ZUR FALSCHEN ZEIT AM FALSCHEN
ORT
von Tamara Milosevic
D 2005, 65 min, Farbe, DigiBeta 16:9
Regie: Tamara Milosevic
Buch: Tamara Milosevic
Kamera: Sarah Rotter, Bettina Blümner
Montage: Silva von Gerlach, Thomas Wellmann
Mischung: André Zacher
Producer: Felix Eisele
Redaktion: Stefanie von Ehrenstein, SWR, Ebbo Demant, SWR
Produzenten: Alexander Funk, Michael Jungfleisch
Eine Gemeinschaftsproduktion der GAMBIT Filmproduktion
GmbH/Filmakademie Baden-Württemberg/
SWR in Zusammenarbeit mit der MFG Baden-Württemberg |
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FESTIVALS
Preise First Steps Award 2005
CinemaNet Europe Award DOK Leipzig 2005
Festivals DOK Leipzig Deutscher Wettbewerb 3.-9.10.2005
Festival Max-Ophüls-Preis 2006 Wettbewerb
INHALT
Potzlow, Brandenburg 450 Einwohner.
Im Juli 2002 wurde hier der 17-jährige Marinus von drei
Jugendlichen brutal gefoltert, zu Tode misshandelt und in eine
Jauchegrube verscharrt. Matthias war Marinus Freund und hat seine
Leiche ausgegraben. Seitdem ist er traumatisiert und leidet unter
schweren Depressionen. Die Schule hat er - der „Verräter“ -
abgebrochen und die nächsten Monate vor dem Fernseher auf seinem
Zimmer verbracht.
Nun sucht er einen Neuanfang. Er sei nur verstockt, sagt sein Vater, er
ruhe sich darauf aus, auf der „schlimmen Sache“ und früher
hätte man sich mehr um die Kinder gekümmert. Die Eltern sind
schuld sagt der Bürgermeister, und die Medien wollen nur schnelle
Antworten, dabei sei doch die Tat nicht geplant gewesen, die wollten
nur mal die Sau rauslassen. Man hat darüber geredet, aber „
irgendwann muss das mal wieder aufhören“.
Potzlow ist zur Tagesordnung zurückgekehrt: man trinkt, kifft und
trinkt. Ergötzt sich an scheinbar harmlosen Spielen. Spielchen,
bei denen einer immer der Unterlegene ist.
„Is doch ganz normal“, sagen die Opfer hinterher, „is jeder mal dran,
man soll nicht soviel
grübeln“. Wer grübelt, der ist schwach, einer wie Marinus,
einer wie Matthias.
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FILMOGRAFIE
Zur falschen Zeit am falschen Ort
2005 Dokumentarfilm, Fertigstellung Juni 2005 DV, 65 min
Koproduktion der Gambit Filmproduktion mit der Filmakademie
Baden-Württemberg, dem SWR und der MFG Filmförderung BW
Cement (Dokumentarfilm)
2003 DV, 55 min.
Filmpremiere: Cinema du Reel, Paris 2004
Festivals:
Dok.Fest München 2004
6th Thessaloniki documentary Festival
Montpellier Documentary Festival 2004
Highlights Filmakademie BW 2004
Focus Film, Stuttgart 2004
Filmschau Baden-Württemberg 2004
Preis:
Bester Dokumentarfilm auf dem 6. Balkan
Blackbox Festival 2004 in Berlin
Talent Campus Berlinale 2003
Dokumentarfilm
2003 DV CAM, 29 min
Four minutes, four films
Dokumentation im Rahmen der Berlinale
2003 DV CAM, 4 min
ottmar
Dokumentarfilm
das wachsame Auge der Filmakademie DV, 14 min. 2002
Schoene_Virtuelle_Welt
Dokumentarfilm
2002 DV, 40 min
Regie: Angelique Kommer
Co- Regie, Kamera: Tamara Milosevic
can´t shoot
Kurzfilm
2001 DV CAM, 7 min
Freiling
Animationsfilm
2001 16 mm, 6 min
Festivals : Animationsfilmfestival Leipzig 2003
Das Kartoffelgericht
Animationsfilm
2000 16mm, 12 min
PRESSESTIMMEN
Potzlow, Brandenburg. 450 Einwohner. Im Juli
2002 wurde hier der 17-jährige Marinus von drei Jugendlichen
brutal gefoltert, zu Tode misshandelt und in der Jauchegrube
verscharrt. Matthias war Marinus’ bester Freund und hat die Leiche
ausgegraben. Seitdem ist er traumatisiert und leidet unter schweren
Depressionen. Die Schule hat er, der „Verräter“, abgebrochen und
die nächsten Monate vor dem Fernseher auf seinem Zimmer verbracht.
