KATZ UND MAUS
ein Film von Hansjürgen Pohland
nach der gleichnamigen Novelle von Günter Grass
Deutschland 1966 / s/w / 88 Minuten / FSK 16
Prädikat: „wertvoll“
Deutsche Erstaufführung: 7.2.1967
Bundesstart der Wiederaufführung: 18. Oktober 2007
KURZINHALT
Hansjürgen Pohland verfilmte 1966 kongenial die Grass-Novelle KATZ UND MAUS
mit den beiden Brandt-Söhnen Lars und Peter und Wolfgang Neuss. Der Film kommt
zum 80. Geburtstag des Literatur-Nobelpreisträgers wieder in die deutschen Kinos.
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INFOTEXT
Die Verfilmung der vieldiskutierten Novelle von Günter Grass aus dem Jahr 1966
erzählt in einer Rückblende, die zur Zeit des Zweiten Weltkriegs spielt, von dem
Versuch eines Außenseiters, durch einen Kriegsorden von seinem vermeintlichen
körperlichen Makel abzulenken.
Eine Reflexion über Kriegsbegeisterung, Mitläufer- und Außenseitertum unter
Jugendlichen, die bei der Uraufführung heftig umstritten war: man sah das
‚Ritterkreuz’ abgewertet und die Sittlichkeit der Jugend angegriffen.
KATZ UND MAUS erscheint heute, zum Zeitpunkt seines 80. Geburtstages, auch als
Selbstreflexion des Autors Günter Grass.
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SYNOPSIS
In den 1960er Jahren reist Pilenz zurück nach Danzig, wo er zur Schule gegangen ist.
Er erinnert sich an seinen Mitschüler Mahlke, an dessen Schicksal er sich mitschuldig
fühlt:
Danzig während des Zweiten Weltkrieges. Der Schüler Joachim Mahlke ist ein
Außenseiter, der vor allem durch eine körperliche Missbildung auffällt: einen
auffallend großen Adamsapfel. Bewunderung erringt er erst, als er bei den
pubertären Spielen auf einem polnischen Minensuchboot-Wrack zum besten
Schwimmer und Taucher avanciert. Anlässlich der Rede eines mit dem Ritterkreuz
ausgezeichneten Offiziers in der Schule stiehlt Mahlke den Orden und bedeckt damit
seinen körperlichen Makel. Er fliegt von der Schule und meldet sich freiwillig zu den
Panzern, wo er selbst das Ritterkreuz erhält. Als er sich damit in seiner alten Schule
zeigen will, wird er vom Direktor abgewiesen. Mahlke desertiert und kehrt auf das
alte Minensuchboot zurück. Seitdem gilt er als verschollen.
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DER FILM
„Was vermag Pohlands Film aus diesem großen Stück Literatur zu machen?
Er setzt vorzüglich ein mit Wolf Wirths rascher, von herber Melancholie erfüllter
Kamerafahrt durch das westpreußische Umland, die Alleen, die herrlichen Seewolken,
das Wasser, die Stadt Danzig, Giebel an Giebel, Front an Front, Marien und immer
wieder der Seehimmel, das wilhelminisch reingewaschene Ostseemilieu und die neue
polnische Stadt mit fliegenden Straßenhändlern, alten Trambahnen, weiten Plätzen,
jungen Menschen. Dann fährt Wolfgang Neuss als Pilenz ins alte Gymnasium – und
plötzlich ist Mahlke da, unverkennbar Mahlke, mager, schmal, Blechbrille, strähniges
blondes Haar, die Gurgel springt aus schlankem Hals vor, ein Sekundaner wie viele
andere? Ja und nein. Dass Pohland Lars Brandt für die Rolle nahm, kann man nur
einen Treffer nennen. Der Junge bewegt sich richtig, ein bisschen eckig, steif, er hat
einen leichten Stich ins Absonderliche, ist aber doch vollkommen kameradschaftlich.
