"DAS REICHSORCHESTER"

DIE BERLINER PHILHARMONIKER UND DER NATIONALSOZIALISMUS

Ein Film von Enrique Sánchez Lansch.

D 2007 | 90 Minuten | Farbe/sw


Buch und Regie: Enrique Sánchez Lansch
Kamera: Fariba Nilchian
Ton: Pascal Capitolin
Schnitt: Thomas Wellmann
Mitarbeit: Misha Aster
Produktionsleitung: Kristin Holst
Producer: Axelle Hourrier
Produzent: Ulli Pfau

Redaktion rbb: Dorothea Diekmann, Rolf Bergmann
Eine Koproduktion der EIKON Media mit dem rbb
In Zusammenarbeit mit Cine Impuls Berlin

Gefördert aus Mitteln der Medienboard Berlin-Brandenburg mit Unterstützung des rbb und der EKD.

Die DVD "Das Reichsorchester" erscheint im Februar 2008 bei Arthaus Musik.



KURZINHALT
Die Berliner Philharmoniker waren von 1933-45 das deutsche Vorzeigeorchester und damit Repräsentanten des nationalsozialistischen Regimes. ‚DAS REICHSORCHESTER', der neue Dokumentarfilm von Enrique Sánchez Lansch ( RHYTHM IS IT! ) beleuchtet im Jahr des 125-jährigen Jubiläums der Berliner Philharmoniker diese Ausnahmesituation – vor allem für die Musiker, die diese Zeit wie unter einer Glasglocke erlebt haben.


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SYNOPSIS
In diesem Jahr feiern die Berliner Philharmoniker, eines der berühmtesten Orchester weltweit, ihr 125jähriges Bestehen. Anlass, einen Blick auf ein bislang eher unbekanntes Kapitel seiner Geschichte zu werfen: auf die Jahre zwischen 1933 und 1945. Finanziert durch das Deutsche Reich, waren die Philharmoniker das deutsche Vorzeigeorchester und somit Repräsentanten des nationalsozialistischen Regimes.

Im Mittelpunkt des neuen Dokumentarfilms von Enrique Sánchez Lansch ( RHYTHM IS IT! ) steht das Orchester selbst, die Musiker, die Menschen, die Einzelschicksale. Sie waren weit weniger exponiert als ihr Chefdirigent Wilhelm Furtwängler, rückten aber in dieser Zeit in die nächste Nähe der Macht. Sie lebten und arbeiteten im Kollektiv. Das schützte sie, erleichterte aber auch den Einzelnen, sich nicht der individuellen Verantwortung zu stellen. Auch nach 1945.

Der ungewöhnliche Mikrokosmos des Berliner Philharmonischen Orchesters erweist sich hier – wie unter einer Glasglocke – als exemplarisches Studienobjekt.

Noch lebende Zeitzeugen aus der Mitte und dem Umfeld des Orchesters und reichhaltiges, bisher nicht ausgewertetes Archivmaterial ermöglichen einen Einblick in diesen Mikrokosmos. Und eine Antwort auf die Frage: Wo verläuft der schmale Grat zwischen Unabhängigkeit und Unschuld? Ein ebenso spannendes wie brisantes Kapitel der Geschichte Berlins und Deutschlands wird wieder lebendig.

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INHALT
Wir haben weiter die Musik gemacht, die wir mit Furtwängler gewöhnt waren, mit Höhepunkten, wenn er da war und wir lebten, ja ein bisschen, wie unter einer musikalischen Glasglocke [...]“

(Hans Bastiaan, Philharmoniker ab 1934)

Zum ersten Mal wird in der Dokumentation von Enrique Sánchez Lansch die Rolle des weltberühmten Orchesters in der Zeit des Nationalsozialismus untersucht.

Wie war es, Mitglied der Berliner Philharmoniker zu sein, als das Orchester umworben war und eingespannt wurde für einen Kulturkampf, der in seinem aggressiven Antisemitismus gegenüber den Musikern und deren Familien nicht Halt machte? Blieb die damalige Philharmonie am Anhalter Bahnhof eine Bastion künstlerischer Selbstbestimmung oder geriet das Orchester unweigerlich in den Griff nationalsozialistischer Propaganda?