Nun versucht er einen Neuanfang. Er sei nur verstockt, sagt sein Vater,
er ruhe sich darauf aus, auf der „schlimmen Sache“, und früher
hätte man sich mehr um die Kinder gekümmert. Die Eltern sind
schuld, sagt der Bürgermeister, und die Medien wollten nur
schnelle Antworten, dabei sei die Tat doch nicht geplant gewesen, die
wollten nur mal „die Sau rauslassen“.
Man hat darüber geredet, aber irgendwann „muss es aufhören“.
Potzlow ist zur Tagesordnung zurückgekehrt: Man trinkt, kifft und
trinkt. Ergötzt sich an scheinbar harmlosen Spielchen. Spielchen,
bei denen einer immer der Unterlegene ist. „Is’ doch normal“ sagen die
Opfer hinterher, „is’ jeder mal dran, man soll nicht soviel
grübeln“. Wer grübelt ist schwach. Einer wie Marinus. Einer
wie Matthias. Mit beklemmender Intensität zeichnet Tamara
Milosevic in ihrem Abschlußfilm das Bild einer Gemeinschaft, in
der es tödlich sein kann, zur falschen Zeit am falschen Ort zu
sein.
Dr. Grit Lemke, DOK Leipzig
Ein Ort in Brandenburg, wie jeder andere, wie
kein anderer. Tamara Milosevic erzählt nicht einfach die
Geschichte eines grausamen Mordes, sie macht den Schauplatz eines
Verbrechens bildlebendig. Der Film führt seine Figuren nicht vor,
er verfügt nicht über sie, sondern erschrickt selbst
über das Geschehen. Ein Gehege voll klirrender Kälte und
drogenseliger Gemütlichkeit, ein Überfall auf den Zuschauer
ohne pädagogischen Rat und
kurzschlüssige Folgerungen.
Aus der Begründung der Jury zum First Steps Award 2005
Auf der Spur eines schrecklichen Verbrechens fiel eine Armee von
Zeitungs-, Fernseh- und Rundfunkreportern in ein kleines Dorf in der
Uckermark ein, ohne dass die Tat für die Nation
verständlicher geworden wäre. Tamara Milosevic ging geduldig
und vorurteilslos unter die Menschen des Dorfes, um näher und
tiefer beobachten zu können, warum ein solches Verbrechen
geschehen konnte. Der Film lässt erahnen, wohin die Abwesenheit
von Liebe und Achtung führen kann. Das Elend existiert eben nicht
nur in Schreckensnachrichten aus fernen Ländern. Der Blick dieses
Films zeigt uns, was wir nicht sehen wollen: Die menschlichen
Katastrophen in unserer nächsten Umgebung.
Aus der Begründung der Deutschen Jury für
Dokumentarfilm zur Verleihung des CinemaNet Europe Award im Rahmen des
DOK Leipzig 2005
Sehr bewegt hat mich der Film "Zur falschen Zeit
am falschen Ort" von Tamara Milosevic. Er läuft im Deutschen
Wettbewerb, ein Film über den Ort Potzlow in Brandenburg, wo
Jugendliche einen Mitschüler sinnlos und bestialisch ermordet
haben. Die Nachricht darüber hat allgemein für
Erschütterung und Fassungslosigkeit gesorgt. Dieser Film schafft
es, nachvollziehbar zu machen, wie solch eine sinnlose Tat entstehen
kann, wie Jugendliche dazu kommen können, einfach einen
Mitschüler zu ermorden. Die junge Nachwuchs- Regisseurin mit den
Film einer Instinktsicherheit gemacht, die mich beeindruckt.
Leipziger Festivaldirektor Claas Danielsen in einem
MDR-Interview
Konsequenterweise geht die Doku-Auszeichnung an
"Zur falschen Zeit am falschen Ort", eine bedrückende
Bestandsaufnahme aus dem uckermärkischen Potzlow, wo 2002 drei
Jugendliche den 16-Jährigen Marinus nach einem Saufgelage
folterten und ermordeten. - Von der "Flucht in die lahme
Selbstreflexion, dieses kulturelle Biedermeier der
Um-die-Dreißigjährigen", das Doku-Jury-Mitgied Lutz
Hachmeister bei den First Steps 2004 beklagt hat, kann dieses Jahr
keine Rede sein.
Taz am 25.8.2005
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Stand 08/05 - Irrtümer vorbehalten
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