OPERNFIEBER
ein Film von Katharina Rupp
Deutschland/ Schweiz 2004, 70 Minuten, Farbe, OmU
Bundesstart: 6. Juli 2006
Hessischer Filmpreis 2005 (Bester Dokumentarfilm)
Kasseler Dokfest 2005, Solothurner Filmtage 2005
Buch & Regie: Katharina Rupp
Kamera: Vita Spieß
Schnitt: Barbara Toennishen
Ton: Michele Andina
Patrick Becker
Michael Hinz
2. Kamera: Rainer Krausz
Tonmischung: Tilo Busch
Aufnahmeleitung: Karin Rizzi
Produktionsleitung: Olaf Wehowsky
Produktionsassistenz: Holger Rädler
Susanne Jans
Anna Spada
Laura Einmahl
Christian Müller
Filmgeschäftsführung: Antje Paul
Produktion: Barbarossafilm (Jörg Köbel),
sehstern Filmproduktion
(Rainer Krausz, Vita Spieß),
maximage (Brigitte Hofer,
Cornelia Seitler),
in Koproduktion mit ZDF/ arte, SF DRS
und YLE TEEMA
mit Giuseppe di Stefano
Gustav Kuhn
Luisa Mandelli
Giancarlo Soave
Alfredo Cava
u.a.
INHALT
Im richtigen Moment »Bravo« rufen, die Unentschlossenen
zum Applaudieren bringen und die Stimmung anheizen – das ist die
große Kunst der Claqueure. Zumindest sehen sie das so. Für
andere sind sie aus glanzvollen Tagen übrig gebliebene Parasiten,
die man bezahlen muss, damit sie einen nicht auspfeifen. Claqueure gab
es immer und gibt es immer noch in allen großen italienischen
Opernhäusern. Ihr Ruf ist berüchtigt, um sie ranken sich Geschichten
und Mythen und viele halten sie immer noch für einflussreich und
gefährlich. Ihre Methoden sind subtil, aber nicht zimperlich: in
eine Arie hineinräuspern, husten, niesen, etwas laut fallen lassen,
zu früh oder gar nicht klatschen, aber auch mit feurigem Applaus,
Bravi-Rufen von den Rängen und brennender Begeisterung Karrieren
befördern – allerdings nur wenn gezahlt wird. Üblich
sind zwanzig Prozent der Gage, manchmal reicht aber auch ein Teller
Spaghetti oder ein kleiner Obolus an die Armenviertel, aus denen viele
der Claqueure kommen. Die Intendanten bestreiten, wenn man sie darauf
anspricht, die Existenz eines solchen "Austausches" –
dennoch kommen die bezahlten Stimmungsmacher rätselhafterweise
immer an Freikarten und manchmal wird ihnen sogar ein Flug gezahlt,
damit sie ausgeruht und gnädig zur Vorstellung kommen.
Katharina Rupp gelingt es, einen humorvollen aber auch präzisen
Blick hinter die Kulissen der italienischen Opernhäuser zu werfen
– und ihre ansonsten so verschwiegenen Gesprächspartner revanchieren
sich für das Interesse der Regisseurin mit einem unbekannten Einblick
in ihr Selbstverständnis und ihre Leidenschaft für die Oper.
Der Film nimmt sie ernst – er stellt ihnen, wie im Fall des Claqueurs
Alfredo, die große Bühne zur Verfügung, die sie sonst
nur aus dem ersten Rang erleben und macht sie zu Hauptfiguren einer
viel weiter gefassten Geschichte der Popularität dieser Kunstform
in allen Teilen der italienischen Bevölkerung. Denn das offene
Geheimnis der Claque ist nur eine Facette dessen, was es im Entstehungsland
der Oper an Zwischenstufen zwischen den Künstlern und dem Publikum
gibt: Z.B. die traditionellen Gegner der Claqueure, die "Loggionisti",
die sich als die wahren Opern-Bewunderer und -Experten begreifen und
die für die Eintrittskarten ihren letzten Euro opfern. Diese Fanatiker
des Dritten Rangs wie die ehemalige Sängerin Luisa Mandelli oder
der Opernkulturverein in Parma, die in OPERNFIEBER über sich erzählen,
kämpfen sowohl gegen die Claqueure, die ihrer Ansicht nach nur
in die Oper gehen, weil sie umsonst hineinkommen, als auch gegen das
moderne Regietheater, das sie über Gebühr von der Musik ablenkt
und wegen dem sie die Aufführungen teilweise nur mit dem Rücken
zur Bühne ertragen können.