Zu Beginn der 30er Jahre ist das Orchester in einer desolaten wirtschaftlichen Verfassung. Alle Versuche, mehr Unterstützung durch die Stadt Berlin zu erhalten, sind erfolglos. Den Philharmonikern, denen es über 50 Jahre lang gelungen ist, sich als GmbH selbst zu verwalten und unabhängig zu bleiben, droht das Aus.

Als nach Hitlers Machtübernahme die Philharmoniker Goebbels' Propaganda-Ministerium unterstellt werden, regt sich denn auch wenig Widerstand: Unter dem Dach des Ministeriums ist das Überleben des Berliner Philharmonischen Orchesters gesichert.

Schon bald wirkt sich Goebbels Einfluss' auf das Künstlerkollektiv aus – nach außen ist es ein repräsentativer Kulturträger des deutschen Volkes, nach innen wird eine konsequente ‚Arisierungspolitik' durchgesetzt und die Eigenverantwortlichkeit des Orchesters aufgehoben.

Die Berliner Philharmoniker bilden den musikalischen Rahmen der Reichsparteitage in Nürnberg und der Olympischen Spiele 1936; Hitler und Goebbels halten viele ihrer Reden direkt vom Orchesterpodium aus; regelmäßig gibt es Konzerte für das Winterhilfswerk und die KDF-Bewegung. Zahlreiche Auslandsreisen sollen die Verbindung von deutscher Erneuerung und Hochkultur eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Innerhalb der Orchesterstrukturen wird es immer schwieriger, die Unentbehrlichkeit der jüdischen Orchestermusiker gegen die ‚Arisierungspläne' geltend zu machen. Der Erste Konzertmeister Szymon Goldberg, die Solo-Cellisten Nikolai Graudan und Joseph Schuster sowie der Geiger Gilbert Back sind herausragende Musiker – und doch führt der politische Druck dazu, dass sie bis 1934 das Orchester verlassen müssen und ins Exil gehen.

Wie gehen die anderen Musiker mit diesem Gleichschaltungsprozess um? Proteste gibt es kaum. Nacheinander treten fast zwanzig Musiker der NSDAP bei. Acht schon bis 1936, einige erst in den Kriegsjahren. Manche sind stille Parteimitläufer, andere machen aus ihrer Überzeugung keinen Hehl. Der Geiger Hans Woywoth erscheint in SA-Uniform zur Probe. Diese Kollegen werden zu Aufpassern und Spitzeln. In ihrer Anwesenheit müssen die Kollegen – Kameradschaft unter Musikern hin oder her – äußerst vorsichtig mit ihren Äußerungen sein.

Was hat Orchestermusiker mit einer gesicherten Lebensstellung zum Beitritt bewogen?

Die Verwaltung führt sorgfältige Listen, die nicht nur verzeichnen, welche Mitglieder des Orchesters ‚Parteigenossen' sind, sondern auch, welche ‚halbarisch' sind.

Wie es dazu kam und warum trotzdem eine umfassende Nazifizierung des Orchesters ausgeblieben ist, beschreibt Enrique Sánchez Lansch in einem Dokumentarfilm, der sich ausschließlich auf persönliche Erinnerungen ehemaliger Orchestermitglieder und deren Angehöriger stützt. Der Kontrast dieser persönlichen Erinnerungen mit offiziellen Dokumenten aus Partei und Staat erzeugt ein Spannungsfeld zwischen künstlerischer Freiheit und politischer Naivität einerseits und dem Herrschaftsanspruch einer ‚arisierten Volkskultur' andererseits.

