| SHUTKA - STADT DER ROMA (ARU ASA SOUP WA)
ein Film von Aleksandar Manic
Tschechische Republik, Serbien & Montenegro 2005, 79’, Farbe/sw, Mazedonisch/Romanes mit dt. Untertiteln
Buch, Produktion & Regie: Aleksandar Manic
Kamera: Dominik Miskovsky
Schnitt: Ivana Davidová
Ton: Juraj Zák
Koproduzenten: Karel Hynie & Judita Krízová Eine Produktion der Cabiria Films, Aleksandar Manic & Czech Television / Telexport
FESTIVALS
Internationales Filmfestival Rotterdam 2005
Internationales Filmfestival La Rochelle 2005
KURZINHALT
Shutka, 15 Autominuten von der mazedonischer Hauptstadt Skopje entfernt, ist die inoffizielle Hauptstadt der Roma. Eine Stadt, die direkt einem Kusturica Film entsprungen zu sein scheint - voller merkwürdiger Rituale, grotesker Situationen und burlesker Gestalten. Unser persönlicher Führer durch Shutka ist daher auch niemand geringer als Dr. Koljo (Severdzan Bajram), vielen bekannt aus Kusturicas Film SCHWAZE KATZE, WEISSER KATER. Er bringt uns mit reichen Geschäftsleuten, armen Tagelöhnern, Vampirjägern und Derwischen zusammen. Dokumentarisches mischt sich mit schauspielerischen Einlagen der Einwohner und es entsteht ein sehr skurriles und einzigartiges Portrait dieses ungewöhnlichen Flecken auf der Landkarte und seiner Bewohner.
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INHALT
Shutka, 15 Autominuten von der mazedonischer Hauptstadt Skopje entfernt, ist die inoffizielle Hauptstadt der Roma. In Shutka misst sich der Wohlstand nicht am Geld. Hier ist derjenige wohlhabend, der immer wieder in der Lage ist, sich neu zu erfinden. Vielleicht ist dies auch der Grund, warum behauptet wird, in Shutka finden mehr Meisterschaften in irgendwas statt, als irgendwo anders auf der Welt. Seien es Vampirjagden, Gesangswettbewerbe, Türkische-Musikkassetten-sammeln-Meisterschaften oder Wer-hat-die-schönste-Sonntagsgardrobe-Ausscheidungskämpfe. Selbst Kanarienvögel, Tauben und Gänse werden trainiert, um sich im Singen, Fliegen und Boxen zu messen. Eine Stadt, die direkt einem Kusturica Film entsprungen zu sein scheint - voller merkwürdiger Rituale, grotesker Situationen und burlesker Gestalten. Aus diesem Grund ist unser persönlicher Führer durch Shutka auch niemand geringer als Dr. Koljo (Severdzan Bajram), vielen bekannt aus Kusturicas Film SCHWAZE KATZE, WEISSER KATER. Er bringt uns mit reichen Geschäftsleuten, armen Tagelöhnen, Vampirjägern und Derwischen zusammen und nimmt uns bei der Hand auf eine Reise in eine Welt, die Außenstehenden zumeist verschlossen bleibt. Denn man muss wissen: Gott liebt Shutka, denn nirgendwo wird er in der Entscheidungsfindung so beansprucht wie hier.
Dokumentarisches mischt sich mit schauspielerischen Einlagen der Einwohner, Farbmaterial kollidiert mit Schwarz/Weiss-Bildern, Animation trifft auf optische Effekte, die den Geist alter Dokumentarfilme zitieren. So entsteht ein sehr spezielles und einzigartiges Portrait dieses ungewöhnlichen Flecken auf der Landkarte und seiner Bewohner Ein Film voll von üppiger visueller Phantasie, folkloristischen Figuren, poetischem Realismus und surrealen Einfällen.