Das Wenige, was er spricht, stimmt zum Typ und zum Verhalten. Selbst die
gewagten Szenen der Absonderung, etwa die scheue Madönnenverehrung oder
Mahlkes todernste Antwort in der Klasse, er wolle Clown werden, oder seine
Erregung im Anblick des Ritterkreuzes, sind von hoher darstellerischer Intensität.
Pohland hat sich, um nicht im Plunderrealismus zu versanden, eines ebenso
einfachen wir richtigen Mittels der Stilisierung oder besser der Verfremdung ins
Gespenstische bedient. Er verwandelt die Schulkameraden Mahlkes oder einen
Pauker oder Mahlke selbst flugs in leblose Puppen. Nur Mahlke lebt, wächst ins
Überdimensionale und peilt mit erhobenem Daumen den Halsorden an. Oder
Mahlke ist auf dem Sportplatz eine bleiche, kalkige Puppe, um deren riesigen
Adamsapfel die schwarze Katze streicht, bis sie zuspringt.
Das ist guter, filmischer Verfremdungsstil. Die realen Szenen auf dem Boot sind voller
Leben, und die prekäre Szene der bübischen Selbstvergeudung ist durch indirekt
angedeutetes Arrangement so wiedergegeben, dass der unbefangene Betrachter
darin nichts anderes sehen wird als einen Beitrag zur Wahrheit.“
(Karl Korn in der FAZ, 1967)
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LITERATUR-VERFILMUNG
In seiner Verfilmung behält Hansjürgen Pohland das Konstruktionsprinzip der
literarischen Vorlage bei: Erzählt wird in der Rückblende, 20 Jahre nach den
Ereignissen, im Danzig der 1960er Jahre. Der nun erwachsene Pilenz, ein
Schulkamerad Mahlkes, erzählt die gemeinsame Geschichte und arbeitet dabei
seinen Schuldkomplex ab: Er war es, der einst eine Katze auf den Adamsapfel
Mahlkes gehetzt und somit die Jugendlichen auf das körperliche Stigma aufmerksam
gemacht hat.
Pohland drehte die Zeitebene des sich erinnernden Pilenz in Danzig. Gegenwart und
Erinnerung verschmelzen, die Kriegszeit taucht in den Assoziationen von Pilenz
wieder auf. Es gibt kein klares Damals und Heute, die Vergangenheit wird nicht als überwunden, als verarbeitet oder bewältigt gezeigt. Die Kriegsbegeisterung und das ‚böse Erwachen’, das menschliche Versagen, die Erfahrungen des Mitläufertums
schwelen noch in den Erinnerungen an die eigene Jugend.
„KATZ UND MAUS ist eine der getreuesten Literaturverfilmungen, die ich kenne.
Nicht etwa, weil am Inhalt der Novelle von Günter Grass so wenig wie möglich
verändert wurde, sondern weil die Erzählstruktur des literarischen Werks
kinematographische Wirklichkeit geworden ist.“
(Peter W. Jansen, Filmkritik)
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SKANDALBUCH
Günter Grass galt schon seit dem Erscheinen seines Debütromans DIE
BLECHTROMMEL (1959) als ‚Skandalautor’. Eine Erwartungshaltung, für die KATZ
UND MAUS (1961) weiteren Stoff bot. Der antimilitaristische Aspekt der Novelle, die
sich im Umgang der Figuren mit dem Ritterkreuz am prägnantesten äußert,
entfachte in nationalkonservativen Militärkreisen große Empörung – von der
„Beleidigung soldatischer Ehre“ war die Rede, festgemacht vor allem an der Szene, in
der sich Mahlke den Orden vor sein Geschlechtsteil hängt.
Der Vorwurf der „Unsittlichkeit“ (bezogen auf die Szenen jugendlicher Sexualität)
führte 1962 zu einer Anzeige gegen den Autor wegen „Verbreitung unzüchtiger
Schriften und Verletzung des Schamgefühls“. Auch eine Indizierung als
jugendgefährdende Schrift wurde gefordert. Eine Reihe prominenter Literaturkritiker
sollte das Werk unter diesem Aspekt begutachten – sie sprachen sich für den
künstlerischen Wert der Novelle aus und machte sich lustig über die Anmaßung der
Ministerialbürokratie, Wegweiser in Sachen des Kunstgeschmacks zu sein. Der Antrag
wurde 1963 vom hessischen Staatsminister zurückgezogen.