Für die Berliner Philharmoniker selbst ist in ihrer Jubiläumssaison zum 125-jährigen Bestehen die Zeit zwischen 1933 und 1945 ein Schwerpunktthema. Sánchez Lansch nähert sich mit seinem Film nun zum zweiten Mal und auf ganz andere Weise den Berliner Philharmonikern: war RHYTHM IS IT! die Betrachtung der produktiven Orchestergegenwart und –zukunft und des Engagements für ein soziales Projekt, wirft ‚DAS REICHSORCHESTER' erstmals einen Blick auf die Berliner Philharmoniker während Deutschlands dunkelster zwölf Jahre.

Sánchez Lansch verzichtet dabei auf einfache Antworten, unnötige Dramatisierungen oder Zuspitzung auf die bekannten Protagonisten dieser Zeit. In diesem Film geht es um Individuen in einem Kollektiv – nur so kann er auch ein Spiegel sein für die allgemeine Situation, in der sich Deutschland damals befand.

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FILMISCHE UMSETZUNG
In diesem Film sprechen nicht nur Bilder und Dokumente, sondern vor allem Zeitzeugen – Musiker aus dem Orchester, die in jener Zeit mitgespielt haben, Kinder von Orchestermitgliedern und jene, die später hinzustießen und über die Folgen nach 1945 berichten können. Alle Augenzeugen fügen ein Steinchen aus ihrem eigenen persönlichen Erleben zu diesem Mosaik hinzu, aus dem sich langsam das Bild des Orchesters in jener Zeit zusammensetzt. Der Film ist damit auch ein indirektes Porträt dieser Persönlichkeiten und ihrer Generation. Ein Stück Geschichte wird emotional nachfühlbar.

Auch die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit selbst wird im Film thematisiert. So erlebt man, wie die Zeitzeugen die einzelnen Erinnerungsstücke, Tage- und Notizbücher, Fotoalben und Dokumentesammlungen durchgehen oder Orte aufsuchen, an denen die Philharmoniker gespielt haben: Das Olympische Dorf, in dem sie in den letzten Kriegstagen noch vor Verwundeten aufgetreten sind, den Ort der ersten Proben im Mai 1945 sowie die Stätte der alten im Krieg zerstörten Philharmonie.

Daneben zeigt ‚DAS REICHSORCHESTER' reichhaltiges Archivmaterial: Zeugnisse der Einbindung des Orchesters in die Propagandamaschinerie des NS-Staates – Aufnahmen aus Konzerten in Anwesenheit von Hitler, Goebbels oder Göring, Mitschnitte der Werkskonzerte und Tourneen.

Auch Ausschnitte aus dem Musikfilm PHILHARMONIKER sind zu sehen, 1944 von Paul Verhoeven gedreht, der die schwierige finanzielle Situation des Orchesters thematisiert. Außerdem enthält ‚DAS REICHSORCHESTER' Dokumente aus Nachlässen und privaten Sammlungen sowie Archiven: Text-, Foto- und Filmdokumente, die der Öffentlichkeit nicht bekannt sind.

All diese Elemente verschmelzen im Film zu einem einzigartigen Stück Zeitgeschichte. Dabei wird nicht nur ein altes Stück Berlin lebendig, sondern Geschichte wird aus der Perspektive von Menschen erzählt, die selbst den Druck, die Not, die Angst, und die Nähe von Mitmachen und Nicht-Mitmachen erlebt haben. Kein allwissender, dramatisierender Off-Kommentar ordnet diese Materialfülle – die Bilder sprechen für sich und werden im Schnitt zur Erzählung eines Künstlerkollektivs, die in die Tiefe geht und sich nicht mit einer oberflächlichen Draufsicht begnügt.

Die historische Genauigkeit dieses Dokumentarfilms beruht auf drei Jahren Recherche, die Enrique Sánchez Lansch vor Beginn der Dreharbeiten durchgeführt hat, und den langjährigen engen Austausch mit dem jungen kanadischen Historiker Misha Aster – Asters gleichnamiges Buch zum Thema ist Ende August erschienen (Siedler Verlag) und hat für Aufsehen gesorgt.