Schließlich spürt Katharina Rupp noch den »Club der
27« auf, einen Verein gestandener Männer, die ihre Mitglieder
auf Lebenszeit nominieren und auf den Namen einer Verdi-Oper verpflichten.
Und im leidenschaftlichen Wortgefecht zwischen »Die Räuber«
und der »Macht des Schicksals« geht es dann zum Beispiel
um die wichtige Frage, ob Mariella Devia gut genug ist, den Preis des
Clubs für die bedeutendsten Verdi-Interpreten zu bekommen. Alle
diese Opernliebhaber sind davon überzeugt, Diener einer guten Sache
zu sein, ohne die der Theaterbetrieb allenfalls ein Champagner sei,
der nicht sprudelt. Die Identifikation mit den Sängern geht weit
über das Mitfiebern, ob eine Arie gelingt oder nicht, hinaus –
manche Claqueure vermeiden es wie die Künstler, vor der Oper zu
essen, andere geben sich selbst die Schuld an einer misslungenen Aufführung,
wenn es ihnen nicht gelungen ist, das Publikum zu animieren. Es kommt
vor, dass die Protagonisten zuhause vor der Musikanlage den Taktstock
schwingen, weil sie sowieso jeden Ton der Oper kennen und wissen, wie
er gespielt zu werden hat – es ist das Verdienst und besondere
Vergnügen von OPERNFIEBER, ihnen einmal für 70 Minuten das
Forum der großen Bühne zu geben, die ihnen ihrer Ansicht
nach sowieso gebührt!
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PRESSESTIMMEN
»Die Liebe zur italienischen Oper und zu Übervater
Verdi dürfte nach diesem feinsinnigen, das Theater auf und vor
der Bühne entlarvenden Film auch auf den Kinobesucher überspringen.«
Der Bund
»Mit Charme, Geduld und wahrem Interesse gelang es Katharina Rupp,
die Mauer des Schweigens zu durchbrechen und bis zu den inneren Zirkeln
der Erfolgskontrolle vorzudringen.« Cinema
»Ein leidenschaftlicher Film über wahre Leidenschaft.
OPERNFIEBER poträtiert die italienische Musiktheaterwelt aus ungewöhnlichen
Perspektiven. Mit viel Sinn für bildliche Details, einer hervorragenden
Kamera und intelligent geführten Interviews stellt die Regisseurin
am Spektakel Beteiligte vor, die auf und hinter der Bühne agieren.
Liebevoll, aber ohne je die nötige Distanz zu verlieren, führt
der Film deren nicht selten bizarre Passion vor Augen.« Aus
der Jurybegründung für den Hessischen Filmpreis
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BIOGRAFIEN
REGISSEURIN KATHARINA RUPP
Die 1959 geborene Katharina Rupp hat sowohl für das Theater wie
für den Film gearbeitet, und beides sowohl als Schauspielerin wie
als Regisseurin. Nach ihrem Musik- und Schauspielstudium hatte sie zunächst
Engagements u.a. in Frankfurt, München, Wien und Basel, bevor sie
ins Regiefach überwechselte (u.a. in Weimar, Bern und Salzburg).
Neben einigen Rollen im deutschen TV präsentierte sie 1998 ihren
ersten Dokumentarfilm Und dann wäre der Rollstuhl im All, für
den sie den Dokumentarfilmpreis beim Festival in Minsk gewann. OPERNFIEBER
ist ihr zweiter Film.
KAMERAFRAU VITA SPIESS
Vita Spieß ist bei diversen deutschen TV-Magazinen eine äußerst
gefragte Kamerafrau. Für eigene ambitionierte Projekte hat sie
mit Rainer Krausz 1998 die sehstern Filmproduktion gegründet, die
hauptsächlich Dokumentarfilme realisiert. Eine der ersten Produktionen
war 1998 der mehrfach preisgekrönte Kurzfilm Als Hitchcock in Auerstedt
auf Eiermanns Else traf von Birgit Lehmann, den Vita Spieß sowohl
mitproduziert als auch fotografiert hat. Auch bei OPERNFIEBER hat sie
beide Aufgaben übernommen.
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Stand 05/06 - Irrtümer vorbehalten
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