Aber auch die katholische Kirche kritisierte KATZ UND MAUS. Sie empfand die
Schilderung pädophiler Priester und mariengläubiger Kriegsbegeisterung als
Provokation.
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SKANDALFILM
Anlässlich der Verfilmung der Novelle entfachte sich die Aufregung in den gleichen
Punkten erneut, erweitert um die besondere Brisanz der Besetzung: Mahlke wurde
von den Söhnen des damaligen Außenministers und Vizekanzlers Brandt, Lars und
Peter, gespielt.
Es war die Zeit der Großen Koalition, und Kanzler Ludwig Ehrhard empörte sich über
die „Schändung des nationalen Symbols des Ritterkreuzes“ durch die Söhne des
Außenministers. Der CSU-Vorsitzende Strauß schlug vor, den Film zu verbieten, die
Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger protestierte gegen die „sittlich
verwerfliche Form der Darstellung hoher Tapferkeitssymbole“ und das
Bundesinnenministerium verlangte die Förderungsgelder zurück (ein interessantes
Kapitel zum Thema ‚Subventionen und die Freiheit der Kunst’).
Trotz des Wirbels verlieh die Filmbewertungsstelle das Prädikat „wertvoll“, und die
Freiwillige Selbstkontrolle gab dem umstrittenen Film ohne geringste Beanstandung
und schon in erster Instanz ihren Segen. Regisseur Pohland milderte dennoch, auf
Ansuchen des Vaters Brandt, einige drastische Szenen.
Durch die durch ihn ausgelösten politischen und gesellschaftlichen Diskussionen und
die Zugehörigkeit Pohlands zu den ‚Oberhausener Rebellen’, die sich für die
Abschaffung von ‚Opas Kino’ aussprachen, wurde KATZ UND MAUS zu einem
wegweisenden Schritt für den Neuen Deutschen Film.
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KATZ UND MAUS HEUTE
2006, kurz vor dem Erscheinen des autobiographischen Textes BEIM HÄUTEN DER
ZWIEBEL, bekennt Günter Grass, als Jugendlicher bei der Waffen-SS gewesen zu sein.
Daraufhin bricht ein Medienrummel los, der sich vor allem am fast lebenslangen
Verschweigen dieses Umstands entzündet. Grass selbst spricht, von einem ‚Splitter’,
der sich ‚verkapselt’ habe und sich erst jetzt langsam seinen Weg nach außen bahne.
Wer aber das Werk von Günter Grass kennt, weiß, dass die Auseinandersetzung mit
Schuld sein Lebensthema ist. Die Zeit bei der Waffen-SS und sein langes Schweigen
sind Facetten dieser Auseinandersetzung, aber nichts, was dazu führen muss, den
Künstler oder den Bürger Grass in einem völlig neuen Licht zu betrachten.
KATZ UND MAUS erscheint in diesem Zusammenhang als präzise persönliche
Reflexion des ‚Schuldigwerdens’ – nicht nur in der Figur des Pilenz, der den
‚absonderlichen’ Mahlke zum Außenseiter stempelt und das schlechte Gewissen
darüber ein Leben lang mit sich herumträgt, lässt sich ein schuldbewusstes
Aufarbeiten als Selbstverpflichtung festmachen, auch Mahlke erscheint vor dem
autobiographischen Hintergrund des Autors als eine Art Selbstporträt. Die
Kriegsbegeisterung, durch Lehrer, Mitschüler und Eltern angeheizt, das unreflektierte
Mitläufertum, der verblendete Eifer nach hohlen militärischen Auszeichnungen –
schließlich aber auch die Desillusionierung, das böse Erwachen und das
Verschwinden und Sich-Einschließen als direkte Reaktion auf die Scham.