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ZITATE

Kunst und Politik:
Als Künstler, als Musiker stand man diesen Dingen so fern. Wenn man so in der Musik drinsteckt, interessieren einen diese politischen oder staatlichen Dinge eigentlich gar nicht.“ (Johannes Bastiaan)

Da war natürlich das Probespiel bei den Berliner Philharmonikern für mich eine wunderbare Tatsache, und ich kam in einen musikalischen Betrieb hinein, der so einmalig war, dass man auch alle anderen Dinge vergessen hat. Zunächst schien es ja so, als müssten wir uns auch nicht darum kümmern.“ (Johannes Bastiaan)

Instrumentalisierung:
Ja doch, die [Nazis] haben das benutzt. Das Gefühl hatte ich schon. Es gab ja vier Reisen nach Spanien und Portugal. Ich hatte noch das Glück die letzte Reise mitzumachen. Das waren alles Reisen, um dem Ausland zu zeigen, wie gut es um die Kultur bestellt ist in Deutschland [...] Und die Konzerte waren jeden Abend eine Sensation, überall. Natürlich denkt man nicht immer gleich dran – werden wir jetzt nur benutzt, weil das Goebbels so will. Wir haben eigentlich nur unsere Arbeit getan. Wir haben mit Freude musiziert, wir haben einen wunderbaren Dirigenten gehabt und haben an keine Politik gedacht.“ (Erich Hartmann)

Einfluss auf das Orchester:
Kein Mensch konnte sich vorstellen, dass es so was gibt, das aus irgendwelchen nichtmusikalischen Gründen, jemand das Orchester verlassen muss...“ (Johannes Bastiaan)

Wir haben darüber offen gesprochen, ja. Man musste nur wissen, mit welchen Kollegen man sprach. Es gab ja auch einige echte Nazis im Orchester. Aber der überwiegende Teil, der war normal. Da konnte man als Kollege sprechen, wie Kollege zu Kollege und mit denen sprach man dann nicht, mit diesen sogenannten Nazis, die doch mit drin waren, es gab einige. Aber höchstens eine Handvoll, mehr nicht. Und das war prozentual gerechnet, sehr wenig. Also von einem Naziorchester kann man da noch lange nicht reden. Die waren dann ja überall, in jedem Beruf, in jeder Sparte.“ (Erich Hartmann)

Scham:
Wenn man in der S-Bahn oder in der U-Bahn oder in einem Bus da als junger Mensch mit einem Geigenkasten rumlief, gut angezogen, war das eigentlich ein furchtbar peinliches Gefühl, denn der Sohn von den Leuten, die da auch mitfuhren, der war vielleicht da oder dort an der Front und wir liefen herum, gut angezogen ...“ (Johannes Bastiaan)

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DIE INTERVIEWPARTNER
Der Geiger Johannes Bastiaan lebt heute mit 96 Jahren in Berlin und besucht noch regelmäßig die Konzerte seiner früheren Kollegen. Er war seit 1934 Mitglied der Philharmoniker. Wie viele andere Musiker und Außenstehende empfand er das Leben im Orchester zu jener Zeit „wie unter einer Glasglocke“. Sie hätten eben „nur Musik gemacht“. Er ist erschreckt, als die jüdischen Musiker das Orchester verlassen müssen, aber Philharmoniker zu sein, ist ein solcher Höhepunkt einer musikalischen Karriere, dass Auch als ihm vom Innenministerium eine wertvolle italienische Geige leihweise zur Verfügung gestellt wird, fragt er sich nie, wie das Ministerium in den Besitz dieses Instruments gelangt ist.

Erich Hartmann lebt heute 87jährig in Berlin. Der junge Kontrabassist wird früh eingezogen, macht sich sein eigenes Bild vom Krieg. Im Winter 1942/43 wird er verwundet. Er wird nach monatelanger Rekonvaleszenz aus der Wehrmacht entlassen und erhält im November 1943 eine Stelle bei den Philharmonikern. Seine Erfahrung an der Front lässt ihn den psychischen Druck besser verstehen, dem sich auch die Orchesterkollegen in ihrer privilegierten Situation als „Unabkömmliche“ immer weniger entziehen können. Er ist in der Nacht zum Luftschutzdienst eingeteilt, als der Große Saal der Philharmonie am 30.1.1944 zerstört wird .

