WIR WAREN NIEMALS HIER

ein Film von Antonia Ganz
D 2005, 35 mm, 97 min.

PROTAGONISTEN
MUTTER: Max Müller (Gesang), Frank Behnke (Gitarre), Kerl Fieser (Bass), Florian Koerner von Gustorf (Schlagzeug), Tom Scheutzlich (Keyboards)
NICHT MUTTER: Jörg Buttgereit, Regina Hoppe, Francoise Cactus, Edith Müller, Diedrich Diederichsen, Wolfgang Müller, Jochen Distelmeyer, Rocko Schamoni, Marc Elsner, Gundula Schmitz, Alfred Hilsberg

STAB
Regie, Kamera, Schnitt: Antonia Ganz
Herstellungsleitung: Natalie Lambsdorff
Ton: Manuela Stacke
Leitung Postproduktion: Markus Seitz
Colorist: Moritz Peters
Filmbelichtung: Feinwerk Berlin
Tonbearbeitung: Karl Atteln
Mischung: Hörwerk, Frerich und Beck
Kinomischung: Blackbird Music
Musik: Honkas, Campingsex, Mutter, Max Müller
Eine Produktion von Die Eigene Gesellschaft (Antonia Ganz & Markus Seitz GbR) und der Hochschule für Fernsehen und Film München
Gefördert von fff Bayern und medienboard Berlin - Brandenburg


FESTIVALS
Panorama, Internationale Filmfestspiele Berlin 2005

KURZINHALT

Die Band MUTTER ist ein Phänomen. Ihre Musik ist laut und brachial und im nächsten Moment zart und flüchtig. Mit ihrem unverwechselbaren Sound prägen sie seit 18 Jahren die deutsche Musiklandschaft, ohne selbst je berühmt geworden zu sein. Antonia Ganz begleitete die Band auf ihrer Tournee durch Deutschland und die Schweiz und hat dieses Material mit privaten Super8-Bilder verflochten. Es ist ein Abtauchen in das Berlin der 80er Jahre, angereichert mit Beiträgen u.a. von Schorsch Kamerun, Dietrich Diedrichsen und Jörg Buttgereit. WIR WAREN NIEMALS HIER ist die Geschichte der Band, die Geschichte dieser ungewöhnlichen Musiker, die Geschichte einer Szene und damit letztlich dieser Republik. 

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INHALT

Die Band MUTTER ist ein Phänomen. Ihre Musik ist laut und brachial und im nächsten Moment zart und flüchtig. Damit schlagen sie ihr Publikum und so manchen Produzenten in die Flucht. Mit ihrem unverwechselbaren Sound prägen sie seit 18 Jahren die deutsche Musiklandschaft, ohne selbst je berühmt geworden zu sein. Denn MUTTER lassen sich nicht einordnen. Sie sind "eine Geheimproduktionsstätte, die nach anderen Regeln funktioniert und sich nicht darum schert, wie man das so machen muss." (Rocko Schamoni)

Der Film begleitet die Band auf ihrer Tournee durch Deutschland und die Schweiz und verflechtet private Super8-Bilder mit der Geschichte der Band und den ungewöhnlichen Biografien der Musiker. Man taucht ein in ein Berlin der 80er Jahre, wo es für eine Mark Eintritt Konzerte in Privatwohnungen gab und in Hinterhöfen noch geboxt wurde.

"Später werden Leute sagen: Das hat kein Schwein wahrgenommen - das ist aber das Geilste gewesen. Seid ihr denn alle bescheuert?" (Jochen Distelmeyer)

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ÜBER MUTTER

Mutter gingen hervor aus der Band Camping Sex, die bereits 1985 das damals wenig beachtete und heute gesuchte Album "1914!" veröffentlichten. Als Mutter debütierten sie dann 1989 mit dem Album "Ich schäme mich Gedanken zu haben die andere Menschen in ihrer Würde verletzen" auf dem Label der Tödlichen Doris, bei denen Max Müllers Bruder, der Berliner Künstler und Musiker Wolfgang Müller Sänger war. Die Platte wurde anfangs nur wenig wahrgenommen, mit dem Aufschwung deutschsprachiger Independentbands Anfang der 90er Jahre (insbesondere dem sogenannten Diskurs-Pop der Hamburger Schule) und den Nachfolgealben "Komm!" sowie "Du bist nicht mein Bruder" änderte sich das aber und Mutter wurden von der Kritik frenetisch gefeiert.

Der brachiale, schwere und an einen Maelstrom erinnernde Stil der Band steht teils in der Tradition von amerikanischen Undergroundbands wie den Swans oder Flipper, hat aber vordergründig auch klangliche Ähnlichkeiten mit Bands wie Rammstein, trotzdem konnte die "Stadtrevue Köln" in einem Artikel konstatieren: "Mutter funktionieren wie das Gegenstück zu Rammstein: Wo diese mit sehr ähnlichen Mitteln Triumph erzeugen, klingen Mutter nach bohrendem Zweifel." Denn der wuchtige Crossover aus Doom Metal und No Wave war immer mit selbstironischen und komischen Elementen gebrochen. Bei Livekonzerten exponierte Sänger und Texter Max Müller immer auch dem Sound scheinbar konträrer Züge wie Schwäche, Verletzlichkeit und posierte keinesfalls martialisch oder dämonisch. In seinen Texten herrscht Ambivalenz. Ähnlich wie bei der Tödlichen Doris, dem Projekt seines Bruders, wird bei Mutter mit Identitäten und Positionen gespielt, die scheinbar ungeregelt eingenommen und wieder verlassen werden und dem Interpreten wenig Hilfe, dafür aber umso mehr Freiräume lassen.

