INTIMITAETEN

ein Film von Lukas Schmid
Deutschland 2003, 71 Min., Beta, Farbe

Buch & Regie & Ton: Lukas Schmid
Schnitt: Corinna Tschöpe
Tonmischung: Kuen-II Song
Musik: Joakim Iiäs
Produzent: Tom Streuber
Produktion: Filmakademie Baden-Württemberg Ludwigsburg


FESTIVALS
Solothurner Filmtage 2004
Filmfestival Pärnu, Estland, 2004

PREISE
First Steps Award 2003 (Bester Dokumentarfilm)

INHALT

Wo finden an einem Ort, an dem Intimität in aller Deutlichkeit offen liegt, intime Momente statt? Auf der Suche nach diesen Momenten fliegen sowohl Cazzo-Film, eine Berliner Gay-Pornoproduktionsfirma, das "Wa(h)re-Liebe"–Fernsehteam als auch Dokumentarfilmer Lukas Schmid nach Mallorca. Dies ist ein Film, der einem beim ersten Anschauen wie ein Überfall vorkommt, ein Film in den Randzonen des Tabubruchs und zugleich von einer außerordentlich großen, manchmal zarten Intimität. Lukas Schmid schaute in ein scheinbares Ferienidyll, in dem andere einen Film machten. Die Protagonisten sind nach Katalog ausgewählt, einander fremd kommen sie an. Zwischen Gelegenheitsprostitution einerseits und der Suche nach Nähe andererseits wollen sie ihre Hoffnung wie auch immer ausleben. Es gibt ein Einverständnis zwischen Machern und Gemachten, das so labil ist wie es der Dokumentarist kongenial - eben intim und doch veröffentlicht - darstellt.

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REGISSEUR

Lukas Schmid über seinen Film

Ausgangspunkt für «Intimitaeten» war die Grundsatzfrage, ob Pornografie ein dokumentarisches Genre sei. Der Gedanke faszinierte meinen Produzenten Tom Streuber und mich gleichermaßen. Die Frage nach Inszenierung oder Beobachtung ist für uns beide ein zentrales Thema. Es gab nach einer Recherche auch keinen Hinweis darauf, dass sich ir­gendjemand schon mit einem Pornoset dokumentarisch beobachtend befasst hat. Grund genug, sich dem Thema also anzunehmen.

Erst habe ich mir einige Heteropornoproduktionen angesehen, zumal das meiner Sexualität entspricht. Heteroproduktionen sind nur sehr schwer für so ein Vorhaben zu begeistern. Also musste ich viele Anläufe nehmen und saß in etlichen Büros, in denen sich Abbildungen von Geschlechtsteilen stapelten. Mehr und mehr merkte ich, dass ich mit schwulern Sex den viel unkomplizierteren Umgang hatte (zumindest in der Beobachtung). Schwuler Sex hat ja wenig mit mir selbst zu tun. Also entschied ich mich für die Berliner Schwulenpornoproduktion Cazzo Film.

Die Zusammenarbeit mit Cazzo Film war problemlos. Erst etwas misstrauisch, aber schließlich sehr nett. Vor allem Jörg, der Cazzo]Film]Chef und ]Regisseur, war extrem offen und interessiert. Die Darsteller waren einfach spitze, alle großartig. Allerdings war ich der Einzige, der in den Drehpausen nur mit Badehose im Pool war. Das war dann jeweils etwas auffällig!

Bis vor diesem Dreh hatte ich mit Pornografie überhaupt nichts am Hut. Deswegen ist «Intimitaeten» auch sozusagen meine persönliche Aufarbeitung mit der Pornografie. Am Set habe ich aber Pornografie nie erlebt. Da waren nur Leute, die Sex hatten, und andere, die mehr oder weniger interessiert zuschauten. Das an sich ist noch keine Pornografie. Aber als ich das Rohmaterial von Cazzo durchgekuckt habe, da habe ich begriffen, wo Pornografie entsteht: im Kopf des Kameramanns und im Bildausschnitt, den er dann auswählt.

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BIO- UND FILMOGRAFIE LUKAS SCHMID

Geboren 1977 in Baden, Schweiz. 1996 Kameramann und Cutter bei TMT-Productions. 1998-2003 Studium Film, Medien und Dokumentarfilm an der Filmakademie Baden-Württemberg Ludwigsburg. "intimitaeten" ist sein Abschlussfilm.

Filme (Auswahl)
1997 Tabula Rasa (Kurzfilm)
1998 Freakshow
1999 Die 6. Kammer (Kurzfilm)
2000 Zweisam (Kurzfilm)
2001 Wittmeyers an der Côte d'Azûr (Experimentalfilm)
2002 Die II. Phase (Dokumentarfilm)
2003 Intimitaeten (Dokumentarfilm)

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STIMMEN ZUM FILM

„Dies ist ein Film, der mir beim ersten Anschauen wie ein Überfall vorkam, ein Film in den Randzonen des Tabubruchs und zugleich von einer außerordentlich großen, manchmal zarten Intimität. Ein Film über die Liebe und das Lieben ist immer schwer zu machen. Die Schwierigkeit steigert sich ins kaum Vorstellbare, wenn es um die Hitze der Sexualität und die Kälte ihrer kommerziellen Verwertung als Pornographie geht. Die buchstäblich nackte Handwerklichkeit in der Vorführung und Abbildung des Fickens und zugleich der Versuch, die Gesichter und Körper zu beleben und ihnen so viel Persönlichkeit zurückzugeben, dass sie als junge, auch von Sehnsucht bewegte junge Menschen erkennbar werden, - das alles ist in dem Film "Intimitaeten" dem Dokumentaristen Lukas Schmid gelungen. Als einem Filmemacher neuen Typs, Ein-Mann-Team, Kamera, Ton und Autor in einem, hat er mit kleinem Budget einen großen Film gemacht. Lukas Schmid schaute in ein scheinbares Ferienidyll, in dem andere einen Film machten. Die Protagonisten sind nach Katalog ausgewählt, einander fremd kommen sie an, und sind statt Arschlöchern und Schwänzen junge Männer, die den Ruf "Superstar gesucht" oder "Ganz easy Model werden" gehört haben. Zwischen Gelegenheitsprostitution einerseits und der Suche nach Nähe andererseits wollen sie ihre Hoffnung wie auch immer ausleben. Es gibt ein Einverständnis zwischen Machern und Gemachten, das so labil ist wie es der Dokumentarist kongenial - eben intim und doch veröffentlicht - darstellt. Die Oberfläche wird durchscheinend, das verbotene Bild zeigt sich nur in der Reaktion der Hersteller, - zu denen dann einmal auch die Hersteller eines Berichts für das Vox-Magazin "Wa(h)re Liebe" gehören, die ihre Zuschauer endgültig an eine unendliche Vorlust ketten wollen. Lukas Schmid aber lässt ein Gesamtbild entstehen, - so zufällig und konsequent, dass es in seiner Erzähl-Logik nie voyeuristisch ist, sondern in der größten Intimität das Gesellschaftliche zeigt.“
Begründung der Jury First Steps – Der Deutsche Nachwuchspreis zur Verleihung des First Steps Awards in der Kategorie Dokumentarfilm

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Stand 08/05 - Irrtümer vorbehalten