Andreas Röhn ist Konzertmeister beim Sinfonieorchester des BR in München. Sein Vater war Erich Röhn, langjähriger I. Konzertmeister der Berliner Philharmoniker. Erich Röhn ging 1945 mit einigen Kollegen zum neu gegründeten Sinfonieorchester des NWDR nach Hamburg. Sein früheres Streichquartett, in dem sich zwei überzeugte engagierte Parteigenossen spielten, erwähnte er selbst im Familienkreis nie wieder.

Ursula Küllmar und Ingrid Lorenz sind die Töchter des Cellisten Karl Rammelt. Die Familie erfuhr die wirtschaftliche Notlage des Orchesters Anfang der 30er am eigenen Leib. Der Vater wurde als einer der Dienstjüngsten 1931 entlassen und war bis zu seiner Wiederaufnahme ins Orchester arbeitslos. 1933 konnte er wieder ins Orchester aufgenommen werden. Rammelt setzte sich maßgeblich dafür ein, dass der Cellist Wolfram Kleber, der aufgrund seiner Parteizugehörigkeit das Orchester 1945 hatte verlassen müssen, und zur deutschen Oper gegangen war, immer wieder bei Funkaufnahmen als Aushilfe geholt wurde.

John Schuster lebt 64jährig auf den Virgin Islands. Er ist der Sohn des Solo-Cellisten Joseph Schuster, der aufgrund seiner jüdischen Herkunft 1934 emigrierte, und verfügt über eine umfangreiche Sammlung von Fotos und Programmen seines Vaters.

Andreas Hoppe ist der Stiefsohn des Geigers Bruno Stenzel. Er berichtet eindringlich von dessen ständiger Angst, dass ihm als Halbjuden die Zugehörigkeit zu den Philharmonikern beim geringsten, auch nur scheinbaren Vergehen, entzogen werden könnte.

Christiane Weißfinger und Dr. Christian Buchholz leben bei Berlin, nahe Königs-Wusterhausen. Sie sind Kinder des Bratschers Werner Buchholz, der in der NS-Zeit für die Philharmonischen Blätter Propagandaartikel schrieb, 1945 aufgrund seiner Parteizugehörigkeit und seines Engagements in der NS-Zeit das Orchester verlassen musste, sich dann mit Gelegenheitsjobs mühsam über Wasser halten konnte, aber dann schließlich doch entnazifiziert wurde und im November eine Stelle als Solo-Bratscher der Staatskapelle antrat, sowie später eine Professur an der Ost-Berliner Hanns-Eisler-Musikhochschule.

Der Bratscher Dietrich Gerhard lebt heute 79jährig in Berlin. Er war seit 1955 bei den Philharmonikern, später auch als Orchestervorstand. Er erinnert sich gut noch an das Schweigen der Kollegen über die Vergangenheit. Er beobachtete wie Rammelt Kleber immer wieder als Aushilfe für Aufnahmen holte. Nur widerwillig gab man ihm Auskunft, dass Kleber das Orchester im Juni habe verlassen müssen. Nach und nach erschloss sich ihm, wie hier dem ehemalige Parteigenossen immer noch geholfen wird. Stillschweigend geduldet vom Rest des Orchesters.

Hellmut Stern wurde 1928 in Berlin geboren. Als Kind jüdischer Musiker erlebte er bis zur Emigration 1938, wie die Eltern durch ihren Ausschluss aus der Reichsmusikkammer quasi erwerbsunfähig waren. Ab 1961 wurde er Mitglied, später auch Vorstand der Berliner Philharmoniker.

