| WO DER HIMMEL DIE ERDE BERÜHRT (WA)
von FRANK MÜLLER
unter Mitwirkung von TSCHINGIS AITMATOV
D 1999, 85 Minuten, OmU
STAB
Buch und Regie: FRANK MÜLLER
Kamera: FRANK MÜLLER
Ton: INGO BURGHARDT
Musik: NURLAN NISCHANOV
Produzent: FRANK MÜLLER und BERND HELLTHALER
Produktion: CINE-DOK
in Co-Produktion mit EUROARTS INTERNATIONAL
KURZINHALT
An der alten Seidenstraße im Herzen von Zentralasien liegt das wilde und schöne Land Kirgistan. Der Film unternimmt eine Reise in dieses Land, in die Heimat von Tschingis Aitmatov und seiner Figuren, eine Reise in die Welt der alten Schäferin Bübüsch und eine Reise in den Kosmos von Rysbek, der den ‚Manas‘ – Epos, ein Weltkulturerbe, wie kein anderer erzählen kann.
Hier, wo die unendlich weite Natur das Leben der Menschen noch bestimmt, hier liegt aber auch das größte Goldvorkommen der Erde. Der Goldabbau reißt tiefe Wunden in das Land. Die Zukunft wird beweisen müssen, ob es einen Weg zwischen Tradition und Ausbeutung geben kann.
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INHALT
Wo der Himmel die Erde berührt liegt Kirgistan, ehemalige Sowjetrepublik, Heimat des Dichters Tschingis Aitmatov. Ein Film über die Naturschönheiten dieses Landes und eine sensible Dokumentation über die natürliche Lebensweise der Nomaden, ihren Tagesablauf und ihren Umgang mit der Natur.
Eine alte Nomadin, Bübüsch, ist eine der Protagonisten im Film, sie lebt allein auf der Alm im Hochgebirge in einer Jurte mit ihren Schafen. Sie ist wie die Mutter Erde und hat in ihrem Leben schon viele schwere Erfahrungen gemacht.
Ein weiterer Protagonist ist Rysbek, ein kirgisischer Eposerzähler, der nach einem tausendjährigen Brauchtum das kirgisische Epos ‚Manas‘ im Sprechgesang erzählt. Durch seine Lebensweisheiten erzählt er von der großartigen Nomadenkultur an der alten Seidenstraße. Mit den beiden Hauptpersonen wird die Hoffnung vermittelt, daß sich die Kirgisen ihrer Tradition bewußt bleiben und die beispiellosen Naturschönheiten Zentralasiens bis ins nächste Jahrhundert erhalten.
Denn auch Kirgistan wird nicht von der westlicher Zivilisation verschont. Hier wird das größte Goldvorkommen der Erde vermutet. Ein kanadisches Großunternehmen zerstört eine ganze Region. Täglich werden durch Sprengungen Gletscher vernichtet, ganze Bergketten abtransportiert und mit einem respektlosen Umgang der Natur ein Raum auf Jahrhunderte hin weggenommen.
WO DER HIMMEL DIE ERDE BERÜHRT arbeitet mit starken Kontrasten und will mit der Gegenüberstellung von High Tech und Nomaden-Brauchtum ein Bewußtsein für Natur und Tradition erzeugen. Hierfür wurde ein wunderschönes volkstümliches Fest auf einer Alm in über 3.000m Höhe dokumentiert, es wurden traditionelle Reiterkämpfe ausgetragen, eine kirgisische Taufe (Toschutoy) arrangiert und ein kirgisisches Essen (Beschparmak) für über 300 Menschen gegeben, herrliche Bilder einer noch existierenden nomadischen Tradition.
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TSCHINGIS AITMATOV ÜBER DAS MANAS – EPOS
„Vom Kirgisen vom allermächtigsten unter uns, von Manas, hört das Märchen. In dieser Sage ließen wir die Stimmen vieler Väter und Großväter wiederauferstehen, in dieser Sage hören wir den Flug des Vogels in der Höhe, der schon lange davongeflogen ist, das Getrappel der Pferde, das längst verhallte, die Rufe des Helden, die sich im Zweikampf maßen, das Weinen um die Gefallenen und das Siegesgeschrei.