In der Präsentation der beiden jugendlichen Helden Pilenz und Mahlke (in der
Novelle wie im Film) tritt kein Oberlehrer auf, der den Nachkriegsdeutschen ihre
Schuld nachweist. Mit großer Sympathie und für die Erfahrungswelt der Jugend,
auch in großer Nähe zu ihr (was der Film noch verstärkt), wird eine präzise Fallstudie
des Nationalsozialismus gezeigt und keineswegs in ihrer historischen Zeit
‚eingekapselt’. Buch wie Film fragen nach der Entscheidungs- und
Selbstbestimmungsmöglichkeit des Einzelnen im Nationalsozialismus – ohne sich mit
einfachen Antworten zufrieden zu geben:
„Mahlke stellt keinen Einzelfall dar. In ihm treten vielmehr – nach Grass –
Grundtendenzen historisch-menschlicher Entwicklung überdeutlich hervor, denn
nicht nur die anderen Ritterkreuzträger, sondern auch der Erzähler Pilenz und der
Autor Grass müssen einen Adamsapfel ihr eigen nennen“ (Frank-Raymund Richter).
KATZ UND MAUS endet offen und fast als Kapitulation des Erzählers mit der Frage:
„Wer schreibt mir einen guten Schluss?“
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BIOGRAFIEN
HANSJÜRGEN (Jason) POHLAND
Geboren 4.12.1934 in Berlin. Studierte zunächst Musik, lernte dann in einer
Kopieranstalt das Filmhandwerk. 1955, mit 21 Jahren, gründete er seine eigene
Filmproduktion.
In sechs Jahren entstanden 21 Kurzfilme, von denen einige auf internationalen
Festivals gezeigt und mit Preisen bedacht wurden: Der Kurzfilm FREIZEIT UND
ERHOLUNG wurde 1958 in Cortina d'Ampezzo als bester Sportfilm ausgezeichnet.
WAS DU ERERBT VON DEINEN VÄTERN lief 1958 als deutscher Beitrag auf dem
Festival in Oberhausen. SCHATTEN war der einzige deutsche Beitrag auf der Biennale
Venedig 1961. Der Film AUTOS VON MORGEN, STRASSEN VON HEUTE, MENSCHEN
VON GESTERN lief als deutscher Beitrag bei den Berliner Filmfestspielen 1961 und
bei den Oberhausener Kurzfilmtagen 1962.
Im Frühjahr 1961 inszenierte er seinen ersten Spielfilm TOBBY. Der Film lief als
deutscher Beitrag auf der Internationalen Filmwoche 1961 in Mannheim und wurde
mit dem Regie-Preis ausgezeichnet.
Pohlands wichtigste weitere Produktionen sind DAS BROT DER FRÜHEN JAHRE (1962,
im Wettbewerb von Cannes), DIE TOTE VON BEVERLY HILLS (1964, im Wettbewerb
von Cannes), STAMPING GROUND (1971), THINGS FALL APART (1971),
CHECKPOINT CHARLY (1980). Sein bedeutendster Film als Regisseur ist KATZ UND
MAUS (1966), den er nach der Absage von Bernhard Wicki und Andrzej Wajda selbst
inszenierte.
www.pohland-jason.com
LARS BRANDT
Lars Brandt (* 1951 in Berlin) ist ein deutscher Schriftsteller, Filmemacher und
Künstler. Er erlebte den Aufstieg seines Vaters aus nächster Nähe mit und verfasste über sein Verhältnis zu ihm das literarische Buch ANDENKEN. Das von der Kritik viel
gelobte Werk platzierte sich direkt nach Erscheinen auf Platz 1 der Bestseller-Liste des
Nachrichtenmagazins Der Spiegel. Brandt lebt und arbeitet in Bonn.
Film MOMENTE DES GLÜCKS (WDR 2000).