Marie Höfer-Szepes ist 1933 geboren. Sie ist die Tochter des Geigers Carl Höfer. Sie erinnert sich daran, dass ihr Vater jüdischen Kindern Geigenunterricht gegeben hat – noch bis in die frühen Kriegsjahre. Ihre privaten Filmaufnahmen zeigen Szenen einer glücklichen Familie. Da auch die Kinder des Schulministers Rust vom Vater unterrichtet wurden, hatte die Familie die Möglichkeit, den Bunker des Politikers zu nutzen – was ihnen im Moment der Ankunft der Alliierten fast zum Verhängnis wurde.

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DER REGISSEUR
Enrique Sánchez Lansch ist in Gijón (Nordspanien) und Köln aufgewachsen. Seine Ausbildung umfasst ein Musikstudium (Hauptfach Gesang) in Freiburg und Köln, ein Studium der Romanistik, Philosophie und Germanistik an der Universität zu Köln, das er mit einer Magisterarbeit über Literaturverfilmung abschloss. Später folgte ein Aufbaustudium Film an der Columbia University (New York) und UCLA (Los Angeles).

Nach Regieassistenzen im Musiktheater und bei Film- und Fernsehproduktionen führt Enrique Sánchez Lansch ab 1989 Regie bei Musik- und Dokumentarfilmen. Ab 1996 folgen fünf Jahren als Regisseur und Produzent fiktionaler Serien. Seit 2001 arbeitet er als Regisseur und Autor von Musik-, Dokumentar- und Spielfilmen.

Bei seinen Musikprojekten hat Sánchez Lansch mit Persönlichkeiten wie Claudio Abbado, Daniel Barenboim, Maurice Béjart, Monserrat Caballé, José Carreras, Charles Dutoit, Christa Ludwig, John Neumeier, Sir Simon Rattle, Hans Spoerli, Karlheinz Stockhausen u.v.a.m. zusammengearbeitet.

Der Kinodokumentarfilm RHYTHM IS IT! über ein Tanzprojekt mit den Berliner Philharmonikern und Sir Simon Rattle wurde u.a. mit dem Dance Screen Award 2005, dem Bayerischen Filmpreis in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“, sowie dem Deutschen Filmpreis in den Kategorien „Bester Dokumentarfilm“ und „Bester Schnitt“ ausgezeichnet.




Filmographie (Auswahl)
1989 Hunger nach Schönheit/Faim de beauté, Dokumentation über den Pianisten Cyprien Katsaris, SWF/ARTE, 88 min

1993 Spanische Tänze für Klavier - zweiteilige Reihe zur spanischen Klaviermusik mit Homero Francesch , WDR/ARD , 2 x 30 min

1995 Viol – Experimentalkurzfilm in Zusammenarbeit mit der Malerin Ursula Wentzlaff, 7 min

2002 Eine Reise zu Unerreichbaren Orten - Dokumentarfilm über Georges I. Gurdjeff. WDR, 58 min

2003 Piano en Double/Klavier-Doppel Musikfilm über das Klavierduo Anna & Ines Walachowski , WDR/ARTE, 41 min

2003 Ligeti – sechs Kurzfilme nach Stücken für Bläserquintett von György Ligeti, 12 min

2004 Rhythm is it! - Kinodokumentarfilm mit den Berliner Philharmonikern und Sir Simon Rattle, rbb/ARTE, 100 min

2004 Nourouz – D okumentarfilm über ein Projekt mit Musikern, bildenden Künstlern und taubblinden Schülern der Oberlin-Schule Potsdam. 24 min

2005 Sing um dein Leben!, Dokumentarfilm über Teilnehmer des Internationalen Gesangswettbewerbs der Bertelsmann-Stiftung. WDR, 59 min

2007 Mstislaw Rostropowitsch – Das musikalische Gewissen. Porträt des Cellisten und Dirigenten. fts media, ZDF/ARTE, 52 min

2007 Jetzt ist die Zeit schon um…: Zweiteiliger Dokumentarfilm über Rachmaninow, das Älterwerden und die Vergänglichkeit. WDR/3SAT, 2 x 60 min.

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DIE BERLINER PHILHARMONIKER
1882 formiert sich ein junges Ensemble aus Mitgliedern der Kapelle von Benjamin Bilse.

