TROPICAL MALADY

ein Film von Apichatpong Weerasethakul
Thailand/Deutschland/Frankreich/ Italien, 2004, 118’, Thailändisch mit dt. Untertiteln

Darsteller:
Banlop Lomnoi, Sakda Kaewbuadee, Sirivech Jareonchon, Udom Promma, Huai Deesom

Stab:
Regie/Drehbuch: Apichatpong Weerasethakul
Produktionsdesign: Akekarat Homlaor
Regieassistent: Suchada Siridhanawuddhi
Kamera: Vichit Tanapanitch, Jarin Pengpanitch,, Jean Louis Vialard
Kostüm: Pilaitip Jamniam
Make up: Ach Intapura
Ton: Akritchalerm Kalayanamitr
Schnitt: Lee Chatametikool
Schnittassistenz: Jacopo Quadri
Special effects: TVT/Germany, Markus Degen
Produzent: Charles de Meaux, Anna Sanders Films
Koproduzenten: Paiboon Damrongchaitham, Marco Müller, Christoph Thoke, Axel Moebius, Pantham Thongsang (TIFA, Downtown Pictures, Thoke+Moebius Film, Kick the Machine)
In Zusammenarbeit mit Rai Cinema, Fabrica Cinema, Fonds Sud Cinema, Ministère de la Culture et de la Communication CNC, Ministère des Affaires Etrangères

Unterstützt von: Hessische Filmförderung, Fondazione MonteCinema Verità, Backup Films


FESTIVALS
Spezial-Preis der Jury, Cannes 2004
New York Filmfestival 2004
Internationales Filmfestival Rotterdam 2005

KURZINHALT

Der junge Soldat Keng und sein Freund Tong verbringen eine unbeschwerte Zeit miteinander - mal in Tongs Familie auf dem Dorf, mal in den Karaoke-Bars der Stadt. Eines Tages ist Tong verschwunden, sein Dorf lebt in Angst – eine wilde Bestie fällt über die Kühe der Bauern her. Einer thailändischen Sage nach kommt es vor, dass Menschen sich plötzlich in wilde Tiere verwandeln. Keng macht sich auf die Suche nach dem verschollenen Geliebten. Mit der Suche beginnt eine Grenzerfahrung im Zwischenreich von Mensch, Tier und Natur, in der sich Raum und Zeit aufheben im flirrenden Halbdunkel und atemloser Stille. Tropical Malady ist Kino, das so noch nie existiert hat, unendlich fremd und von dunkelster Schönheit.

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INHALT

Keng ist ein junger Soldat. Tong ist ein Junge vom Land. Sie sind verliebt und verbringen eine unbeschwerte Zeit miteinander, in Tongs Familie auf dem Dorf oder in der Stadt, wo sie nachts durch Karaoke-Bars ziehen oder ins Kino gehen.

Plötzlich verschwindet Tong. Und sein Dorf lebt in großer Angst, weil eine wilde Bestie über die Kühe der Bauern herfällt. Erinnerungen an eine thailändische Sage werden wach: Texte und Illustrationen berichten von Menschen, die sich in Tiger verwandeln können.

Keng macht sich in den Dschungel auf, um seinen verschollenen Geliebten zu finden, und seine besessene Suche nach Tong nimmt mehr und mehr die Züge einer tropischen Krankheit an. Keng dringt immer tiefer in den Dschungel ein. Dabei wird der Dschungel selbst zur Hauptfigur des Films.

Für Keng gerät der Dschungel zum einzigen Ort, an dem er seine Sehnsüchte und Träume überhaupt leben kann. Er bildet die angemessene Folie für seine Gefühle, seine Liebe und seine Traurigkeit. Im Dschungel finden Kengs Sehnsüchte einen Ausdruck, seine Schmerzen jedoch keine Heilung.

Mit Kengs sonderbarer Reise verfällt der Film in eine verführerische, aber zugleich auch unheimliche Trance. Keng wandelt auf verschlungenen, von Lianen, Büschen und Bäumen umsäumten Pfaden durch die Dunkelheit. Er lauscht den nächtlichen Stimmen des Dschungels. Sie klingen für Kengs Ohren wie eine neue Sprache, die er erst lernen muss.

Auf einmal nimmt das Meckern eines Affen im Baum eine menschliche Stimme an. Der Affe spricht zum Soldaten Keng. Er gibt ihm verschlüsselte Hinweise auf eine mögliche Wiederbegegnung mit dem Geliebten, bis Keng einem Tiger gegenüber steht. Das ist der Augenblick, in dem Keng seine ‚tropical malady’ annimmt. Eine Verschmelzung und eine Seelenwanderung deuten sich an...

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DER REGISSEUR

APICHATPONG WEERASETHAKUL ÜBER SEINEN FILM

Im Tropical Malady gibt es mehrere Strömungen, Elemente des Horrorfilms sind genauso zu finden wie Elemente des Psychodramas. Es ist auch die Geschichte vom Nebeneinander verschiedener Dinge: So wie der Held auf der Suche nach seiner eigenen Identität und seinen Erinnerungen ist, sucht auch der Film seine Identität. Ich wollte eine eher unbekannte Seite des Dschungels zeigen: die Nacht, in der die Zeit ein wenig irreal erscheint.

Auch wenn die Story in einer linearen Struktur präsentiert wird, besteht TROPICAL MALADY aus zwei getrennten Erzählsträngen, die jeweils sehr unterschiedliche Welten repräsentieren. Diese Welten sind durch die beiden Hauptcharaktere verbunden, die der Zuschauer als eine oder als zwei getrennte Personen wahrnehmen kann.

Mein Tonmann ging in der Nacht in den Dschungel und brachte unglaubliche Geräusche mit. Er begegnete einem Bären und stieß auf eine Herde von Elefanten. Leider konnte ich nicht alle Geräusche benutzen, sonst wäre aus dem Film eine Show von Sound Effekten entstanden. Ich habe aber versucht, dem Publikum ein Gefühl für die spezifischen Geräusche des Dschungels zu geben.

Dieser Film ist eine überaus schmerzhafte Erfahrung, sehr bedrückend, krankmachend. Der Film ist eine Mischung aus Stadt und Dschungel. Und ich wollte eine eher unbekannte Seite des Dschungels zeigen: die Nacht, in der die Zeit ein wenig irreal erscheint.


BIOGRAPHIE APICHATPONG WEERASETHAKUL

Geboren 1970 in Bangkok. Aufgewachsen im Nordosten Thailands. Architekturstudium an der Khon Kaen University und Filmstudium am School of the Art Institute in Chicago. Dreht seit den frühen 1990er Jahren Kurzfilme und arbeitet außerhalb des strikten Studiosystems des Landes. 1999 gründet er die Produktionsfirma Kick the Machine, mit der er gezielt Stoffe für Low-Budget-Produktionen fördert. Nach dem Dokumentarfilm Mysterious Object at Noon (2000) dreht er den international mehrfach prämierten Spielfilm Blissfully Yours (2002).

 

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Stand 08/05 - Irrtümer vorbehalten