Mit dem 1994 veröffentlichten Album "Hauptsache Musik" irritiert die "unberechenbarste aller Diskurspop-Bands" (NZZ) all jene, die in ihr eine Art linkes Rammstein sahen, das Album war weniger noiserock-lastig als alle zuvor, sondern hatte zahlreiche ruhige Balladen und wurde so das erfolgreichste aller bisherigen Veröffentlichungen.

1995 fand in Berlin ein "Mutter boxt!" getaufter Boxkampf zwischen Kerl Fieser und Florian Koerner von Gustorf mit Frank Behnke und Max Müller als Coaches statt, als Ringrichter agierte der Regisseur Jörg Buttgereit, in dessen Film "Schramm" spielt Florian Koerner von Gustorf die Hauptrolle und Max Müller komponiert den Soundtrack.

1996 erscheint das Album "Nazionali", der Titel löst einen kleinen Skandal aus, weil einige Kritiker den Titel und seine Schreibweise fälschlicherweise politisch (miss-)verstehen, dabei handelt es sich eigentlich um eine italienische Zigarettenmarke. 1997 brechen Mutter mit dem Management und lange ist nichts von Ihnen zu hören.

2001 erscheint das erste neue Mutter-Album seit 4 Jahren. Sein Titel, "Europa gegen Amerika", eine Zeichnung im Booklet, die einen Micky-Maus-Ohren tragenden George W. Bush beim Verspeisen der Weltkugel zeigt, neben seinem Gesicht steht "Das ist der Todfeind", im Hintergrund brennen Hochhäuser. Und auf dem Album ein Stück mit dem Refrain "Krieg ist vorbei / ein neuer beginnt". 24 Stunden nach der Präsentation des Albums wird diese Szene durch den Anschlag auf das World Trade Center in New York Wirklichkeit.

Als bisher letzte Veröffentlichung erschien Mitte Mai 2004 das Album "CD des Monats" als limitierte Edition, in einer Sonderauflage mit Max Müllers Filmmusiken zusätzlich.
wikipedia.de

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DISKO- UND BIOGRAFIEN

MUTTER
Ich schäme mich Gedanken zu haben die andere Menschen in ihrer Würde verletzen", 1989 / 1994
"Komm", 1991
"Du bist nicht mein Bruder", 1993
"Hauptsache Musik", 1994
"Nazionali", 1996
"Konzerte I (1986-1991)", 1997
"Europa gegen Amerika", 2001
"CD des Monats", 2004


ANTONIA GANZ
1974 in Schopfheim geboren, aufgewachsen in Bad Säckingen. Nach dem Abitur 1993 Studium der Sciences Economiques auf Martinique. 1995 Produktionsassistentin bei RFO (Radio Télévision Francaise d´Outre-Mer) in Paris. Von 1997 bis 2005 Studium an der HFF München im Bereich Dokumentarfilm.

Filme:
1998 Verkehrt Hallo (Dokumentarfilm, 8 min, 16 mm, S/W)
2000 Pleasant Journey (mit Kerstin Jost, Dokumentarfilm, 67 min, Video)
2001 Weiss (Experimentalfilm, 22 min, Video)
2005 Wir waren niemals hier

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WEITERFÜHRENDE LINKS

Wir waren niemals hier - die Filmseite
Mutter – die Band
Enduro - Plattenlabel von „Mutter“
Max Müller
Intro
Spex

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PRESSESTIMMEN

Antonia Ganz baut die vier Gründer nach und nach als Figuren auf, die einen plötzlich, ganz unabhängig von den künstlerischen Leistungen der Band, einnehmen: ein gelegentlich als Psychopath in Splatterfilmen auftretender, aber mit Bundesfilmpreisen ausgezeichneter Filmproduzent als Drummer, ein zeichnender Poet und Punkfilmer als Sänger, an der Gitarre ein melancholischer Mitarbeiter von David Lynch und schließlich ein Bassist, der als Bordellbote begonnen hat und bis heute stolz das beste aller Punk-Pseudonyme trägt: Kerl Fieser, seine Freunde nennen ihn Kerl. Bald überwiegt das menschliche Interesse an dieser Männergruppe, und es wird von der Regisseurin auf einen entscheidenden Höhepunkt gebracht, den ich noch in keiner Popmusik-Dokumentation gesehen habe: Ein Gründungsmitglied steigt vor laufender Kamera aus.
Diedrich Diedrichsen DIE ZEIT

Alles Disparate findet im Film auf wunderbare Weise genauso zusammen wie die auseinander strebenden Parts der Band. Das Störrische der Band Mutter muss man lieben, auch das des Films, der die Genres nicht achtet. Ein Unikum? Ein Unikat!
Dietrich Kuhlbrodt TAZ

Mal freundschaftlich nah, mal fast überbetont unbeteiligt fragt und zeigt Ganz` Dokumentation, wie Mutter so umwerfend und ergreifend sein und gleichzeitig so unbemerkt bleiben konnten.
TONSPION

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Stand 08/05 - Irrtümer vorbehalten