PETER BRANDT
Prof. Dr. Peter Brandt ist Leiter des Lehrgebiets Neuere Deutsche und Europäische
Geschichte der Fernuniversität Hagen sowie Direktor des Instituts für Europäische
Verfassungswissenschaften. Brandt wurde mit einer Untersuchung zum Wiederaufbau
der Arbeiterbewegung nach dem Zweiten Weltkrieg promoviert und habilitierte sich
mit einer Arbeit über studentische Bewegungen und Frühnationalismus um 1800.
Weitere Schwerpunkte seiner Forschungen liegen in den Gebieten „deutsche Frage“
im 19. und 20. Jahrhundert und neuerdings in der vergleichenden europäischen
Verfassungsgeschichte. Brandt war Hochschulassistent an der Technischen Universität
Berlin, bevor er 1990 an die Fernuniversität in Hagen berufen wurde. Er ist Autor und
Herausgeber verschiedener Schriften über den Staat Preußen, Bürgertum,
Nationalismus und Emanzipationsbewegungen im 18. und 19. Jahrhundert,
Arbeiterbewegung und Sozialismus im 19. und 20. Jahrhundert sowie die Deutsche
Frage nach 1945. Brandt ist Mitglied der SPD und der Friedrich-Ebert-Stiftung,
außerdem Sprecher des Kuratoriums der Deutschen Gesellschaft. Der ‚ältere Mahlke’
in KATZ UND MAUS ist seine einzige Filmrolle.
WOLFGANG NEUSS
Geboren am 3.12.1923 in Breslau, gestorben am 5.5.1989 in Berlin.
Neuss absolvierte eine Fleischerlehre und unternahm bereits während des Krieges
erste kabarettistische Versuche. Gleich nach dem Krieg wurde er als kompromisslos
kritischer Kabarettist bekannt. Das brachte ihm bereits 1946 ein halbes Jahr Haft
durch die britischen Besatzer ein, die aber bald zur Bewährung ausgesetzt wurde. Ab
1949 trat Neuss mit Wolfgang Müller auf, das Duo wurde in den Folgejahren auch
im Kino, Theater, im Radio und später im Fernsehen berühmt. Nachdem Müller 1960
starb, machte Neuss allein weiter. Er inszenierte und spielte bei den „Stachelschweinen“ und trat häufig im „Nürnberger Trichter“ auf. Er produzierte
Filme wie WIR KELLERKINDER (1960) und GENOSSE MÜNCHHAUSEN (1962). Neuss
wirkte in mehr als 50 Filmen mit. In den 60er Jahren Engagement gegen den
Vietnam-Krieg. Von der Presse boykottiert, waren seine Programme trotzdem stets
ausverkauft. 1973 zog er sich zurück, 1979 folgte eine Verurteilung (acht Monate
Haft) wegen Besitzes von Haschisch und LSD. Aufgrund der Angriffe ging er für ein
Jahr ins Exil nach Schweden. Ab Mitte der 80er Jahre wieder Auftritte in der Öffentlichkeit. 1983 erhielt er den Deutschen Kleinkunstpreis. 1988 letzter Bühnen-Auftritt. Nach seinem durch Drogen beförderten Tod gründete sich eine "Wolfgang-
Neuss-Gesellschaft" zur Wahrung seines Andenkens.
ATTILA ZOLLER
Geboren13.6.1927 (Visegrád), gestorben 25.1. 1998 (Townshend, Vermont).
Ungarischer Jazzgitarrist und Komponist. Auftritte schon kurz nach dem Ende des
Zweiten Weltkrieges in Budapest, das er kurz vor dem Schließen des ‚Eisernen
Vorhanges’ 1948 verließ. Aufnahmen und Konzerte zunächst in Wien, dann in
Deutschland. 1959 siedelte Zoller in die USA über, besuchte die Lenox School of Jazz
und knüpfte dort Kontakte zur freieren Jazzszene (u.a. mit Don Cherry). Spielte in
den Bands von Benny Goodman, Stan Getz, Chico Hamilton; eigene Bands mit
Herbie Hancock, Lee Konitz u.a. Daneben Filmmusiken: KATZ UND MAUS und DAS
BROT DER FRÜHEN JAHRE (Bundesfilmpreis), Jazz&Lyrik-Projekte und 1972
Gründung des ‚Vermont Jazz Centers’.
