Jørgen Laursen Vig stirbt an Weihnachten. Ihm ist dieser Film gewidmet.

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DER FILM
Die Regisseurin Pernille Rose Grønkjær hat diese Annäherung zweier sehr unterschiedlicher, aber gleichermaßen eigenwilliger Menschen behutsam und mit einem warmherzigen Blick beobachtet. Beide Protagonisten werden niemals der Lächerlichkeit preisgegeben, sondern immer in ihrer Verschrobenheit respektiert. Herrn Vig, der Menschen sonst meidet, vermag sie intime und offene Aussagen zu entlocken, die er sonst wohl selten preisgibt. Es entsteht ein tiefgründiges Porträt, das von Einsamkeit und Lebensträumen erzählt, von sozialen Lernprozessen und von unterschiedlichen Zugängen zum Glauben. Herr Vig muss sich entscheiden, ob er sein Haus wirklich einem Gott stiften oder ob er ein Andenken seiner selbst schaffen will. Und dieser Entscheidungsprozess gerät, durch Schwester Amvrosya provoziert, zum Startschuss einer späten Selbstreflexion.

Zugleich kann man in THE MONASTERY aber auch verfolgen, wie banal und alltäglich, wie ganz allein menschengemacht die Verrichtungen und Rituale sind, die aus einem verfallenden Gemäuer einen spirituellen, geheiligten Ort machen sollen. Dieses doppelte, in sich verschlungene Ringen um Transzendenz, um ein Reich der Seele jenseits des sterblichen Menschenkörpers, macht aus Pernille Rose Grønkjærs wunderbar unprätentiöser, warmherziger aber unnachgiebiger Doku einen großen Film über die Vergänglichkeit.“ (Thomas Willmann, artechock).

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DIE REGISSEURIN
Pernille Rose Grønkjær, geboren 1973 in Dänemark. 1997 Abschluss an der National Film School of Danmark. Mit THOSE WERE THE DAYS realisiert sie 1998 ihren ersten Dokumentarfilm. Seither mehrere Dokumentationen für das dänische Fernsehen. HERR VIG UND DIE NONNE wurde beim Internationalen Dokumentarfilmfestival von Amsterdam (IDFA) mit dem Joris-Ivens-Preis ausgezeichnet.

ÜBER IHREN FILM:
„Ich habe mir immer gewünscht, mit meinen Filmen gleichzeitig ein Märchen zu erzählen, und genau das hat mir dir Geschichte von Herrn Vig nun erlaubt. Seine Geschichte hat etwas in mir berührt, denn obwohl sie einerseits sehr persönlich und örtlich genau bestimmbar ist, hat sie andererseits – wie eben ein Märchen – universelle Gültigkeit. Es ist eine Geschichte über einen alten Mann und seinen Traum, aber auch über die Liebe und die Schwierigkeit, mit Gefühlen umzugehen. Am Anfang fühlte ich eine große Bewunderung für Vig, er verkörperte für mich einen alten Sturkopf, der aus Überzeugung nur seinem eigenen Herzen folgte. Doch im Laufe der Dreharbeiten entdeckte ich auch seinen versteckten Schmerz und seine Fehler, und ich erkannte den inneren Konflikt in ihm. Das hat schließlich auch meine Perspektive verändert.“

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PRESSEBILDER



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Stand 01/08 - Irrtümer vorbehalten