1887 übernimmt der Berliner Konzertagent Hermann Wolff die Organisation der Musiker, regt eine Namensänderung in „Philharmonisches Orchester“ an und verpflichtet namhafte Dirigenten: zunächst Hans von Bülow, danach für 27 Jahre Arthur Nikisch. Er entwickelt das ‚solistische Selbstverständnis' der Orchestermusiker (bis heute ihr Markenzeichen) und verschafft den Philharmonikern internationale Anerkennung.

1922, nach dem Tod von Nikisch, wird Wilhelm Furtwängler zum Orchesterleiter gewählt. Er festigt den internationalen Ruf als eines der besten Orchester der Welt – große Auslandstourneen folgen.

1933-45 werden die Berliner Philharmoniker dem Propagandaministerium unterstellt und damit vor dem finanziellen Ruin gerettet. Auslandstourneen und repräsentative Auftritte belegen die Instrumentalisierung des Orchesters für politische Zwecke. Jüdische Mitglieder verlassen unfreiwillig die Philharmoniker. Die Orchestermusiker werden „Uk-gestellt“, d.h. sie gelten als unabkömmlich und sind vom Dienst an der Waffe befreit. Auftritte finden bis kurz vor Kriegsende statt. Das Gebäude der Philharmonie am Anhalter Bahnhof wird durch Bombenangriffe zerstört.

1945, am 16. Mai, findet schon wieder ein Konzert der Philharmoniker statt. Bis zur Einweihung der neuen Philharmonie (1963) ist der Titania-Palast in Steglitz ihr Aufführungsort. Der Dirigent Leo Borchard wird kurz danach irrtümlich erschossen und der junge rumänische Nachwuchsdirigent Sergiu Celibidache übernimmt die musikalische Leitung bis zur Rückkehr Wilhelm Furtwänglers 1952.

Ein Jahr nach dessen Tod (1954) beginnt die Ära Herbert von Karajan, in der das Orchester seinen herausragenden internationalen Ruf wieder erlangt. Dokumentiert auf unzähligen Plattenaufnahmen erarbeitet Karajan mit den Philharmonikern eine spezifische Klangkultur, eine Perfektion und Virtuosität, die es in dieser Form bislang nicht gegeben hat. Ein eigenes Festival (die Salzburger Osterfestspiele) wird gegründet und in der neuen Orchester-Akademie wird der Nachwuchs an das Philharmoniker-Niveau heran geführt.

1990 bis 2002 übernimmt Claudio Abbado die durch Karajans Tod frei gewordene Orchesterleitung. In seiner Zeit wird das Orchester deutlich verjüngt und auch einer neuer Schwerpunkt auf ein zeitgenössisches Repertoire gelegt.

Seit 2002 ist Sir Simon Rattle der musikalische Leiter der Berliner Philharmoniker, die auf sein Betreiben hin in die öffentlich-rechtliche „Stiftung Berliner Philharmoniker“ umgewandelt wurden. Rattles besonderes Engagement liegt in der Musikvermittlung, die ein Publikum für klassische Musik gewinnen will, die vorher keinen Zugang dazu hatten. Intendantin des Orchesters ist seit August 2006 Pamela Rosenberg.

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PRESSESTIMMEN
"'Das Reichsorchester', ein Versuch über das Unbedarfte... Sánchez Lansch (konfrontiert) Gespräche mit lebenden Zeitzeugen und den (auch schon alt gewordenen) Kindern von Orchestermitgliedern mit teils atemberaubenden Filmdokumenten ... präzise und besonnen setzt er das Puzzlebild von Schönheit und Verbrechen, Schuld und Scham zusammen ... "
("Der Tagesspiegel", 31. Oktober 2007)


"... eine der spannendsten Dokumentationen der letzten Zeit."
(taz, 31. Oktober 2007)

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PRESSEBILDER 


© Ullstein Bild Berlin

honorarfreie Nutzung nur bis zum 31.01.2008


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honorarfreie Nutzung nur bis zum 31.01.2008



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Stand 09/07 - Irrtümer vorbehalten