GÜNTER GRASS
Geboren 16. Oktober 1927 in Danzig.
Gymnasium in Danzig; Luftwaffenhelfer und als Soldat verwundet; Bergwerksarbeit;
Steinmetzlehre 1948-1952 Studium Graphik und Bildhauerei in Düsseldorf, 1953-56
in Berlin (West); 1954 Heirat mit Anna Margaretha Schwarz; Mitglied der "Gruppe
47"; schriftstellerische Tätigkeit verdrängte zunehmend bildhauerisches Schaffen;
umfangreiches Werk bringt ihm Anerkennung als einer der führenden Epiker seiner
Generation; politisches Engagement u.a. für die SPD und in der Friedensbewegung;
Kritiker einer schnellen Wiedervereinigung; 1993 Austritt aus der SPD aus Anlass des
Asylkompromisses; Erstunterzeichner der "Erfurter Erklärung"; 1998
Wahlkampfunterstützung für Rot-Grünen Wechsel; 1999 Poetik-Dozentur in
Tübingen; 1999 Literatur-Nobelpreis; 2002 erschien eine Biographie von Michael
Jürgs über Grass; mit seinem Roman "Im Krebsgang" (2003) über den Untergang des
Flüchtlingsschiffs Gustloff 1945, löst Grass eine neue Debatte über die Vertreibung
der Deutschen nach dem Nationalsozialismus aus. Im August 2006, kurz vor
Erscheinen seiner Autobiografie "Beim Häuten der Zwiebel" erklärt Grass, als
17Jähriger Mitglied der Waffen-SS gewesen zu sein. Mit seinem Bekenntnis beginnt
eine Debatte um Grass' Rolle als moralische Instanz im Nachkriegsdeutschland. 2007
Ernst-Toller-Preis. Kino-Dokumentarfilm DER UNBEQUEME – DER DICHTER GÜNTER
GRASS (www.delicatessen.org/grass.html).
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TEAM
ein Film von Hansjürgen Pohland
nach der gleichnamigen Novelle von Günter Grass
D 1966, s/w, 88 Minuten, FSK 16
Deutsche Erstaufführung: 7.2.1967
Bundesstart der Wiederaufführung: 18. Oktober 2007
Regie: Hansjürgen Pohland
Drehbuch: Hansjürgen Pohland nach einer Novelle von Günter Grass
Kamera: Wolf Wirth
Kamera-Assistent: Petrus Schloemp
Musik: Attila Zoller
Ton: Gerhard Jensen, Peter Lustig
Schnitt und Regieassistenz: Christa Pohland
Regieassistenz: Dieter Hisserer
Aufnahmeleitung: Hartmut Topf
Bauten: Jerzy Szeski
Polnische Produktionsleitung: Sigmund Szyndler
Eine Hansjürgen Pohland Produktion der Modern Art Film GmbH in Zusammenarbeit
mit Film Polski, Produktionsgruppe RYTM
Weltvertrieb: Transit Film, München
Im Verleih der Transit Film
Presse: Edition Salzgeber
Darsteller:
Peter Brandt als Älterer Mahlke
Lars Brandt als Jüngerer Mahlke
Wolfgang Neuss als Pilenz
Claudia Bremer als Tulla
Herbert Weisbach als Klohse
Ingrid van Bergen als Mahlkes Tante
Michael Hinz als Jagdflieger
Helmut Kircher als Kapitänleutnant
Hans-Peter Brandes als Esch
Christof Arnold als Sonntag
Wolf-Rüdiger Knoche als Kupka
Klaus Langeheinecke als Buschmann
Mathias Wagner als Winter
Wolfgang Zeller als Schilling
Prädikat: „wertvoll“
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