SCHATTENLAND

von Volker Koepp, Deutschland 2005, 88’, Farbe, Polnisch/Ukrainisch/Deutsch mit teilweise dt. Untertiteln

Buch & Regie: Volker Koepp
Kamera: Thomas Plenert
Schnitt: Jana Ketel
Kameraassistenz: Björn Geldermann, Lars Lenski
Ton: Andreas Mücke-Niesytka, Bernd von Bassewitz
Musik: Rainer Böhm
Übersetzung: Tanja Kloubert
Mischung: Achim Heilmann
Produktionsleitung: Fritz Hartthaler, Thomas Lorenz / SWR
Redaktion: Gudrun Hanke-El Ghomri
Eine Koproduktion von Vineta Film und Südwestrundfunk

INHALT

Mit SCHATTENLAND nehmen uns Volker Koepp und sein langjähriger Kameramann Thomas Plenert mit auf eine Reise in den Nordosten Polens nach Masuren - die wohl bekannteste Landschaft des früheren Ostpreußen. Begegnungen mit Menschen, die abseits der touristischen Gegenden Masurens wie gestrandet erscheinen: Bauern, die in der vermeintlichen Idylle die kurzen Sommer dafür nutzen, dem kargen Boden Getreide abzuringen. Ukrainer, die nach dem Zweiten Weltkrieg zwangsumgesiedelt wurden, und die es nach Polens EU-Beitritt in die alte Heimat nach Osten zieht. Und Fischer, die einige der einst sprichwörtlich fischreichen 3000 Seen auch im Winter befischen.

Bis heute blieb Masuren dünn besiedelt und zählt trotz des Tourismus zu den ärmsten Gegenden Europas. Besonders betroffen sind die Grenzregionen zu Kaliningrad im nördlichen Ostpreußen. Und auch heute noch sind die Spuren der Geschichte unübersehbar: Dreißigjähriger Krieg, Pest, Hungersnöte, Tatareneinfälle, Napoleonische Kriege und russische Besatzungen. Schlachtfelder beider Weltkriege des 20. Jahrhunderts. 1945 kommt das südliche Ostpreußen zu Polen. Und immer wieder Sprachen- und Nationalitätenstreit: „Wo sich aufhört die Kultur, beginnt zu leben der Masur.“ Eine Reise durch Masuren – Grenzlandschaft im Schatten der Geschichte.

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UNBEKANNTES MASUREN

Masuren ist eine Region, an der nicht nur in besonderer Weise das Herz derer hängt, denen sie einst Heimat war, sondern die auch starke Faszination auf Touristen ausübt. Doch die Historie und Kultur dieses Landstrichs im Osten Europas ist weitgehend terra incognita, und dort, wo man sich mit ihr beschäftigte, geschah dies zumeist als Versuch politischer Vereinnahmung. Eine eigene masurische Identität wurde von deutscher oder polnischer Seite weder gewünscht noch akzeptiert.

Der Deutsche Orden ließ weite Teile der altpruzzischen Landschaften Sassen, Galinden und Sudauen als Schutz gegen Polen und Litauer unbesiedelt liegen. Nachdem 1525 der Herzog von Preußen dem polnischen König den Lehnseid geschworen hatte, begann man Menschen in die sogenannte „große Wildnis“ zu holen. Sie kamen aus dem polnischen Masowien und nicht wie zur Zeit der Christianisierung aus dem Westen. Mit der Reformation im Ordensland wurden die neuen Bewohner Preußens evangelisch. Sie nennen sich Masuren. Ihre polnische Sprache behalten sie.

Neben masurischen Traditionen, Mythen und Legenden gehört wilhelminische Ost-Politik ebenso zur Geschichte wie Polens Ansprüche auf Masuren nach der Wiederherstellung des polnischen Staats im Jahr 1918. Die rassistische Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten gegenüber Polen und Juden in Ostpreußen, die Flucht und Vertreibung der Deutschen, die "Re-Polonisierung" nach 1945, die Umwälzungen nach 1989 – alles hat seine Spuren hinterlassen. Und heute: eine Region im neuen Europa und eine junge polnische Generation auf der Suche nach ihren historischen Wurzeln, ihrer neuen regionalen Identität.

Masuren - ein Land, das unter die Räder der Geschichte gekommen ist - wird entdeckt.

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Stand 12/05 - Irrtümer vorbehalten