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HINTERGRUND
Etwa 15 Autominuten von Skopje entfernt liegt die Roma-Gemeinde Shuto Orizari, kurz Shutka und von Einheimischen auch Stuttgart genannt. Ob das an den recht schmucken Häusern liegt, die die Hauptverkehrsstraße Uliza Shuto Orizari säumen? Die Bauten sind gepflegt, in verschiedenen Farben gestrichen, mit einem Hang zu verschnörkeltem Dekors. Die meisten Häuser besitzen akkurate Vorgärten, aus denen die Besucher schon mal der eine oder andere Gartenzwerg anblickt. Einige Familien besitzen ein Auto, viele wählten das Stuttgarter Modell mit dem Stern. Nicht nur diese bürgerlich anmutende Idylle weckt Assoziationen mit der schwäbischen Häuslebauer-Metropole, auch die Tatsache, dass fremde Besucher von vielen Kindern und Jugendlichen in akzentfreiem Deutsch angesprochen werden, lässt an Deutschland denken.
Dass aus dem einstigen Slum jedoch keine Wohlstandsoase geworden ist, verrät schon ein Blick auf die Statistik. Shutka gehört immer noch zu den unterentwickeltsten Gemeinden Mazedoniens. Wenn man die gut ausgebauten Straßen hinter sich gelassen hat, sieht man schlecht befestigte Hütten, die oft ganze Familien beherbergen müssen. Etwa 30000 bis 45000 Menschen leben hier, etwa 93 Prozent der Einwohner sind Roma. Diese Zahl entspricht fast der gesamten Roma-Bevölkerung Mazedoniens. Die Schätzungen der Einwohnerzahlen Shutkas schwanken, da seit des Kosovo-Krieges und den Kämpfe zwischen albanischer UCK und Einheiten der mazedonischen Armee viele Roma nach Skopje flüchteten.
Hauptproblem der Gemeinde ist die Arbeitslosigkeit: schon für Mazedonien insgesamt ist sie mit rund dreißig Prozent sehr hoch, in Shutka haben die wenigsten einen Arbeitsplatz. Die Integration der Roma in das Arbeitsleben Mazedoniens ist neben adäquaten Bildungsmöglichkeiten auch eine der Hauptforderungen Neschdet Mustafas, des Bezirksbürgermeisters der Gemeinde. Neschdet Mustafa ist der erste Roma-Bürgermeister der Welt, seit Ende 1996 im Amt und außerdem Gründer der seit 1999 existierenden Vereinigten Partei der Roma. Nur durch umfassende Integration könnten die existenziellen sozialen Probleme wie Armut und Ghettoisierung der Roma überwunden werden, meint Neschdet Mustafa. Die Roma hätten keine Lobby und würden noch zuwenig als Menschen mit bürgerlichen und nationalen Rechten akzeptiert: „Viele haben noch ein historisches Bild von Roma in ihren Köpfen und denken, die Roma seien faul, schmutzig und arbeitsunwillig.“
Aber auch die Roma in Shutka bleiben nicht vor der Kritik des Bürgermeisters verschont: „Die Roma müssen aktives Subjekt werden und nicht passive Betrachter ihres Schicksals!“ Er spricht damit ein Grundproblem an: die mangelnde Erfahrung der Roma, was Selbstorganisation und beispielsweise das Einfordern ihrer Rechte bei Behörden betrifft. Neschdet Mustafa führt an, dass bei besserer Organisation und aktiver Teilnahme der Roma ihre Probleme erheblich leichter gelöst werden könnten. Doch aller Anfang ist auch hier wie immer schwer.
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BIO- UND FILMOGRAFIE ALEKSANDER MANIC
Aleksandar Manic arbeitet seit 15 Jahren als Regisseur von Dokumentarfilmen. Er wurde 1966 nahe der ungarischen Grenze in Senta in der autonomen Provinz Vojvodina geboren. Nach seiner Grundschulzeit zog die Familie nach Deutschland. Aleksandar Manic studierte nach dem Abitur zwei Jahre lang Philosophie in Köln, bevor er an der renommierten Filmhochschule FAMU in Prag das Filmhandwerk erlernte. Er arbeitete als Regieassistent und Übersetzter bei diversen Produktionen u.a. UNDERGROUND von Emir Kusturica, bevor er die Möglichkeit bekam, eigene Projekte zu realisieren.
Shooting Days - Emir Kusturica films Underground (1997)
The Walls of Kosovo - a province at war (1998)
The Orphans of Enver Hodsha (1999)
Doger - the Serbian Revolution (2000)
The Shutka Book of Records (2005)
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Stand 08/05 - Irrtümer vorbehalten
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