So ersteht das Vergangene vor den Augen der Lebenden wieder auf.“
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TSCHINGIS AITMATOV ÜBER FRANK MÜLLER
„Frank Müller ist ein dynamischer, modern denkender Regisseur und Dokumentarfilmer. Eben darum hat es ihn in eine völlig abgelegene Gegend der Welt verschlagen – ins gebirgige Kirgisien, wo er mit seinen Augen das gesehen hat, was wir selber nicht immer bemerken. Er beobachtete das Leben dieses Volkes, das heute unter neuen ökonomischen Bedingungen, denen der Marktwirtschaft und des Liberalismus lernen muß, mit seinen Problemen zurecht zu kommen. Er erblickte in den Bergen die Schicksale der heutigen Menschen. All das liegt nun als Stoff seinem überzeugenden und interessanten Film zugrunde.“
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PRODUKTIONSNOTIZEN / HINTERGRUND
Die souveräne kirgisische Republik, die wir besuchten, liegt an der Grenze von China, Tadschikistan, Kasachstan und Usbekistan und wurde am 31. August 1991 gegründet. Es ist das Land der Sonne und der schneebedeckten Berge mit Wildbächen in tiefen Schluchten und wunderschönen Bergseen. Die insgesamt knapp 4,5 Millionen Einwohner setzen sich aus über achtzig ethnischen Gruppen zusammen.
Nach einer endlosen, strapaziösen Autofahrt durch sechs Länder, 8000 Kilometer weit, nach 50 Polizei- und 8 Grenzkontrollen sowie 2 Begegnungen mit der russischen Mafia waren wir reif für eine gute russische Banja. Nun konnte unser Dreh beginnen.
Die erste Station war ein kanadisches Bergbauunternehmen im Hochgebirge. Auf der Suche nach Gold sprengt man hier, in 4000 Metern Höhe, einen Berg und einen Gletscher weg. Der Kontrast zwischen der Zerstörung einer vollkommen intakten Natur und einer lebendigen Nomadentradition wurde das Hauptthema unseres Films.
Die Hauptfigur ist eine alte Frau, die in 3200 Metern allein mit ihren Schafen lebt. Als zweite Figur fanden wir einen Sänger, der das größte Epos der Welt, ein Weltkulturerbe, in einem Sprechgesang vorträgt. Das ‚Manas‘ - Epos beschreibt die kirgisische Nomadenkultur und ihren Umgang mit der Natur und den Kampf mit den verfeindeten Chinesen.
Der Höhepunkt unserer Aufnahmen war das traditionelle kirgisische Reiterspiel Ulak-Tartisch mit 300 Gästen auf einer Hochebene von 3200 Metern. Das besondere daran war, daß die kirgisischen Reiter das Fest nicht nur als sportliches Ereignis betreiben. Ab einem gewissen Zeitpunkt waren einige Reiter betrunken und schlugen wahllos aufeinander ein. Außerdem brachen bei diesem Spiel alte Rivalitäten zwischen zwei Dörfern auf und es gab Krawalle, die sich erst nach zwei Stunden auflösten. Ein anschließendes Essen brachte Entspannung. Wir hatten die ganze Zeit Angst um unseren Jeep und unser Equipement.
Insgesamt waren die Dreharbeiten, bei denen man viel Geduld mitbringen muß, sehr abenteuerlich. Anfangs versuchten wir es mit Handkamera aus dem Jeep heraus. Aber wir scheiterten an den katastrophalen kirgisischen Straßen. Die Schlaglöcher waren so groß, daß uns die Kamera fast aus der Hand fiel. So mußten wir eine andere Lösung finden und bauten uns ein eigenes Hängesystem, mit dem wir die Schlaglöcher austarieren konnten.
Es hat sich gelohnt, eine der schönsten Ecken der ehemaligen Sowjetunion mit der Kamera zu erkunden und es ist kein Zufall, daß dieses Land zu den beliebtesten Kulissen osteuropäischer Filme geworden ist.
Bei der Uraufführung des Films in Cannes war auch Tschingis Aitmatov anwesend, der eigens für den Film ein Gedicht geschrieben hatte.
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Stand 12/05 - Irrtümer vorbehalten
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